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Ausstellung
Der Körper wird für Fotokünstler zur Leinwand

Radevormwald. HÜCKESWAGEN/RADEVORMWALD Sich nicht auf den ersten Eindruck verlassen, sondern einen zweiten wagen - dazu lädt Walter Ulber die Besucher seiner Ausstellung "Menschliches" ein. Seit Sonntag präsentiert der Radevormwalder Lehrer im Kultur-Haus Zach in Hückeswagen 20 Schwarz-Weiß-Fotografien des menschlichen Körpers. Als vergrößerte, verfremdete oder gespiegelte Aufnahmen bieten sie eine detailreichere und intimere Sicht auf Körperteile und Stellen, die so normal nie wahrgenommen werden - der Körper als eine noch zu entdeckende Landschaft.

Der Mensch, sein Körper und seine Haut sind Ulbers "Leinwand": Darauf lässt der gebürtige Lenneper Licht und Schatten fallen, nimmt seine Strukturen und Formen auf, lässt sie wie unter einem Mikroskop erscheinen. Er rückt das in den Mittelpunkt, was für gewöhnlich außen vor bleibt: "Das, was man auf den ersten Blick nicht sieht", erläutert der 65-jährige Fotokünstler. Nahaufnahmen eines Mundes oder Ohres, mit ihren geschwungenen Linien und den Narben der Zeit. Oder ein weiblicher Schoß, der durch Dopplung und Spiegelung zu einem ganz neuen, symmetrischen Motiv wird. Unerkennbar auf den ersten Blick, nachvollziehbar auf dem zweiten. Einige seiner Fotografien sind mit Texten seiner Künstlerkollegin Sandra Pahl versehen. Meist kurze Gedanken, die das jeweilige Bild hervorrufen. Walter Ulber, Lehrer für Deutsch, Geschichte und Kunst an der Hauptschule Radevormwald, fotografiert mit analoger Technik und ohne Blitzlicht. Denn das würde sein eigentliches Motiv verändern: "Das Blitzlicht ist zu hart. Man sieht nicht das, was man eigentlich fotografiert hat." Neben dem Fotografieren, das er sich als Autodidakt selbst beigebracht hat, verbringt der 65-Jährige viel Zeit mit der Entwicklung und Bearbeitung seiner Bilder. "Mindestens 50 Prozent der Arbeit passiert im Fotolabor, denn da kann man den meisten Einfluss auf die Bildgestaltung nehmen", erklärt der Radevormwalder, der vom menschlichen Körper als Motiv fasziniert ist: "Es ist überwiegend ein ästhetischer Aspekt, ich mag seine weichen und fließenden Formen." Andererseits spielt Ulber gerne auch mit den Licht- und Schatteneffekten, die ein wohlgeformter Körper - oder Teile von ihm - abwerfen und eine neue Perspektive eröffnen.

Die Ausstellung ist noch bis 30. Oktober im Kultur-Haus Zach zu sehen - zu allen Veranstaltungen sowie am Samstag, 24. Oktober, 10 bis 13 Uhr. Der Eintritt ist frei.

CRISTINA SEGOVIA-BUENDIA

Quelle: RP
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