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Radevormwald
Reformierte pflegen Friedhof und bitten um Rücksicht

Radevormwald. Der Himmel sieht nicht sehr freundlich aus. Dicke Regentropfen lassen vermuten, dass auf dem Friedhof der Reformierten Kirchengemeinde im Umfeld von Kaiser-, Hermann- und Friedrichstraße kein Passant unterwegs ist. Doch weit gefehlt. Gleich auf mehreren Wegabschnitten arbeiten Frauen und Männer in wasserabweisender Kleidung.

Alle sind emsig beschäftigt, ohne dem Regen auch nur eine geringe Beachtung zu schenken. "Diese Stufen hoch zum nächsten Weg sind mir schon längere Zeit ein Dorn im Auge", sagt Dieter Lindemann. Ohne zu pausieren, kratzt er mit einem Metallhaken das viele Moos von den Treppenstufen. Die schon gesäuberten Stufen geben ihm ein zufriedenstellendes Bild.

"Ja, so soll die Treppe aussehen", sagt der Hobbygärtner. Das ehrenamtliche Arbeiten auf dem Friedhof ist für den fröhlich wirkenden Rentner ein Muss. "Ich habe zu Hause auch einen Garten, den ich pflege. Außerdem bin ich in der Landwirtschaft aufgewachsen. Hier kann ich mich somit gut einbringen", ergänzt er.

Friedrich Klappstein freut sich über das Engagement des Freiwilligen ebenso wie das der anderen. "Wir starten im Jahr meist im Frühjahr und im Herbst eine Aktion, bei der der Friedhof verschönert wird", sagt der Organisator und Gärtnermeister. Dabei sei das jeweilige Wetter eher unwichtig. "Wir haben heute, bei dem Regen und der milden Temperatur, einfach das allerbeste Pflanzwetter", freut er sich.

Mit erkennbarem Elan verteilt er die 40 jungen Rosenpflanzen der Marke "Sorrento". "Damit bestücken wir Flächen, die einst Gräber waren und inzwischen abgelaufen sind", sagt Friedrich Klappstein. Vereinzelte Beete können gut mit Zierpflanzen wie Lavendel, Goldsturm-Sonnenhuf oder gelben Potentillapflanzen bepflanzt werden. "Auf größeren Gräberstreifen werden Rasensamen gesetzt, damit sie später schön grün sind und gut mit dem Mäher gepflegt werden können", erklärt er weiter.

Die Veränderung der Bestattungs- und damit auch Friedhofskultur macht sich auch auf dem Friedhof der Reformierten deutlich bemerkbar. Große Grabflächen werden nach dem Ablauf der ersten Kaufzeit nicht mehr erneut angekauft, sondern lieber von Angehörigen aufgegeben. Diesen Flächen gelte es nun, ein gepflegtes Äußeres zu geben. "Urnenbestattungen sind auf dem Vormarsch. Da werden viele Flächen frei, die gepflegt werden wollen. Dafür sind freiwillige Helfer gefragt", sagt Klappstein.

Über das Gelingen der Arbeit freut er sich sichtlich, er sieht aber ein Problem als schier unlösbar. "Wir haben die Grabanlagen mit Sitzbänken ausgestattet, die zum Verweilen einladen. Gerne dürfen sich hier auch Jugendliche aufhalten, aber bitte nicht, indem sie Spuren hinterlassen", sagt Klappstein. Zahlreiche Zigarettenkippen "schmücken" den Boden um die Bänke wie auch Berge Getränkedosen und Pommesschalen in den Papierkörben. "Wir haben dafür große Mülleimer. Wenn der Müll dort verschwindet, dann sagt auch niemand etwas, und alle könnten zufrieden sein", sagt Klappstein.

(sig)
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