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Radevormwald
Schüler lernen das Lernen in den Ferien

Radevormwald: Schüler lernen das Lernen in den Ferien
Büffeln freiwillig auch in den Osterferien in der Rader Jugendherberge (v.l.): Veronika Steinberg, Isabel Montilla und Julia Kortenjan. FOTO: jürgen moll
Radevormwald. Beim Projekt "LernFerien NRW" sind 19 Jugendliche aus der neunten Jahrgangsstufe aus dem ganzen Land in die Jugendherberge nach Radevormwald gekommen. Im Fokus steht diese Woche das Selbstmanagement der Schüler. Von Wolfgang Weitzdörfer

Im Speiseraum der Jugendherberge geht es hoch her: 19 Jugendliche aus Nordrhein-Westfalen sind in der zweiten Osterferienwoche zu den LernFerien NRW nach Radevormwald gekommen. Sie nehmen an einem Schwerpunkt-Camp zum Thema "Lernen lernen" teil und besuchen die neunte Jahrgangsstufe. Ein Dreier-Team von "Hildebrandt-Coaching" aus Rösrath leitet das fünftägige Camp. Jan Rosser und seine Kollegen Bernhard Lange und Britt Gaab sitzen mit am Mittagstisch, für sie ist es nicht das erste Camp. "Aber die Konzeption hat sich im Verlauf der vergangenen zehn Jahre immer wieder geändert", sagt Rosser. So sei es zu Beginn vor allem um die Themen Berufsfindung und Versetzungsgefahr gegangen. "Seit einiger Zeit liegt der Schwerpunkt aber auf dem Thema Lernen", sagt er.

Im Vordergrund der Arbeit mit den Jugendlichen stehe das Selbstmanagement. "Wie schaffe ich es, mich durch kleine Fehlschläge nicht aus dem Konzept bringen zu lassen? Das ist etwa eine der wichtigen Fragen, die wir behandeln", sagt Rosser. Man lege großen Wert auf eine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit. So würden die drei Pädagogen mit ihren Schützlingen auch Nachtaktionen unternehmen, Filme ansehen und Spiele spielen. "Der Fokus liegt aber schon auf dem Lernen. Wir haben bei 19 Jugendlichen 19 unterschiedliche Geschichten - aber sie alle eint, dass sie freiwillig hier sind", sagt Rosser. Schließlich bringe es nichts, Jugendliche in diesem schwierigen Alter zu etwas zwingen zu wollen.

Die Schüler wurden von den Lehrern ihrer Schule vorgeschlagen und konnten sich bewerben. So etwa Husam Mohjir aus Köln. Der 14-Jährige ist begeistert. "Die ersten beiden Tage waren richtig cool, ich habe viele Fragen stellen können und sie auch beantwortet bekommen. Meine Lehrerin hat mir gesagt, dass es die LernFerien gibt und gemeint, ich solle mich doch anmelden." Jede Schule hatte nur ein kleines Kontingent an Schülern, die vorgeschlagen werden konnten. 390 Schüler sind in diesen Osterferien dabei. Isabel Montilla aus Aachen ist eine von ihnen. Die 16-Jährige wurde auch von ihrem Lehrer auf die LernFerien aufmerksam gemacht. "Ich habe schon einiges mitgenommen, zum Beispiel habe ich herausgefunden, was für ein Lerntyp ich bin", sagt die 16-Jährige.

Aus Beckum im Münsterland ist die 15-jährige Julia Kortenjan nach Radevormwald gekommen. Sie ist vor allem von der guten Stimmung begeistert. "Die Jungs und Mädchen sind gleich gut miteinander klargekommen. Aber ich hatte da im Vorfeld auch keine Bedenken." Die 15-Jährige findet die Balance zwischen Lernen und Freizeit sehr ausgewogen. "Es fühlt sich nicht so an, als würden meine Ferien ausfallen", sagt sie und lacht. Sie freue sich auf den weiteren Verlauf.

"Es geht nicht unbedingt darum, dass die Schüler große Probleme zu Hause haben. Es geht oft um positive Ablenkung von der Schule", sagt Rosser. Das könnten sportliche Aktivitäten sein, die den Jugendlichen ablenkten, oder ein zeitintensives Hobby, über das die Schule vergessen werde. "Wichtig ist aber: Die Jugendlichen selbst sind der Ansicht, dass bei ihnen nicht alles rundläuft. Ein Veränderungswunsch ist vorhanden", sagt Rosser. Den drei Pädagogen ist noch eines ganz wichtig: "Wir wollen die Kids nicht umpolen, ihnen mit einem Regelkatalog etwas überstülpen. Wir setzen auf eigene Interessen und Fähigkeiten."

Quelle: RP
 
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