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Elfriede Sauerwein-Braksiek
Schwerlastverkehr gibt alten Brücken den Rest

Radevormwald. Straßen.NRW: 49 Bauwerke im Rheinisch-Bergischen und Oberbergischen Kreis müssen verstärkt oder neu gebaut werden.

Frau Sauerwein-Braksiek, wie ist aus Sicht von Straßen.NRW die Situation der Straßen in NRW?

Sauerwein-Braksiek Nordrhein-Westfalen hat den meisten Transitverkehr und eines der dichtesten Verkehrsnetze weltweit. Die Infrastruktur ist im Wesentlichen in den 1960er- und 1970er-Jahren entstanden. Seither ist das Verkehrsaufkommen deutlich gestiegen, vor allem der Schwerverkehr. Manche Entwicklungen konnte damals noch niemand vorausahnen, etwa die Öffnung des Eisernen Vorhangs in den 1990er-Jahren. Diesen Herausforderungen begegnen wir, indem wir weitere Ingenieure eingestellt haben und weiterhin Nachwuchskräfte suchen. Für die nicht von Straßen.NRW betreuten Strecken sind größtenteils Kreise, Städte und Kommunen zuständig.

Wie hoch ist das jährliche Budget von Straßen.NRW?

Sauerwein-Braksiek Straßen.NRW hat im vergangenen Jahr in das überregionale Straßennetz Nordrhein-Westfalens rund eine Milliarde Euro hat investiert. Das ist ein Rekordwert.

Existiert ein sogenannter "Planungsstau" bezüglich der Verkehrssituation in NRW?

Sauerwein-Braksiek Nein. Bis Ende des Jahres werden wir voraussichtlich Planungen für Baumaßnahmen in Höhe von 830 Millionen Euro in der Schublade haben. NRW ist zudem 2014 als Gesellschafter der "Deutschen Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH" beigetreten. Die "DEGES" unterstützt uns und deckt Auftragsspitzen ab. Beim Bund hat das Land erreicht, dass für NRW Maßnahmen für 14 Milliarden Euro in die eiligste Kategorie "Vordringlicher Bedarf-Engpassbeseitigung" des Bundesverkehrswegeplans 2030 eingestellt werden.

Welche Großprojekte werden derzeit NRW-weit und im bergischen Raum

durchgeführt? Welche sind geplant?

Sauerwein-Braksiek Ein Großprojekt im Bergischen ist sicherlich weiterhin der sechsstreifige Ausbau der A1 zwischen Wermelskirchen und Wuppertal-Langerfeld inklusive der Instandsetzung der Brücken Höllenbachtal und Einsiedelstein. Dann natürlich der Autobahnausbau bei Leverkusen. Der damit verbundene Neubau der Leverkusener Rheinbrücke soll noch in diesem Jahr starten. Weitere große Projekte sind: der Ausbau der A 57 von vier auf sechs Fahrstreifen entlang des rund 63 Kilometer langen Teilstücks zwischen den Autobahnkreuzen Köln-Nord und Kamp-Lintfort, der Ausbau auf der A 45 inklusive zahlreicher Brückenerneuerungen mit zum Beispiel dem Neubau der Lennetalbrücke bei Hagen. Auf der A 43 soll der Abschnitt von Recklinghausen bis Bochum auf sechs Fahrspuren ausgebaut werden. Die Arbeiten haben bereits begonnen; ebenso wie auf der A1. Sie wird von Münster bis Lotte/Osnabrück ausgebaut.

Welche Sanierungen stehen an in den Städten Hückeswagen und Radevormwald an?

Sauerwein-Braksiek Im Stadtgebiet Hückeswagen werden im kommenden Jahr keine Straßenbaumaßnahmen seitens Straßen.NRW durchgeführt. Dort wurde zuletzt die B 237 sehr aufwendig saniert mit einem Bauvolumen von etwa 1,4 Millionen Euro. In der Stadt Radevormwald wird zurzeit der Kreisverkehr Grüne B 483/B 229 hergestellt. Weiterhin erfolgt dort die Sanierung der L 412 zwischen Bergerhof und Krähwinklerbrücke und der L 414 zwischen der Dahlhausen und der B 229. Im nächsten Jahr ist beabsichtigt, die B 229 zwischen dem Kreisverkehr Grüne und der Stadtgrenze Halver umfangreich zu erneuern. Im vergangenen Jahr wurden in Radevormwald bereits mehrere Abschnitte auf der B 229 saniert.

Und was ist in Wermelskirchen geplant?

Sauerwein-Braksiek Im Stadtgebiet Wermelskirchen ist für 2017 keine Baumaßnahme geplant. In 2018 ist beabsichtigt, die Landstraße 409 zwischen der Stauwurzel der Dhünn-Talsperre und der Ortschaft Halzenberg auszubauen.

In welchem Zustand befinden sich die Brücken im Bergischen?

Sauerwein-Braksiek Untersuchungen des Bundesverkehrsministeriums und der Bundesanstalt für Straßenwesen haben gezeigt, dass aufgrund des überdurchschnittlich angestiegenen Schwerverkehrs insbesondere bei älteren Brücken die Tragfähigkeitsreserven allmählich erschöpft sind. Es ist zu erwarten, dass die meisten Bauwerke verstärkt oder sogar neu gebaut werden müssen. Im Rheinisch-Bergischen Kreis und im Oberbergischen Kreis betrifft das aktuell 49 Brücken. Betroffen sind die A1, die A4 und die A 45 sowie einige Brücken an Bundes- und Landesstraßen.

Besteht bei den Brücken ein Sicherheitsrisiko?

Sauerwein-Braksiek Unsere Brücken werden regelmäßig von Experten auf ihren Zustand geprüft. Aktuell beträgt die durchschnittliche Zustandsnote der 49 Bauwerke 2,5. Wobei 1 sehr gut bedeutet und 4 ungenügender Zustand. Ein Sicherheitsrisiko für die Verkehrsteilnehmer besteht nicht.

Mit welchen Staus auf der A1 müssen die Verkehrsteilnehmer noch länger rechnen?

Sauerwein-Braksiek Wir bauen nicht aus Schikane, sondern, damit sich die Situation auf mittlere und längere Sicht hin verbessert. Baustellen sind ja auch nicht die einzige Stauursache. Überlastung zu Spitzenzeiten und Unfälle tragen genauso zur Staubildung bei. Daher muss man ehrlicherweise sagen: Staufreie Straßen kann in einem Ballungsraum wie NRW niemand versprechen.

DIE FRAGEN STELLTE BERND GEISLER.

Quelle: RP
 
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