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Radevormwald
Tagesmütter unterstützen die Eltern

Radevormwald: Tagesmütter unterstützen die Eltern
Martina Domann und Birgid Knoch mit Karla, Liam, Sophia und Sunny - die beiden Tagesmütter gehen in ihrer Aufgabe richtig auf. FOTO: jürgen moll
Radevormwald. In Radevormwald gibt es zurzeit nur sieben Tagesmütter. Wer zwei oder mehr Kinder gleichzeitig betreut, liegt weit über dem gesetzlichen Mindestlohn. Eine Satzungsänderung sorgt dafür, dass der Beruf deutlich attraktiver geworden ist. Von Flora Treiber

Tagesmutter in der Bergstadt zu sein, das kann sich seit Mai lohnen. Seitdem die Satzung der Stadt verändert wurde, liegt der Stundenlohn pro Kind bei einer Pauschale von fünf Euro. Außerdem gibt es 25 bezahlte freie Tage im Jahr. Trotzdem gibt es in Rade momentan nur sieben Tagesmütter.

Eine davon - und das schon seit 16 Jahren - ist Martina Domann. Die 52-Jährige profitiert von der Satzungsänderung und erinnert sich noch gut an ihre Anfänge als Tagesmutter. "Ich habe mit 2,50 Euro pro Stunde angefangen. Damals gab es keinen bezahlten Urlaub oder eine Garantie. Das ist jetzt anders und macht den Beruf deutlich attraktiver", sagt sie. Tagesmutter zu sein bedeutet für sie die Freiheit, den größten Teil des Tages in ihren eigenen vier Wänden zu verbringen, flexibel auf Bedürfnisse ihrer eigenen Familie reagieren zu können und ihr eigener Chef zu sein.

Obwohl Tagesmütter von der Stadt bezahlt werden und sie ihre Auftragslage mit dem Familienbüro absprechen, arbeiten sie selbstständig. Bis zu fünf Kinder kann eine Tagesmutter gleichzeitig betreuen. Martina Domann ist aber mit vier Kindern ausgelastet. "Ich will jedem Kind gerecht werden", sagt sie.

Ihr Haus, in dem sie täglich Kinder zwischen einem und zwei Jahren betreut, hat sich in den vergangenen 16 Jahren zu einem Paradies für Kinder entwickelt. An jeder Ecke steht Spielzeug, die Wände sind bemalt, und in der Mitte des Wohnzimmers baumelt eine kleine Vogelschaukel, in der sich die Kinder entspannen können. Insgesamt gibt es fünf Schlafgelegenheiten für die Kinder. Der Eingangsbereich unterscheidet sich nicht wesentlich von dem eines Kindergartens. "Man muss sehr viel für die Kinder und den Tagesablauf anschaffen. Das kann man aber jährlich mit einer großen Pauschale steuerlich absetzen", sagt Dormann.

Die Kinder, die täglich zu ihr kommen, freuen sich auf einen strukturierten Tag mit vielen Freiheiten. "Ich spiele mit den Kindern, koche und lese vor. Eben alles, was eine leibliche Mutter auch macht." Um Tagesmutter- oder Vater zu werden, muss man regelmäßig einen Erste-Hilfe-Kursus absolvieren, von jedem erwachsenen Mitglied des Haushaltes ein polizeiliches Führungszeugnis sowie eine ärztliche Bescheinigung vorlegen und einen Tagesmutter-Kursus (160 Stunden) absolvieren, der von der Stadt im Nachhinein mit bis zu 600 Euro bezuschusst wird. "Das gilt allerdings nur, wenn der Kursus erfolgreich abgeschlossen wurde und die Tagesmutter ein Kind aus Rade aufgenommen hat", sagt Claudia Hungerbach, Leiterin des Familienbüros. Sie hofft, dass die Satzungsänderung mehr Frauen dazu bewegt, Tagesmutter zu werden.

Birgid Knoch ist seit 26 Jahren Tagesmutter und geht ihrer Arbeit gerne nach. Dass die Tagesmütter jetzt mehr von der Stadt unterstützt werden, findet sie gut. "Für uns ist die Satzungsänderung eine große Bereicherung. Wir unterstützen uns außerdem gegenseitig und kennen uns alle untereinander", sagt sie.

Ein Wunsch für die Zukunft ist die landes- oder bundesweite Regelung für die Bezahlung und Organisation von Tagesmüttern. "Dass jede Stadt ihre eigenen Regeln aufstellen kann, bedeutet für viele Tagesmütter eine schlechte Bezahlung", sagt Knoch.

Während sich die Kinder bei ihrer Tagesmutter aufhalten, sind sie, genau wie im Kindergarten oder in der Schule, haftpflichtversichert. Die Krankenversicherung und Rentenabgaben von Tagesmüttern übernimmt die Stadt zur Hälfte, ähnlich wie beim Angestelltenverhältnis.

Quelle: RP
 
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