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Radevormwald
Taschendiebe nutzen jede Gelegenheit

Die Tricks der Taschendiebe - davor warnt die Polizei
Die Tricks der Taschendiebe - davor warnt die Polizei FOTO: Polizei Köln
Radevormwald. Die Aufklärungsquote der Polizei ist gering. Aber mit einfachen Mitteln kann Dieben das Stehlen erschwert werden. Von Elena Erbrich

Ein Moment der Unaufmerksamkeit reicht, und schon ist das Portemonnaie oder das Handy weg. In Radevordemwald gab es im vergangenen Jahr neun Taschendiebstähle - keiner davon konnte aufgeklärt werden. Die Täter machten eine Beute im Wert von mindestens 1083 Euro. "Die Zahlen vermitteln den Eindruck, als seien die Bürger im Ort sicher, aber viele werden in den großen Städten bestohlen, wenn sie dort zum Einkaufen hinfahren", sagt Kreispolizeisprecherin Monika Treutler. "Sie fühlen sich dort wie in ihrem Heimatort sicher und achten nicht genug auf ihre Wertsachen."

In NRW liegt der Schaden durch Taschendiebstahl bei mehr als 15 Millionen Euro. Von 2012 bis 2015 stieg die Zahl der Taten um 25 Prozent. 2016 waren es in NRW etwa 51.000. Ein Grund für die Polizei, nun eine landesweite Aufklärungskampagne mit dem Titel "Augen auf und Tasche zu. Langfinger sind immer unterwegs" zu starten.

"Gelegenheit macht Diebe, heißt es so schön, und das ist tatsächlich so", sagt Kriminalhauptkommissar Walter Steinbrech. Er ist bei der Kreispolizeibehörde unter anderem für die Prävention zuständig. "Dieben sollte es nicht zu einfach gemacht werden. Man sollte signalisieren, dass man nicht das ideale Opfer ist", sagt Steinbrech. Das zeige man zum Beispiel, indem man seine Hand über seine Tasche lege.

"Das macht dem Dieb klar, dass man auf seine eigenen Sachen aufpasst", sagt Steinbrech. Die eigenen Wertsachen sollte man immer im Blick haben sowie darauf achten, die Tasche immer geschlossen zu halten und fest am Körper zu tragen. "Am besten ist es, nur so viel Geld mitzunehmen, wie man wirklich braucht", sagt Steinbrech.

"Ältere Menschen heben oftmals die komplette Rente auf einmal ab. Einige Taschendiebe beobachten gerade ältere Menschen, die aus der Bank kommen und schauen, was diese machen. Eine günstige Gelegenheit nutzen sie dann aus, um zu stehlen", sagt Steinbrech. Der Kommissar empfiehlt, das Geld nicht im einem Portemonnaie aufzubewahren, sondern an unterschiedlichen Stellen. Das gilt auch für andere Wertsachen. Am besten sollten sie in verschiedenen Innentaschen der Jacke aufbewahrt werden.

Ein 69-jähriges dreifaches Diebstahlopfer bewahrt sein Geld mittlerweile in zwei Portemonnaies auf. Beim ersten Mal stahlen unbekannte Täter die Handtasche der Seniorin, als sie diese in der Umkleidekabine im Fußraum stehen hatte. Bei den beiden anderen Malen entwendeten die Täter ihre Geldbörse in einem Supermarkt. "Ich habe erst später gemerkt, dass mein Portemonnaie weg war. Dann habe ich sofort meine Geldkarte sperren lassen", sagt die 69-Jährige. Da war es aber schon zu spät: Die Täter hatten in der Zwischenzeit 1000 Euro von ihrem Konto abgehoben. "Die PIN müssen sie abgeschaut haben, als ich zuvor in einem anderen Laden bezahlt habe", sagt die Seniorin.

"Man sollte immer darauf achten, dass Fremde nicht zu nah kommen. Diebe könnten die PIN ausspähen oder die Enge nutzen, um zuzugreifen", sagt Steinbrech. In den meisten Fällen seien es mehrere Täter. Oftmals nutzten sie die Hilfsbereitschaft der Opfer aus. Ein Täter lenke das Opfer ab, der zweite stehle, und der dritte schaffe die Beute weg. "Die Maschen der Diebe sind so vielfältig wie die Menschen selbst", sagt Steinbrech.

"Oft bemerken die Opfer erst später, dass sie bestohlen wurden. Dann ist der Tatort aber nicht mehr genau identifizierbar. Und sie können die Täter nicht beschreiben. Das erschwert die Ermittlungen." Im gesamten Kreis kam es im vergangenen Jahr zu 149 Taten. Davon konnten fünf aufgeklärt werden. Mit 3,4 Prozent liegt die kreisweite Aufklärungsquote über der landesweiten von 0,6 Prozent. Die meisten Taschendiebstähle gab es in Gummersbach. 71 Taten, also fast die Hälfte derer im Kreis, wurden dort der Polizei gemeldet - wobei die Dunkelziffer hoch sei. "Größere Städte bieten am meisten Tatgelegenheiten. Die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist meistens gut. Die Täter können aus anderen Städten anreisen und ohne aufzufallen auch wieder abreisen", erklärt Steinbrech.

Neben den öffentlichen Verkehrsmitteln seien Diebe unter anderem auch in Einkaufszentren, Fußgängerzonen und bei Großveranstaltungen aktiv. "Opfer sind oft ältere Menschen oder alkoholisierte Personen", sagt Streinbrech. Die Opfer verlieren nicht nur das Geld und Wertgegenstände, sondern oftmals auch Persönliches wie Fotos, die auf dem gestohlenen Handy waren. Neue Ausweise und Papiere können zudem bis zu 250 Euro kosten.

Quelle: RP
 
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