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Radevormwald
Tipps für ein entspanntes Weihnachten

Radevormwald. Gudrun Henseler ist Familienberaterin des Evangelischen Familienzentrums in Radevormwald. Bei einer Informationsveranstaltung gibt sie Müttern Ratschläge, um an den Festtagen Stress, Ärger und Streit zu vermeiden. Von Merlin Bartel

Weihnachten ist das Fest der Liebe. Familien kommen zusammen, essen an einer feierlich gedeckten Tafel. Es wird geredet, gelacht, gesungen und ausgiebig unter dem Tannenbaum geschenkt. Zumindest in Hollywood.

"Viele Menschen haben eine überzogene, romantische Erwartung an Weihnachten", sagt Gudrun Henseler. Die ehemalige Leiterin des Kindergartens an der Kottenstraße arbeitet als Familienberaterin für das Evangelische Familienzentrum. "Durch hohen Erwartungsdruck gibt es jedoch oft Streit und Enttäuschung", sagt sie. "Die Themen Familie und Feste werden immer wieder als Belastung wahrgenommen." Auch die zahlreichen Erledigungen spielen eine Rolle: Weihnachtskarten schreiben, Tannenbaum schmücken, Essen kochen und Geschenke kaufen.

Aus diesem Grund veranstaltete die Erzieherin und studierte Familientherapeutin eine Informationsveranstaltung für Mütter: Das "ABC für entspannte Weihnachten mit der Familie". "Ich möchte sie dafür sensibilisieren, ihr Verhalten zu reflektieren und zu hinterfragen", sagt sie. Gudrun Henseler baut auf die Erfahrung aus 36 Jahren als Kindergartenleiterin. Anfang 2015 ging sie in den Ruhestand.

"Mit der Familie zur Ruhe kommen bei Geschenken, Christbaum und Weihnachtsgans - so wünschen sich viele das perfekte Fest", sagt Henseler. "Doch oft entsteht vor allem Stress." Deshalb gab sie Ratschläge, um eine friedliche Stimmung zu fördern:

1. Sie sollten lange vor Weihnachten besprechen, wie das Fest ablaufen soll. "Wenn Aufgaben verteilt werden, ist nicht nur einer im Dauerstress", sagt Gudrun Henseler. Dem stimmten einige Frauen zu, die im gesamten Advent gestresst sind, weil sie überlegen, wo die Gäste sitzen und was sie kochen sollen.

2. Erlauben Sie sich, aus Traditionen auszubrechen. "Nur weil in der Vergangenheit immer die Hausfrau das Essen für die gesamte Familie gekocht hat, muss es nicht so bleiben", sagt sie. "Wer berufstätig ist, hat dafür gar keine Zeit."

Häufig würden die Bedürfnisse der Gäste vor lauter Planung übersehen. "Weniger ist mehr - das gilt nicht nur für das Essen", sagt sie. "Das stimmt, bei meiner Schwiegermutter würde auch ein Drittel des Essens reichen", erzählt eine Besucherin.

3. Lassen Sie Freiräume. Eine Teilnehmerin berichtete, dass ihr Mann sich verpflichtet fühle, seine Mutter an den Feiertagen zu besuchen. Die Familie soll nicht "abgearbeitet" werden, rät Gudrun Henseler. "Auch wenn alle ein großes Fest feiern möchten, muss niemand kommen", sagt sie. "Weihnachten sollte eine freiwillige Zusammenkunft sein, widerwillige Gäste sorgen nur für Missgunst."

4. Überlegen Sie, ob sich alle Gäste untereinander vertragen. Eine Mutter erzählte, dass sich ihr Enkel über die "falschen" Geschenke beklage und die Enkelin nicht in die Weihnachtsmesse mitgehen wolle. "Häufig leben an den Feiertagen familiäre Strukturen wieder auf", sagt die Familienberaterin. "Alte Verhaltensmuster aus der Kindheit kommen hoch und Geschwister beginnen zu streiten - wie als Kinder."

5. Sie sollten keine ernsten Diskussionen zulassen. Den Erzählungen mehrerer Mütter zufolge wird das Familientreffen an Weihnachten auch manchmal zum Ort für heiße Themen. Dort fallen Fragen wie: Warum meldest du dich so selten? Wieso habt ihr euch getrennt? Soll ich dir Erziehungstipps geben? "Als Gastgeber hat man das Recht, solche Debatten zu unterbinden", sagt Gudrun Henseler. "Bleiben Sie tolerant und vertagen Sie die Diskussion."

6. Überlegen Sie sich im Voraus Aktivitäten. "Wenn Langeweile entsteht, leidet darunter auch die Stimmung. Spielen, wandern, vorlesen und singen - alles ist möglich", sagt sie.

7. Die Gäste dürfen sich zwischendurch auch mal abseilen. "Man muss nicht gezwungen beisammen sitzen", rät Gudrun Henseler. "Manche Gäste brauchen einen kurzen Spaziergang an der frischen Luft. Am entspanntesten ist Weihnachten, wenn keine zu hohen Erwartungen im Raum stehen."

Quelle: RP
 
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