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Radevormwald
Stadtrundfahrt mit vielen Infos und Platt

Radevormwald. Stadtführer Friedel Müller hatte mit dem Senioren-Treff der Martini-Gemeinde zu einer großen Stadtrundfahrt im Reisebus eingeladen. Es ging von der Innenstadt bis zur Keilbeck. Otto Cords begrüßte die Gäste in Rader Platt. Von Flora Treiber

Die Freude ist groß, als der Senioren-Treff der Martini-Gemeinde den alten Schulbus erblickt, der auf dem Festplatz an der Uelfestraße auf die Reisegruppe wartet. Es ist Samstagnachmittag und mehr als 50 Senioren nutzen diesen sonnigen Tag, um ihre Heimat zu erkunden und sich dabei zwei Stunden wie auf einer Klassenfahrt zu fühlen. Busfahrer Stefan Winkler beobachtet die aufgeregte Gruppe, die sich, wie zu Schulzeiten, in Grüppchen zusammengefunden hat und sich den Sitzplatz der Begierde sichert. Er raucht seine Zigarette zu Ende, steigt auf den Fahrersitz und guckt in den Rückspiegel. "Wenn alle sitzen, kann es losgehen", sagt er.

Damit er den Bus auch durch enge Straßen souverän lenken kann, braucht er disziplinierte Mitreisende. Reiseleiter Friedel Müller hat die Stadtrundfahrt durch seine Heimatstadt zum großen Stadtjubiläum geplant und sich akribisch auf die tagesfüllende Veranstaltung vorbereitet. Bei ihm, das wissen mittlerweile alle Mitglieder des Senioren-Treffs, kommt niemals Langeweile auf. Seine kräftige Stimme macht auch das fehlende Mikrofon wett. Schallendes Gelächter, als er selber einräumt: "Ja, ich habe eine sanfte Stimme."

Der Vorsitzende des Treffs steht die ganze Stadtrundfahrt lang im vorderen Teil des Busses, gibt die Richtung an und versorgt die Reisegruppe mit wertvollen Informationen über Radevormwald. "Ich freue mich auf den Nachmittag und die vielen Eindrücke. Alle Teilnehmer sind aufgeregt und gespannt auf das Programm", sagt er, bevor Stefan Winkler den Motor "anschmeißt". Der Schulbus schnurrt zuverlässig los und rollt vom Festplatz in Richtung Gira. Die rüstige Gesellschaft staunt über die schnelle Entwicklung des neuen Industriegebiets. Viele von ihnen kommen selten aus dem Zentrum heraus. "Wenn man keinen Führerschein hat, sind solche Stadtrundfahrten schön. Man sieht, wie sich die Stadt entwickelt und was passiert", sagt Dietlinde Hirsch. Sie hat die Stadtrundfahrt mit ihrem Mann angetreten und genießt den Ausflug sichtlich.

Die grünen Auen entlang der Uelfe-Wuppertal-Straße gefallen ihr im Sommer besonders gut. Das saftige Grün und die weitläufigen Wälder versetzen sie in Urlaubsstimmung. "Rade ist ein Ort zum Urlaub machen", sagt sie. In der Reihe hinter ihr sitzen Heidi Bosca und Sonja Rost. Die unterhalten sich während der gesamten Fahrt fröhlich. Wenn sich Friedel Müller gerade nicht in der Stadtgeschichte oder der Entwicklung der Wupperorte verliert und Hartmut Hauschild nicht noch dringend eine ergänzende Information mitteilen möchte, herrscht im Bus ein quirliges Geplapper und Gelächter. Nach einem kurzen Stopp auf der Keilbeck gondelt der Bus zur Wupper-Talsperre. Mit Blick auf das ruhige Wasser stellt der Fahrer den Bus aus, öffnet die Türen und lässt frische Sommerluft in den warmen Innenraum strömen. "Dieser Talsperre haben wir es zu verdanken, dass unsere Keller nicht mehr überlaufen", erklärt Friedel Müller. Kurze Unruhe entsteht, als sich der Linienbus in Richtung Remscheid auf dem Wupperdamm an dem Reisebus vorbeidrückt. Maßarbeit. Die Busfahrer nicken sich zu und beglückwünschen sich gegenseitig zu der gelungenen Rangier-Aktion. Nach einem kleinen Halt in Bergerhof auf Höhe des neuen Wohngebiets "Lohsche Weide" düst Busfahrer Winkler zum Schulzentrum an der Hermannstraße. Diskussionen über die Schulentwicklung und den neuen Sportplatz bleiben auch im Senioren-Treff nicht aus.

Den letzten Stopp nutzt Friedel Müller, um den weiteren Verlauf des Nachmittages zu erläutern. Die Senioren danken ihm mit Applaus und auf dem Gesicht des ehemaligen Bürgermeisters breitet sich ein großes Lachen aus. "Immer wieder gerne. Weiter geht's!" Dietlinde Hirsch ist ihm für sein Engagement dankbar. "Er schafft Angebote, die das Leben von Senioren entscheidend prägen. Hoffentlich finden wir einen Nachfolger für ihn, falls es nötig wird." Im Parc de Châteaubriant erwartet Otto Cords die Reisenden. Mit einem charmanten Lächeln steht er neben dem Gartenhäuschen, hat die Hände in der Hosentasche und geht in freudiger Erwartung auf die ankommenden Senioren zu. Bevor er mit seinem Vortrag auf Rader Platt startet, kommt er mit den Teilnehmern ins Gespräch. "Wii geedet dek? Wii häset? Wii eset?"

Quelle: RP
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