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Radevormwald
Rechtsstreit um Fehler bei Wülfing-Dach

Radevormwald: Rechtsstreit um Fehler bei Wülfing-Dach
Bei der Klage der Stadt vor dem Landgericht in Köln geht um das Dach des Gebäudes im Hintergrund (hier eine Aufnahme aus dem April 2003), in dem heute das Wülfingmuseum untergebracht ist. FOTO: nico hertgen (archiv)
Radevormwald. Fristgerecht bis Ende Oktober hat die Stadt Klage gegen mehrere Firmen eingereicht. Sie sollen vor mehr als zehn Jahren Sanierungsarbeiten am Dach des Gebäudes, wo heute das Museum untergebracht ist, fehlerhaft vorgenommen haben. Von Joachim Rüttgen

Michael Ende schrieb 1979 den erfolgreichen Roman "Die unendliche Geschichte". Eine weniger ruhmreiche Fortsetzung könnte er seit etwas mehr als zehn Jahren zum Wülfing-Gelände in Dahlerau schreiben. Denn damals hatte die Stadt im Zuge der Sanierung des Areals Arbeiten am Dach auf dem Gebäude vornehmen lassen, in dem heute das Museum untergebracht ist. Wie sich herausstellte, war die Maßnahme mit erheblichen Fehlern verbunden, die noch heute zu Terminen vor Gericht führen.

Bis Ende Oktober hat die Stadt nun fristgerecht Klage beim Landgericht Köln gegen mehrere Unternehmen eingereicht, die die Schäden zwar grundsätzlich nicht in Frage stellen, wohl gibt es aber deutliche Differenzen darüber, wie die Höhe der Kosten für die Beseitigung der Schäden festzusetzen ist, bestätigt jetzt der Erste Beigeordnete und Kämmerer Frank Nipken auf Anfrage unserer Redaktion.

"Es gibt nach wie vor Mängel in der Konstruktion", sagt er. Die Architekturleistung sei einfach nicht in Ordnung, Tragwerksplanung, Zimmerei- und Klempnerarbeiten ebenfalls nicht. "Wir sind unzufrieden, denn das Dach ist noch immer nicht gänzlich dicht", sagt Nipken. Für ihn waren weder die Ausschreibung noch die handwerkliche Umsetzung und Beratung der Fachleute am Bau hinnehmbar. "Die Folge ist, dass wir bis heute nicht die komplette Fläche vermieten können und einen dicken Ausfall zu beklagen haben", sagt er.

Da habe die Stadt schauen müssen, Rechtsansprüche nicht zu verlieren und Klage eingereicht. Die Rede ist von einem Schadensersatz von mehr als 600.000 Euro - plus den entgangenen Mieteinnahmen, was sich zusammen auf zwei Millionen Euro summieren dürfte.

Nipken spricht von einer "grundlegenden Verunsicherung, weil das Verfahren ein sehr komplexes Gebilde ist", sagt er. Parallel zur versicherungstechnischen Abwicklung habe die Stadt auch nach Möglichkeiten eines Vergleichs geschaut - aber ohne Erfolg, die Vorstellungen der unterschiedlichen Verfahrensteilnehmer seien zu weit auseinandergegangen.

Den Dachausbau könnte die Stadt nun theoretisch neu ausschreiben, bräuchte da aber jemanden für die Baubetreuung. Im Haushalt für 2016 stehen 150 000 Euro pro Jahr für eine externe Baubetreuung, die laut Nipken zu 80 Prozent förderfähig sind. "Wenn wir vor Gericht etwas erstreiten, dürfen wir das Geld aber nur zweckgebunden für das Dach verwenden", sagt Nipken. Deshalb werde man mit weiteren Maßnahmen beim Dach auf jeden Fall abwarten, wie das Landgericht in Köln entscheidet. Nipken rechnet mit einem längeren Verfahren. Gut sei, dass das Dach derzeit einigermaßen dicht sei und keine Probleme bereite.

Was die Baumaßnahmen in anderen Bereichen auf dem Wülfing-Gelände betrifft, tritt Bürgermeister Johannes Mans im Gespräch mit der BM etwas auf die Bremse. "Wir müssen uns neu aufstellen und Sicherheit ins Verfahren bringen", fordert er. Das will er vor allem durch Gespräche mit der Bezirksregierung schaffen. Mans will unbedingt vermeiden, dass auf irgendwelchen Wegen noch Rückforderungen an die Stadt Radevormwald gestellt werden können. "Wir können nicht beliebig klagen, sondern müssen erst selber schauen, wie wir die vergangenen Jahre dokumentiert haben. Ich will vermeiden, dass wir womöglich doch wieder Fördermittel zurückzahlen müssen", sagt er. Damit wolle er Schaden von der Stadt abwenden.

Auch mit Versicherungen will Mans über mögliche finanzielle Lösungen reden. Deshalb stünden für ihn in den kommenden Wochen viele klärende Gespräche im Terminkalender.

Quelle: RP
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