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Radevormwald
"Smartmob" der Grünen floppt

Radevormwald. Sieben Politiker demonstrieren auf eigenwillige Weise gegen Atomkraftwerke.

Der Marktplatz ist wie gewohnt, mitten in der Woche vor 12 Uhr, leer. Die Stühle der Cafés sind unbesetzt, in den Geschäften gehen einzelne Kunden ihren Besorgungen nach, der Platz selber ist für einige wenige Fußgänger der schnellste Weg zum Ziel. Da linst man nur kurz unter der Sonnenbrille hervor, wenn sieben Menschen regungslos auf dem Boden liegen. Schnell weitergehen, man könnte ja angesprochen werden.

Auffällig ist die Situation schon. Während sechs Männer und Frauen in ihrer Position auf dem Steinboden liegen, springt einer auf und zeichnet die Silhouetten der Körper mit einem Stück Kreide nach. Wie an einem Tatort. Einziger Hinweis auf den Grund dieser Aktion der Partei Bündnis 90/Die Grünen sind gelbe Regenschirme, die an das Atomkraft-Logo erinnern. "Atomkraft? Nein danke" lautet das Motto, etwa 30 Jahre nach dem Unglück in Tschernobyl (26. April 1987).

Wie es in Rade im schlimmsten Fall aussehen könnte, wenn eins der Atomkraftwerke in Belgien explodiert, stellen die Politiker jetzt dar. Pünktlich zum Glockenschlag sind sie regungslos umgefallen. "Bei starkem Westwind, den es häufig gibt, wird das Bergische Land sofort mit radioaktiver Strahlung überzogen", sagt Jutta Velte, Landtagskandidatin der Grünen. Dass kaum ein Fußgänger stehen geblieben ist, sieht sie gelassen. "Das ist vielleicht Angst vor Konfrontation, aber wir haben trotzdem einen bleibenden Eindruck hinterlassen." Bleibend, zumindest bis der nächste Regen kommt, sind auch die Körperumrisse, die am Fuße der Treppenanlage vor der reformierten Kirche entstanden sind. Den "Smartmob" während einer Veranstaltung, zum Beispiel während des Stadtfestes, zu starten, wollen die Atomgegner nicht. "Wir wollen niemanden verschrecken", sagt Bernd Bornewasser, stellvertretender Fraktionsvorsitzender in Rade.

Dass ein großer Teil der Bevölkerung für das Abschalten von Atomkraftwerken ist, merken er und Elisabeth Pech-Büttner, örtliche Fraktionsvorsitzende, täglich. "Die Gespräche mit den Bürgern gehen deutlich in eine Richtung. Viele haben Angst vor einer Atomkatastrophe", sagt Pech-Büttner.

(trei)
 
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