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Traditionsberufe Steinmetz
Traumjob in einem alten Handwerk

Radevormwald. In einer Serie stellen wir Handwerksberufe vor, die es seit langer Zeit auch in Radevormwald gibt. Den Auftakt macht der Beruf des Steinmetzes. Walter Schurg aus Wermelskirchen hat auch eine Filiale in Rade an der Kaiserstraße 20 (früher Heinz). Von Wolfgang Weitzdörfer

Wermelskirchen/Radevormwald Steinmetz - das ist ein Beruf, den viele Menschen mit dem Begriff Tradition verbinden. Das ist aber auch ein ganz moderner Beruf, einer, der aus der heutigen Lebenswelt nicht wegzudenken ist. Ein Beruf, in dem handfeste Werte aus Stein geschaffen werden, die lange Jahrzehnte überdauern können und sollen. Wenn nicht ganz für die Ewigkeit geschaffen, dann zumindest für eine lange Zeit.

Walter Schurg ist ein solcher Steinmetz. Der 46-Jährige hat im Familienbetrieb gelernt und führt gemeinsam mit seinem Bruder Michael die Familientradition an mittlerweile insgesamt sechs Standorten fort. Das Hauptgeschäft, das vom Großvater Walter Schurg gegründet wurde, steht in Wermelskirchen; es gibt zwei Filialen in Remscheid, wo auch die Hauptproduktion ist, sowie je eine noch in Radevormwald, Meinerzhagen und Burscheid. Schurg ist Steinmetz mit Leib und Seele, das merkt man dem 46-Jährigen deutlich an. Wichtigster Arbeitsbereich ist nach wie vor der Grabmalbereich. Mit diesem Schwerpunkt hat schon Opa Walter Schurg den Betrieb im Jahr 1945 gegründet. Heute sind es allerdings nur noch etwa 70 Prozent der Aufträge aus dem Bereich der Grabsteine und -platten: "Die restlichen 30 Prozent kommen aus dem Baubereich, den wir auch als zweiten Schwerpunkt unseres Betriebs haben. Bei Grabmalen hat sich in den vergangenen 15 Jahren einiges verändert. Viele Hinterbliebene wollen nichts mehr mit den Grabstätten zu tun haben, entsprechend wenig wird auch in die Gestaltung investiert", sagt Schurg, dem bei der Erstellung der Grabmale der ganzheitliche Aspekt wichtig ist. "Das ist eine Mischung aus Handwerk und Empathie, vor allem in den Gesprächen mit den Hinterbliebenen. Denn in der Regel ist es natürlich alles sehr frisch und die Wunden noch groß", sagt der 46-Jährige, der selbst erst vor kurzem seinen Vater verloren hat. "Da sind wir natürlich auch nicht frei von Emotionen", sagt er.

Dennoch müsse man professionell bleiben, damit man für die Hinterbliebenen ein schönes Denkmal und eine Erinnerung an den Verstorbenen erschaffen kann. Denn insgesamt überwiegen natürlich noch die Menschen, denen eine schön gestaltete letzte Ruhestätte für ihre Verstorbenen wichtig ist.

"Das Schöne an unserer Arbeit ist, dass alles aus einer Hand geht, man ist in intensiven Gesprächen mit den Trauernden und entwickelt gemeinsam den Grabstein", sagt Schurg, der sich vor allem an eine junge Mutter erinnert, deren Kind beim Spielen tödlich verunglückte. "Das war eine ganz furchtbare Geschichte, die Mutter war kaum in der Lage, das Gespräch zu führen", erinnert sich der Steinmetz. In etwa zehn Terminen wurde das Grabmal entwickelt. "Als der Stein dann stand, hat sie sich überschwänglich bei mir für die Hilfe und Unterstützung bedankt. Das ist auf jeden Fall bei mir hängengeblieben", sagt Schurg.

Ein wenig profaner wirken da dann die Arbeiten im Baubereich: "Da machen wir viel für Privatpersonen - etwa Natursteinmauern am Haus oder kleinere Arbeiten im Garten", sagt Schurg. Aber es seien da durchaus auch größere Aufträge dabei, wie sich der 46-Jährige erinnert: "Etwa die Fassade des Naturkundemuseums in Dortmund. Das war eine richtig große Baustelle, die auch über mehrere Monate stand, ehe wir fertig waren."

Zudem beliefert der Betrieb der Brüder Schurg, in dem zwölf Mitarbeiter angestellt sind, auch zahlreiche Küchenstudios mit Arbeitsplatten aus Steinzeug sowie andere Großhändler. "Es ist ein sehr abwechslungsreicher Beruf", sagt Schurg und lächelt. Dabei wirkt der 46-Jährige überaus zufrieden. So, als wäre das alte Handwerk tatsächlich sein Traumjob.

Quelle: RP
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