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Radevormwald
Reformierte müssen ihre Orgel sanieren

Radevormwald: Reformierte müssen ihre Orgel sanieren
Organist Friedhelm Nierstenhöfer spielt die Orgel in der Kirche am Markt. FOTO: Jürgen Moll
Radevormwald. Zum ersten Mal beteiligte sich die reformierte Kirchengemeinde am "Tag des offenen Denkmals". Das hatte einen besonderen Hintergrund, denn die Orgel in der Kirche am Markt muss aufwendig gereinigt und gestimmt werden. Von Joachim Rüttgen

Premiere für die reformierte Kirchengemeinde: Erstmals beteiligte sich die Gemeinde am bundesweiten "Tag des offenen Denkmals", der unter dem Motto "Handwerk. Technik. Industrie." stand. Die Besucher erfuhren in der Kirche am Marktplatz bei Kaffee und Kuchen vom Orgelbauer Späth aus Freiburg, wie man eine Orgel baut, wie sie funktioniert und wie man sie spielt. Das waren spannende Augenblicke nicht nur für die Erwachsenen.

Da die Orgel in der Kirche am Markt 189 Jahre nach ihrem Bau dringend saniert werden muss, braucht es jede Menge Spenden. Pfarrer Dr. Dieter Jeschke rechnet mit Kosten von 30.000 Euro. "Deshalb planen wir einige Aktionen, um die Orgel ins Bewusstsein der Menschen zu rücken", sagt er. In erster Linie muss das Instrument gereinigt und gestimmt werden, was einen erheblichen Aufwand bedeutet. Die komplette Orgel muss dabei auseinandergebaut werden. Jeschke: "Manche Register kann der Organist nicht mehr bedienen, manche Pfeifen ebenfalls." Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Orgel weitere Schäden davonträgt und die Kosten für eine noch aufwendigere Sanierung extrem steigen.

Die Gemeinde hat sich bei einem Orgelsachverständigen der Landeskirche ein Gutachten eingeholt. "Er hat uns dringend empfohlen, die Orgel jetzt zu sanieren", berichtet Jeschke. Zwar habe die Gemeinde Rücklagen für solche Maßnahmen gebildet, trotzdem wolle man versuchen, durch Spenden und Fundraising-Aktionen Geld in die Kasse zu spülen. "Dafür stellen Gemeindeglieder bei Geburtstagen auch schon mal Spardosen auf und verzichten auf Geschenke", erzählt der Pfarrer. Das Presbyterium habe die Sanierung mittlerweile genehmigt und den Auftrag an den Orgelbauer erteilt. Im November sollen die Arbeiten starten - Dauer: drei bis vier Wochen, so dass die Feiern rund um Weihnachten nicht betroffen sein dürften. In der Übergangsphase kommt in der Kirche ein Klavier zum Einsatz - "oder Gottesdienste und andere Feiern werden auch mal ins Dietrich-Bonhoeffer-Haus verlegt", kündigt Jeschke an.

Baukirchmeister Professor Heinz-Jürgen Lorenz hat bei seiner Recherche festgestellt, dass in der Kirche am Markt eine Orgel erklingt, die in der Fachwelt hoch geschätzt wird. "Das ist uns sicherlich nicht immer bewusst", sagt er. Klaus Saeger zitiert in seinem Buch "Musik für Gottes Ohr" eine Aussage von Günter Eumann, einem Orgelsachverständigen der evangelischen Kirche im Rheinland: "Die... klanglichen Vorzüge lassen die Orgel zu einem unvergesslichen Erlebnis werden und ihre Bedeutung für das ganze Bergische Land unterstreichen."

Lorenz betont, dass es die formale Ästhetik, die gelungene Einbindung der Orgel in den Prinzipalaufbau ist, die sie so besonders macht.

Christian Rötzel, Orgelbauer aus Alpe bei Eckenhagen, hat nicht nur die Orgel gebaut, sondern auch das Gehäuse des Prinzipalbaues entworfen. Die Schreinerarbeiten wurden dann von dem Möbelschreiner Johann Peter Karthaus aus Radevormwald ausgeführt, hat Lorenz herausgefunden. Das Orgelwerk sei in der Werkstatt von Rötzel gebaut worden. Mit sechs einspännigen Fuhrwerken wurde die Orgel nach Rade transportiert. Vom 26. August bis 22. Oktober 1826 hat sich Rötzel in Radevormwald aufgehalten, um die Orgel auf der Orgelbühne aufzubauen. Am 20. Dezember 1826 war die Orgel dann gebrauchsfertig.

Mit einer umfassenden Restaurierung der Orgeln 1990/1991 hat die Firma Hartmut Späht aus Freiburg das historische Klangbild, das Rötzel der Orgel zugedacht hatte, wiedergewonnen. "Im Bewusstsein, im Besitz einer wertvollen Orgel zu sein, muss es unsere Aufgabe sein, sie zu warten und zu pflegen, um auch der nachfolgenden Generation dieses Klangbild zu gönnen", appelliert Lorenz bereits im Gemeindebrief an alle Spender, Gönner und Sponsoren.

Quelle: RP
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