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Radevormwald
Soziale Schieflage ist dokumentiert

Radevormwald: Soziale Schieflage ist dokumentiert
Die Keilbecker Straße an der Wupper ist vor allem für ältere Menschen schwer zu bewältigen. FOTO: Jürgen moll
Radevormwald. Die von der Stadt und vom Kreis erhobenen Daten sprechen eine deutliche Sprache: Die Bekämpfung von Armut und Ausgrenzung durch das Projekt "Starke Quartiere - starke Menschen" in nächster Zeit ist dringend notwendig. Von Wolfgang Scholl

Die Stadt hat zusammen mit dem Kreis in den vergangenen Wochen zahlreiche Sozialdaten über die Stadt und die Wupperorte zusammengetragen. Burkhard Klein, Leiter des Bauverwaltungsamtes, hat einen Teil der Zahlen den Kommunalpolitikern bereits in mehreren Sitzungen vorgetragen. Er berichtete, dass sich zahlreiche Bürger an den Aktionen der Stadt beteiligt haben. So hat es bei der Fragebogenaktion mehr als 300 Rückläufe gegeben, die derzeit ausgewertet werden. "Mit solch einer Zahl hätten wir nie gerechnet", sagt Klein und ist über die Resonanz sehr erfreut.

Bürgermeister Johannes Mans erklärte dazu, dass die nächsten Schritte nicht ohne weitere Mitarbeiter zu schaffen sind. "Gegen die festgestellten Probleme müssen wir gegensteuern", sagte der Bürgermeister. Er versprach, nach den Sommerferien konkrete Planungen vorzustellen, für die Förderanträge gestellt werden sollen.

Die Zahl der Einwohner hat von 2012 bis 2016 von 3324 auf 3250 abgenommen. Von den 10.970 Haushalten im Stadtgebiet sind 1629 in den Wupperorten. Im Vergleich liegt der Mittelwert der Single-Haushalte an der Wupper bei 665 und in der Stadt bei 470. Mit Blick auf die soziale Situation sind besonders auffällig die hohe Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahre, was eine deutliche Abweichung im Vergleich zum Innenstadtbereich darstellt. Schon jetzt steige dadurch die Gefahr, dass vielen eine adäquate Rente fehlt, die Kinder von Armut bedroht sind und sich ein geringes Bildungsniveau entwickelt. Auffallend sei, dass die Unterschiede zwischen Stadt und Wupperorten bei einigen Daten bei mehr als zehn Prozent liegen, sagt Klein. Diese schlechten Zahlen für die Wupperorte rechtfertigten das Programm "Starke Quartiere - starke Menschen".

Ebenfalls herausgekommen ist, dass etwa ein Drittel der öffentlich geförderten Wohnungen leer steht. Dazu gehört auch, dass es topographische Probleme "oben auf dem Berg der Keilbeck" gibt. Dort leben eine erhöhte Anzahl von Älteren und Jüngeren, die durch die allgemeine Mobilitätsproblematik benachteiligt sind — weil sie auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind.

Bei den Gesprächen mit den Bürgern ist herausgekommen, dass es dort zahlreiche Zukunftssorgen gibt. Das betrifft die allgemeine Versorgungslage, weil davon ausgegangen wird, dass dieses sich dauerhaft verschlechtern wird. Die Bürger gehen davon aus, dass weitere Geschäfte geschlossen werden und sehen die Gefahr, dass die medizinische Versorgung, die jetzt noch von zwei Ärzten gewährleistet ist, eines Tages nicht mehr vorhanden ist.

Besonders angesprochen wird neben der Verbesserung der Mobilität durch verbesserten Nahverkehr (im Gespräch: Dorfbus und Mitfahrgelegenheiten) die Notwendigkeit eines Begegnungszentrums. Dort sollen interkulturelle Angebote geschaffen und Nachbarschafts-Hilfeprojekte ins Leben gerufen werden. Zu diesem Begegnungshaus sollte es möglichst einen Shuttlebus geben. Auch wird gefordert zu prüfen, ob der Mittagstisch vielleicht auch in den Wupperorten angeboten werden kann.

In diesem Zusammenhang ist bereits auch der Jugendtreff zum Thema geworden. Aber auch dort gilt: Ohne weiteres Personal könnte es dort keine zusätzlichen Angebote geben. Etabliert werden sollen: Übergang Schule zum Beruf und Kochen und Ernährung.

Festgestellt worden ist, dass ein Kochangebot in dem Jugendzentrum für einige Kinder die einzige warme Mahlzeit in der Woche bringt. Auch wird gefordert, den Spielplatz auf der barrierefrei umzubauen.

Quelle: RP
 
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