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Blickpunkt Wirtschaft
Laumann besucht die Curt-von-Knobelsdorff-Klinik

Radevormwald. RADEVORMWALD Die Fachklinik des Blauen Kreuzes Curt-von Knobelsdorff-Haus ist unterfinanziert. Hochgerechnet fehlen 280.000 Euro im Jahr. Unterstützung sucht die Klinikleitung jetzt bei zwei CDU-Politikern, dem Landtagsabgeordneten Jens-Peter Nettekoven, und bei Karl-Josef Laumann, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit. Beide besuchten gestern die Klinik. Laumann hatte bereits 2009 bei einem Besuch im Johanniter-Krankenhaus die Einrichtung der geriatrischen Abteilung unterstützt.

Trotz einer jährlichen Auslastung von 95 Prozent ist das Curt-von-Knobelsdorff-Haus mit 58 Therapieplätzen nicht in der Lage, kostendeckend zu wirtschaften. Grund seien die zu niedrigen Pauschalen der regionalen Rententräger, die die Therapiekosten bezahlen, sagte Klinikleiter Dr. Bernd Wessel. "Um kostendeckend arbeiten zu können, müssten wir pro Tag und Patient 126 Euro bekommen. Durchschnittlich zahlen die Rententräger zurzeit aber zwischen 112 und 113 Euro. Das sind 13 bis 14 Euro weniger pro Tag und Patient." Ein Zustand, der vielerorts dazu führe, dass kleinere Einrichtungen aus Kostengründen schließen müssten. Doch dass viele suchterkrankte Patienten gerade kleinere Kliniken bevorzugen, erfuhren die CDU-Politiker von den Patienten selbst.

"Die kleine Organisationsstruktur, die kurzen Wege sind einfach super", sagte ein 53-Jähriger, der dem oberen Management der Pharmaindustrie angehörte, in die Alkoholsucht stürzte und sich innerhalb von vier Monaten in der Fachklinik wieder herausgekämpft hat. Den Therapieplatz im Bergischen hatte sich der Thüringer selbst ausgesucht. "Hier hat man immer einen persönlichen Ansprechpartner, und innerhalb der Gruppe herrscht ein hohes Gefühl von Solidarität."

Ein anderer Patient pflichtete ihm bei: "Man darf sich zwar jetzt nicht vorstellen, dass wir hier 60 Freunde sind, aber dadurch, dass jeder in die Arbeitsabläufe im Haus eingebunden ist und es eine kleine Einrichtung ist, herrscht doch ein sehr familiäres Klima." Neben guten Therapeuten liege eben genau darin die Stärke der Rader Fachklinik, bestätigten die Patienten. Sie freuten sich sehr darüber, ihre persönlichen Erfahrungen mal mit den Politikern zu teilen. "Es ist schön, dass sich die Politik für uns Suchterkrankte interessiert und unsere Stimme nach außen trägt", sagte der 53-Jährige. Sie wünschten sich, dass die Politik sich dafür einsetze, auch kleinere Suchtkliniken durch finanzielle Förderung aufrecht zu erhalten.

Darauf hofft auch Wessel. "Wir konnten die Politiker für unsere Situation sensibilisieren und hoffen nun, dass sich auch Staatssekretär Laumann im Bundesministerium für Gesundheit für uns einsetzt."

CRISTINA SEGOVIA BUENDIA

Quelle: RP
 
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