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Radevormwald
Schulen hinterfragen das Handyverbot

Radevormwald. Die Radevormwalder Schulen sind fast alle handyfreie Zonen. In der Debatte sehen Eltern, Lehrer und Schüler aber nicht mehr nur die Risiken und Nachteile. An der Hauptschule erkennt man auch Chancen, die das Smartphone bietet. Von Jessica Balleer

Die Probleme hatten vor Jahren begonnen. Schüler fingen an, ihre Handys als Kameras zu benutzen, ohne zu wissen, was erlaubt ist - und vor allem, was nicht. Erst im zweiten Schritt wurde das "Daddeln" auch während des Unterrichts zum Ärgernis. Doch da bestand das Handyverbot an der Armin-Maiwald-Förderschule bereits. "Seit über zehn Jahren auf dem gesamten Schulgelände", sagt Lehrerin Birte Menn. Doch mittlerweile hat sich die Debatte um das Handyverbot gedreht. Lehrer, Eltern und Schüler wägen Chancen und Risiken neu ab.

Vor einem Jahr hatten sich Lehrer, Eltern und Schüler der Geschwister-Scholl-Hauptschule zum Handyverbot neu beraten. Fragen, Diskussionen, Argumente: Wo macht es Sinn? Wo stört es? "Seitdem ist das Smartphone in den Pausen erlaubt", sagt Schulleiterin Sandra Pahl. Wenn Schüler jedoch den Unterricht mit dem Handy stören, konfisziert der Lehrer das Gerät. "Diese Strafe haben die Schüler selbst beschlossen", sagt Pahl. Die Maßnahmen greifen: Laut der Schulleiterin habe es im vergangenen Schuljahr nahezu keine Probleme gegeben. Essentiell wichtig sei es, "dass die Schüler mitentscheiden konnten".

Das Teilverbot führe zu einer Entspannung bei den Schülern, die eine Pause von der permanenten Erreichbarkeit "durchaus genießen". Einen Rat für andere Schulen habe Pahl nicht, denn eine Regel sei von Alter, Schulform und anderen Faktoren abhängig.

Aber ab welchem Alter ist das Handy ein Thema? In den Rader Grundschulen jedenfalls ist es angekommen. Barbara Janowski von der Katholischen Grundschule sagt, dass sie noch keine Verstöße gegen das bestehende Verbot mitbekommen habe. "Aber man sieht ja nicht alles, unterschätzen würde ich die Kinder nicht." Erst im Schuljahr 2014/15 haben auch die Pädagogen an der GGS Stadt beschlossen, dass die mobilen Telefone auf dem gesamten Schulgelände tabu sind. "Hier wird das Handy nicht herausgeholt", betont Grundschulleiterin Jutta Felderhoff. Als "Stressthema" würde sie es zwar nicht bezeichnen, weil die Sechs- bis Elfjährigen das Spielen miteinander nach wie vor bevorzugten. "Es wird aber ein Thema, wenn Kinder das Handy in Ausnahmefällen benutzen und andere Kinder das sehen."

Denn für Fahrkinder, die im Bus oder mit dem Auto gebracht werden, gilt die einzige Ausnahme.

Die weiterführenden Schulen sind von den Problemen schon deutlich stärker betroffen, weil mit dem Alter auch die Nutzzeiten steigen. Am Theodor-Heuss-Gymnasium sind nur das "Pädagogische Zentrum" und das Außengelände vom Handyverbot ausgenommen. In Wermelskirchen und Wipperfürth leitet Sylvia Wimmershoff das Berufskolleg Bergisch Land, das auch viele Rader besuchen. "Selbstverständlich besteht auch in unseren Einrichtungen ein Verbot", sagt sie. Doch so selbstverständlich ist das nicht mehr an allen Schulen.

Dass das "Daddeln" für Konzentrationsprobleme sorgt und sogar eine Handysucht entstehen kann, ist ein eindeutiges Gegenargument in der Debatte. Auf der Kehrseite derselben Medaille aber stehen die Chancen, die sich für den modernen Unterricht ergeben könnten.

So sieht es auch Sandra Pahl von der Geschwister-Scholl-Schule: "Zielgerichtet eingesetzt, kann der Unterricht sicher profitieren", sagt sie. Elektronische Schulgeräte und digitale Schulbücher scheinen sowieso nur noch eine Frage der nahen Zukunft zu sein. Die Schulen selbst entscheiden, ob, wann und wie sie diese Zukunft mit den digitalen Endgeräten einleiten werden.

Quelle: RP
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