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Radevormwald
Sozialamtsleiterin will Flüchtlinge selbstständig machen

Vier Wochen Urlaub mit der Familie in Australien liegen hinter Anke Schröder. Seit einer Woche stürzt sich die 61-jährige Diplom-Verwaltungsfachwirtin, die früher im Jugendamt und zuletzt im Rechnungsprüfungsamt tätig war, in ihr neues Aufgabengebiet als Leiterin des Sozialamtes.

"Eine total spannende Aufgabe mit vielen Facetten, die ich mit großer Begeisterung und vielen Ideen gerne annehme", sagt sie. Die Arbeit sei zwar mit Blick auf die Flüchtlingskrise sehr intensiv, "aber ich wachse jeden Tag mehr rein", sagt sie. Für Anke Schröder dreht sich zurzeit alles um Unterbringungsmöglichkeiten, Asylverfahren und die künftige Entwicklung, die aber niemand vorhersagen könne. "Wir wissen nicht, ob es andere Schleuserstrecken geben wird und die zuletzt sinkenden Flüchtlingszahlen wieder steigen", sagt sie. Für sie sei es deshalb umso wichtiger, dass die Stadt vorbereitet ist. Schröder geht es vor allem um die Unterbringung der Flüchtlinge. "Wir müssen die Menschen mit Würde behandeln und versuchen, ihnen den Weg in unsere Gesellschaft zu ermöglichen, damit sie heimisch werden können", sagt die 61-Jährige, die seit 1999 bei der Rader Stadtverwaltung arbeitet.

Anke Schröder hat das Ziel, dass Menschen mit einer Bleibeperspektive möglichst schnell selbstständig werden - Hilfe zur Selbsthilfe. "Die Asylverfahren werden wir nicht beschleunigen können, aber wir können die Menschen fit machen für die Zeit nach der Anerkennung", sagt sie. Da gehe es auch um eine typisch deutsche Tugend wie Pünktlichkeit, "denn zu einem Vorstellungsgespräch sollte man rechtzeitig erscheinen", sagt Anke Schröder.

Sehr positiv findet sie die Ankündigung ihrer Kollegin Petra Riesenbeck, dass sich am Samstag auch Asylbewerber und Flüchtlinge an der Aktion "Rade räumt auf" beteiligen. Generell müsse geschaut werden, wo die Fähigkeiten der Menschen liegen. Da viele der zurzeit 391 Flüchtlinge eine Bleibeperspektive haben, sei Sprache das Grundkriterium für jedes weitere Engagement. "Das muss vorangetrieben werden", fordert Anke Schröder.

Bei den Sprachkursen sei Rade schon gut aufgestellt, nur bei den umfangreicheren Integrationskursen hapere es noch. "Die VHS macht ab Juni ein Angebot für 15 Teilnehmer. Das ist zu wenig. Die Bildungsträger finden aber kein geeignetes Personal. Da müssen Land und Bund helfen", sagt Riesenbeck.

(rue)
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