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Albrecht Nunn
Regionale Industriegeschichte erhalten

Albrecht Nunn: Regionale Industriegeschichte erhalten
Auch diese Barmag-Textilmaschine vom Typ aus den 1980er Jahren wurde in der Halle des "3-Städte-Depots" von (v. l.) Gerd Langguth, Albrecht Nunn und Hermann Wilger restauriert. Foto: Börsch (Archiv) FOTO: FK6-1000
Radevormwald. Der Verein "3-Städte-Depot" sammelt, renoviert und bereitet historische Maschinen und Werkzeuge aus der Region auf.

Radevormwald Über die Ziele und den Verein "3-Städte-Depot" für regionale Industriegeschichte sprach die Redaktion mit dem Vorsitzenden Albrecht Nunn (65).

Auch ein alter Projektor und eine Filmbeleuchtung aus der Filmsammlung Gonnermann gehören zur historischen Sammlung. FOTO: Pflitsch (Archiv)

Herr Nunn, wann wurde der Verein gegründet?

Nunn Der Verein wurde 2014 in Hückeswagen gegründet.

Und was ist der Zweck des Vereins?

Nunn Der Verein erhält und zeigt die regionale Industriegeschichte. Er arbeitet wichtige und historische Maschinen aus der Region zu funktionsfähigen Maschinen auf. Diese Exponate werden ausgestellt und an Vereine, Museen, Unternehmen und Privatpersonen verliehen. So entsteht eine anschauliche, technisch und kulturgeschichtliche Sammlung von industriellen Objekten aus unserer Region, besonders aus den drei Städten Radevormwald, Hückeswagen und Wipperfürth. Daher auch der Name "3-Städte-Depot".

Wer sind die Gesellschafter des Vereins?

Nunn Das sind Heimat- und Geschichtsvereine, Museen, die Firma Pflitsch sowie Bürger und Bürgerinnen aus den drei Städten Radevormwald, Hückeswagen und Wipperfürth. Später kamen dann weitere Firmen als Mitglieder dazu. Hauptsponsoren sind die Firma Pflitsch Hückeswagen und die Volksbank Remscheid Solingen.

Wie viele Mitglieder hat der Verein?

Nunn 30.

Warum bestand die Notwendigkeit, einen derartigen Verein zu gründen?

Nunn Der Anlass war, dass die Industrie im Wülfingmuseum nicht mehr gebrauchte Maschinen abgestellt hatte. Das waren sehr wertvolle Maschinen, im Wesentlichen Maschinen der Firma Barmag in Lennep. Diese Maschinen sollten verschrottet werden. Wir haben uns überlegt, dass diese Maschinen erhalten bleiben müssen. Dann hat es ein bis zwei Jahre gedauert, in denen wir gemeinsam überlegten, wie man das realisieren kann. Als beste Lösung hierfür kam schließlich die Gründung eines speziellen Vereins heraus. Das ist der Verein "3-Städte-Depot" für regionale Industriegeschichte. Hier werden die Maschinen der Industrie und des Handwerks aufgearbeitet und anschließend anderen Vereinen zur Verfügung gestellt.

Betreibt der Verein damit auch ein Museum?

Nunn Der Verein führt heute noch kein Museum. Wir haben allerdings mittlerweile etwa 150 Exponate und sind jetzt dabei, im Rahmen der Museumsroute Führungen anzubieten. Wir werden uns dadurch mehr der Öffentlichkeit öffnen.

Ist das "3-Städte-Depot" damit eine Konkurrenz zum Werkzeugmuseum in Remscheid?

Nunn Nein. Wir sind hier auf dem Land. Und bis jetzt hatten wir in unserer Region überhaupt nichts in der Art. Aber die oberbergische Region an der Wupper gehört zu wichtigen Industrie- und Wirtschaftsregionen. Die Herstellung von Textilien, Werkzeugen und Schneidwaren prägten unsere Region. Natürlich ist das Werkzeugmuseum in Remscheid ein bisschen ein Vorbild. Aber das ist in Remscheid. Wir wollten hier für die Region Oberberg-Nord etwas Eigenes machen.

Worauf legt der Verein sein Hauptaugenmerk?

Nunn Das Hauptaugenmerk ist das Sammeln, Aufbereiten und Renovieren historischer Maschinen und Werkzeuge unserer Region.

Und was bedeutet für Sie in diesem Zusammenhang "historisch"?

Nunn Das bestimmen die Firmen selbst. Wenn eine Maschine für die Kultur der Firma wichtig ist und ausgedient hat, dann ist sie für uns historisch wertvoll. Besonders, weil sie dadurch den technischen Wandel demonstriert.

Der Verein will also mehr, als lediglich alte Schätzchen restaurieren?

Nunn Immer, wenn neue Dinge entwickelt werden und Altes abgelöst wird, wird die technische Entwicklung sichtbar. Diesen Wandel wollen wir zeigen.

Was ist denn das Paradestück unter den Exponaten des Vereins?

Nunn Das ist unser Bêché-Hammer der ehemaligen Firma Bêché & Grohs. Hinzu kommt, dass wir uns auch in den historischen Hallen von Bêché & Grohs auf dem Gelände des Industrieparks an der Hückeswagener Peterstraße befinden. Den Hammer haben wir nach entsprechender Aufbereitung im vorigen Sommer in Betrieb genommen. Das ist das Herz unserer Ausstellung. Dieser Freischmiede-Hammer war das erste Stück, das wir von unserer heimischen Industrie bekommen haben.

Das muss doch ein gewaltiger Aufwand sein, die Maschinen wieder herzurichten?

Nunn Derzeit treffen sich jeden Montag ungefähr 15 Leute, die die Maschinen wieder auf Vordermann bringen. Sie sollen funktionieren und auch bedienbar bleiben. Wir wollen lebendige Technik zeigen.

Die machen das ehrenamtlich?

Nunn Ja, natürlich. Das sind alles Leute, die vorher lange in den Firmen gearbeitet haben und sich auskennen. Und jeder, der an einer solchen Maschine arbeitet und Liebe zu dieser Maschine hat, kann sich über eine Patenschaft damit identifizieren. Das ist dann quasi "seine" Maschine.

Was motiviert Sie denn persönlich, Herr Nunn, in diesem Verein mitzuarbeiten?

Nunn Ich war leitender Angestellter in der Firma Vaillant in Remscheid und gehe jetzt nach 35 Jahren in den Ruhestand. Ich war immer sehr weit vorne in der Entwicklung. Und wenn man innovativ sein will, braucht man auch das Vergangene - man muss wissen: Wo komme ich her und wohin will ich? Und so soll auch der Verein zeigen: So war's damals, so ist es heute, und für morgen müssen wir uns das überlegen.

Ist der Eindruck richtig, dass Sie mit dem Herzen bei dieser Sache sind?

Nunn Ich bin mit Leidenschaft dabei. Ohne die geht es nicht bei einem Ehrenamt. Aber ich hänge nicht an alten Maschinen. Ich liebe die Innovation. Das kommt im Verein durch die Darstellung des technischen Wandels zum Ausdruck. Und das wollen wir auch in Zukunft als Bildungsveranstaltung an die jungen Leute weitergeben.

BERND GEISLER FÜHRTE DAS GESPRÄCH. WWW.3-STAEDTE-DEPOT.COM

Quelle: RP
 
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