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Radevormwald
Trauma-Ambulanz für Gewaltopfer

Radevormwald. Opfern von Gewalttaten soll schneller geholfen werden, wenn sie es nicht alleine schaffen, das Geschehen zu verarbeiten. Im Gummersbacher Krankenhaus gibt es die kreisweit erste Psychiatrische Trauma-Ambulanz. Sexualstraftaten, Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit sowie Raub und Erpressung sind die häufigsten Delikte, wegen derer die Opfer psychologische Hilfe bedürfen. Oft verweist die Polizei bei der Anzeigenaufnahme auf die Möglichkeiten der Beratungsstellen. Kommen die nicht mehr weiter, muss ärztliche Hilfe hinzugezogen werden. Von Harald Knoop

Aber Opfer von Gewalttaten können auch selbst erkennen, dass sie Hilfe brauchen. Anhaltende Schlafstörungen, Alpträume, das Meiden bestimmter Orte, die mit dem erlittenen Trauma zu tun haben, sind Anzeichen. "Wer erkennt, dass er nicht mehr in seinen Alltag zurückkommt, sollte sich melden", sagt Claus Gehling, Oberarzt der Allgemeinpsychiatrie im Klinikum Oberberg. Wichtig ist, dass sich die Betroffenen melden, ehe sich die Symptome zu einem dauerhaften Gesundheitsschaden auswachsen.

Ein kurzfristiger erster Termin zur Diagnostik, ob nach einem Gewaltakt bereits eine behandlungsbedürftige Störung vorliegt, soll verhindern, dass aus Symptomen eine chronische Erkrankung wird. Das ist, so belegen Studien, bei über der Hälfte aller Opfer von Gewalttaten der Fall. Entsprechend froh sind Jugendamt, Polizei, Beratungsstellen und das Netzwerk gegen Gewalt in Oberberg über das neue Angebot.

Neu daran ist auch, dass diese erste psychologische Hilfe unabhängig vom System der Krankenkassen im Rahmen des Opferentschädigungsgesetzes mit bis zu 15 therapeutischen Sitzungen durch den Landschaftsverband Rheinland finanziert wird. Der schließt mit der Ambulanz in Oberberg eine Versorgungslücke. Denn bislang mussten Gewaltopfer zu Ambulanzen nach Köln oder Wuppertal verwiesen werden. Das neue Angebot soll bewusst niederschwellig sein. Im Prinzip genügt ein Anruf. In diesem ersten Gespräch wird ermittelt, wie akut der psychiatrische Hilfebedarf nach einer Gewalttat ist. Je nach Lage soll der erste Termin innerhalb von ein bis zwei Wochen stattfinden. Bei akuten Krisen kann auch jederzeit die stationäre Aufnahme erfolgen.

Das generelle Problem, dass der Bedarf an psychiatrischer Hilfe viel höher ist als die Behandlungsmöglichkeiten, ist auch Klinikgeschäftsführer Sascha Klein bewusst. Aber jedem werde geholfen, auch wenn sechs Monate Wartezeit keine Seltenheit sind. Umso glücklicher ist Klein darüber, dass in der Trauma-Ambulanz den Menschen, die Opfer von Gewalttaten geworden sind, schneller geholfen werden kann.

Quelle: RP
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