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Radevormwald
Sven Schreiber sagt Nacht-Triathlon ab

Radevormwald. Obwohl alle Genehmigungen vorliegen, zieht der Veranstalter die Notbremse. Fischereigenossenschaft Mittlere Wupper hat naturrechtliche Bedenken und einen Anwalt eingeschaltet. Bis zu 400 Sportler sollten bei "TriAdventure" starten. Von Joachim Rüttgen

Am 6. August wird es keinen Nacht-Triathlon "TriAdventure" mit Start am Uelfebad geben. Das teilt der Veranstalter Sven Schreiber von der Agentur "hammerevents" mit. Die Fischereigenossenschaft Mittlere Wupper hat naturrechtliche Bedenken und einen Anwalt eingeschaltet. Dessen Schreiben liegt im Rathaus vor, bestätigt Bürgermeister Johannes Mans auf Anfrage der Redaktion.

Schreiber betont, dass er seit Monaten mit Volldampf an der Austragung gearbeitet habe, nun aber die Notbremse ziehen müsse. "Obwohl alle Genehmigungen vorliegen, zweifelt die Fischereigenossenschaft die Genehmigungen an", berichtet er. Seine Agentur wollte für und mit der Stadt ein weiteres Highlight zur 700-Jahr-Feier der Stadt auf die Beine stellen. "Es haben sich hochkarätige Sportler aus der ganzen Bundesrepublik angemeldet. Eine Absage durch eine einstweilige Verfügung am Tage der Veranstaltung hätte neben einem großen finanziellen Verlust einen noch größeren Imageschaden für uns und die Stadt zur Folge", sagt Schreiber. Er habe keine Lust darauf, sich jetzt einen Anwalt zu nehmen und wolle sich eine peinliche Aktion ersparen.

Bislang hatten sich 200 Sportler angemeldet, bis zu 400 hätten teilnehmen dürfen. "Ich finde das alles sehr ärgerlich, zumal ich immer wieder mit den Betroffenen gesprochen habe", sagt Schreiber. Jetzt würden immer wieder neue Gründe angeführt, warum die Veranstaltung nicht durchgeführt werden dürfe. "Dieses Theater brauche ich nicht, auf einem Pulverfass muss ich nicht sitzen", sagt er.

Verwundert über die Absage zeigt sich Helmut Wuttke, Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Mittlere Wupper und zuständig für das Uelfebad. "In mehreren Gesprächen mit Schreiber kam heraus, das wir grundsätzlich andere Auffassungen darüber haben, inwieweit ein solcher Triathlon genehmigungspflichtig ist", sagt er. Nach seiner Meinung - und die teile auch der für die Fischereigenossenschaft tätige Rechtsberater - handele es sich bei der von Schreiber geplanten Aktion nicht um eine genehmigungsfreie Veranstaltung im Sinne des Gemeingebrauchs, sondern um eine Veranstaltung, für die eine Sondernutzung beantragt werden muss. "Wir haben immer gesagt, dass wir nicht die Veranstaltung kippen wollen, sondern den Schwimmteil an die Wupper-Talsperre oder den Beyenburger Stausee verlegen wollen", sagt Wuttke. Das Uelfebad sei ein kleines Gewässer, das völlig ungeeignet sei für 400 Triathleten. "Wir befürchten Beeinträchtigungen und Schäden für die Umwelt und ein partielles Fischsterben", sagt Wuttke. Wenn sich die Sportler ins Uelfebad stürzen, gerieten die Tiere in Panik, suchten Deckung und hätten keine Ausweichmöglichkeit. Vor allem Karpfen und Schleien bekämen durch den aufgewühlten Schlamm womöglich sogar Sauerstoffprobleme. "Deshalb haben wir unseren Rechtsberater gebeten, die Lage zu prüfen", sagt Wuttke. Man habe lediglich darauf hinweisen wollen, dass Schreiber "rechtlich auf dem Holzweg" sei.

Überhaupt erfahren von der Veranstaltung hatte Wuttke von Klaus Luchtenberg, der für Bündnis 90/Die Grünen Mitglied im Ausschuss für Kultur und Tourismus ist, sich in dieser Sache aber als Privatbürger engagiert. Ihm sei es wichtig, dass ein sensibles Biotop innerhalb der Uelfe keinen Schaden nimmt. "Wir haben dort schützenswerte Blumen, renaturierte Bereiche und seltene Tierarten", sagt Luchtenberg. Gerade im Bereich hinter der Brücke am Uelfebad würden zurzeit Karpfen laichen. An den alternativen Standorten hätten Fische auch mehr Rückzugsmöglichkeiten.

Bürgermeister Johannes Mans bedauert die Absage, kann die Entscheidung Schreibers aber nachvollziehen. "Wir haben ein großes Interesse daran, möglichst viele Aktionen nach Rade zu holen und Lebensfreude zu vermitteln", sagt er. Es sei Bestreben der Stadt gewesen, alles Mögliche zu machen, um den Triathlon zu ermöglichen. "Aber schon im Vorfeld gab es Widerstände. Das Ordnungsamt hat trotzdem gute Arbeit geleistet. Aber wenn die Gegenseite juristisch alle Maßnahmen ergreift, wird es für uns schwierig", sagt Mans. Aus Sicht der Stadt sei alles geklärt gewesen. "Wir haben in mehreren Gesprächen versucht, darauf hinzuwirken, dass die Veranstaltung stattfinden kann - zwar kritisch begleitet, aber eben nicht torpediert wird", sagt Mans.

Quelle: RP
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