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Radevormwald
So klappt es mit der Sprachvermittlung

Radevormwald: So klappt es mit der Sprachvermittlung
Sprachvermittlung mit Karin Hall: Ihr geht es vor allem um den Aufbau eines großen Wortschatzes. Dabei hält sie die Grammatik bewusst einfach, denn die sollen die Schüler später im VHS-Kursus lernen. FOTO: jürgen moll (archiv)
Radevormwald. Als die ersten Flüchtlinge in Radevormwald eintrafen, war es Deutschlehrerin Karin Hall, die die deutsche Sprache als Erste an Asylbewerber vermitteln wollte. Jetzt traf sie sich mit Gleichgesinnten zum Erfahrungsaustausch. Von Marion Gerdel

Wie kann man die deutsche Sprache an Asylbewerber und Flüchtlinge vermitteln, die teilweise noch nicht einmal unsere Schrift beherrschen? Mit dieser Frage interessierter Bürger werden die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer in Rade immer wieder konfrontiert. Daher hatte Karin Hall, die mit Beginn des Flüchtlingsstroms nach Radevormwald, als erste solche Kurse angeboten hatte, zu einem Informationsabend ins Wartburghaus eingeladen. Trotz des großen Interesses im Vorfeld fanden keine Gäste den Weg in den Schulungsraum.

Diese Tatsache nutzten die in der Lutherischen Kirchengemeinde aktiven Deutschlehrer, um einen Erfahrungsaustausch im internen Kreis durchzuführen. Neben Karin Hall, Elisabeth und Walter Windgassen und Kirsten Doebler-Friese verglich auch Tamara Hill, die die offiziellen Kurse in der VHS gibt, die verschiedenen Unterrichtsmethoden. Karin Hall, als ausgebildete Lehrerin im Bereich Deutsch für Ausländer, erzählte, dass sie trotz ihrer langjährigen Erfahrung durch den Unterricht mit den Asylbewerbern selber noch viel gelernt hat. "Vor allem mit den Analphabeten tatsächlich bei Null anzufangen, ist schon eine Herausforderung", sagte sie. "Ihnen muss man die Sprache wie einem Kind beibringen. Das lernt das Sprechen ja auch, ohne lesen und schreiben zu können." Kirsten Doebler-Friese ist keine Lehrerin, wollte aber in ihrer Elternzeit etwas Sinnvolles tun und hat angefangen, Karin Hall zu unterstützen. Inzwischen leitet sie ihre eigenen Kurse. "Ich habe dazu erst mal das Lehrmaterial meines Sohnes aus dem ersten Schuljahr benutzt", erklärte sie ihre Vorgehensweise. "Später habe ich mir Material selber zusammengestellt, das inhaltlich besser auf Erwachsene zugeschnitten war." In ihrem Kursus gibt es auch immer wieder viel zu lachen. Das lockere die Atmosphäre auf und erhalte die Motivation. "Aber eigentlich sind meine Schüler sowieso zum Großteil mit Feuereifer bei der Sache. Schließlich kommen sie ja auch freiwillig, weil sie Deutsch lernen wollen."

Dabei ist Kirsten Doebler-Friese auch klar, dass sie sich auf ganz unterschiedlich Hintergründe bei ihren Schülern einlassen muss. "Viele haben Traumata zu verarbeiten, da kann es passieren, dass sie in einer Stunde sehr aufmerksam sind und in der nächsten nicht mehr mitkommen. Das muss ich als Lehrer respektieren."

Auch wenn sie bis zu 28 Schüler gleichzeitig unterrichtet, kommt es nie zu Problemen. "Ganz im Gegenteil", sagt sie. "Wenn wir Partnerarbeit machen, ist es meinen Schülern egal, welche Religion oder Staatsangehörigkeit ihr Gegenüber hat. Alles geht ganz offen und locker zu. Und ich als Lehrerin werde von allen sehr respektvoll behandelt. Das geht soweit, dass sie mir die Tasche bis zum Auto tragen", sagte sie.

Im Unterricht von Karin Hall geht es um den Aufbau eines großen Wortschatzes. Dabei hält sie die Grammatik einfach, denn die sollen die Schüler später im VHS-Kursus lernen. Dennoch wird es auch bei ihr nie langweilig, denn für ihren Unterricht geht sie auch mal ins Treppenhaus, um beim Zählen der Stufen die Zahlenfolge zu lehren.

Einen weiteren Ansatz zur Wissensvermittlung hat das Ehepaar Elisabeth und Walter Windgassen gefunden. Da es zu Beginn ihres Unterrichtes kaum Bücher zum Thema gab, haben sie sich ihr Material aus dem Internet besorgt. Am Montagabend stellten sie verschiedene Internetadressen vor und erläuterten an Beispielen, wie sich diese Seiten für den Unterricht nutzen lassen.

All diese Beispiele beeindruckten Tamara Hill, die in ihren VHS-Kursen von der guten Vorarbeit der ehrenamtlichen Helfer profitiert. "So muss ich bei meinen Stunden nicht mehr bei Null anfangen, und alle Teilnehmer können dem Unterricht gut folgen", sagte sie.

Quelle: RP
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