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Radevormwald
"Sauerkrautdecken" - Stadt sperrt fünf Hallen

Radevormwald: "Sauerkrautdecken" - Stadt sperrt fünf Hallen
2012 sind die Dächer der beiden großen Sporthallen von außen saniert und überprüft worden. FOTO: Dörner (Archiv)
Radevormwald. Das Baudezernat der Stadt hat gestern fünf Sporthallen und einen Gymnastikraum auf nicht absehbare Zeit gesperrt. Grund ist eine Anweisung des Landes zur Überprüfung der Hallendecken. Von Wolfgang Scholl

Schul- und Vereinssport wird es in den beiden großen Sporthallen in den nächsten Tagen, vielleicht auch Wochen, nicht geben. Darüber informierte gestern Mittag Baudezernentin Julia Gottlieb. Rathausmitarbeiterin Ilona Sedivi und Harald Angermaier als Geschäftsführer des Stadtsportverbandes, der die Hallenvergabe regelt, informierte die Vereine.

Thomas Wuttke vom Gebäudemanagement hat alle Sporthallen überprüft und gestern Mittag berichtet. "Gesperrt sind die beiden großen Sporthallen Hermannstraße, die Turnhallen Lessing-, Neu- und Bredderstraße und der Gymnastikraum der Grundschule Stadt an der Carl-Diem-Straße", berichtete Gottlieb. Nicht betroffen sind die Sporthallen Auf der Brede und an der Carl-Diem-Straße. Wegen der Umbauarbeiten ist die Sporthalle an der Jahnstraße bis zum Herbst noch gesperrt.

Im Frühjahr hat die Stadt in den beiden großen Sporthallen eine neue Deckenbeleuchtung anbringen lassen. FOTO: Nico Hertgen (Archiv)

Ursache der jetzigen Überprüfung ist ein Fall aus Bochum. Dort hatten sich an einer Schul-Sporthalle im Juli Deckenteile gelöst und waren heruntergestürzt. Bekannt-geworden ist der Zwischenfall als Schaden an einer "Sauerkrautdecke". Das hatte bei den zuständigen Stellen im Bochumer Rathaus dazu geführt, dass dort angeordnet worden war, 35 Hallen der Stadt vorerst zu schließen und die Decken zu überprüfen.

Als Grund für die sich lockernden Deckenplatten haben die Baufachleute inzwischen ermittelt, dass falsch eingeschlagene Nägel der Grund für die Schäden sind. Das Düsseldorfer Bauministerium hat sich inzwischen ebenfalls zu den Fällen geäußert. "Es handelt sich um Turnhallen aus den Sechziger- bis Achtzigerjahren", sagte ein Sprecher. Es liege ein Planungs- beziehungsweise Ausführungsfehler vor. "Die Unterkonstruktionen sind zum Teil mit Nägeln in die Decke geschlagen und geschossen worden", sagte Julia Gottlieb. Das Ministerium in Düsseldorf hat gestern Morgen alle Baubehörden informiert.

"Wir mussten so handeln", sagte die Baudezernentin, "das ist eine Maßnahme zur Gefahrenabwehr." Zuletzt war unter der Decke der Sporthallen mit Unterstützung des Bundes auf LED-Beleuchtung umgestellt worden. Vor einigen Jahren hatte es Hallensperrungen schon einmal gegeben, als in einem Winter zu viel Schnee auf den Flachdächern lag und nach dem Einsturz einer Halle in Bad Reichenhall die Statik der Außendachkonstruktionen überprüft werden musste.

Nach Bekanntwerden der Ursachen des Schadens am Dienstag hat sich Thomas Wuttke mit den Bochumer Rathausmitarbeitern in Verbindung gesetzt, damit er genaue Informationen bekam, welche Konstruktionen betroffen sind. Die Verwaltung hat sich gestern Mittag nach Rücksprache mit Bürgermeister Dr. Josef Korsten zusammen mit der Zentralen Vergabestelle und des Rechnungsprüfungsamtes mit der Sperrung befasst. "Am Donnerstagmorgen entscheiden wir, wie wir die statischen Arbeiten vergeben, um nicht gegen Regeln zu verstoßen", sagte Gottlieb. Die Dach-Unterkonstruktionen müssen von einem Statiker überprüft werden. "Dafür brauchen wir ein Ausschreibungsverfahren und später ein Büro, das die Arbeiten vornimmt", sagte Gottlieb. Über die Dauer der Sperrungen ließ sich deshalb keine Angaben machen. "Das wäre Kaffeesatz-Leserei", sagte Gottlieb. Die Stadtverwaltung will heute eine weitere Stellungnahme zu dem Verfahren abgeben. "Wir werden das einfachste, zulässige Verfahren wählen", ergänzte der Bürgermeister. Dieser Fall sei als Notlage zu bezeichnen, so dass heute ein vereinfachtes Verfahren bei der Vergabe der Arbeiten gewählt werden könne.

Quelle: RP
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