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Radevormwald
"Trump ist kein Preuße"

Radevormwald: "Trump ist kein Preuße"
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Radevormwald. Die Wirtschaft im Bergischen ist nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten verunsichert. Für die Region sind die USA ein wichtiger Handelspartner. Der Ausgang der Wahl ist für Unternehmer "sehr besorgniserregend". Von Henning Rasche

Es war Friedrich der Große, der befand, dass jeder nach seiner Façon selig werden solle. Der preußische König postulierte also eine gewisse Art der konstruktiven staatlichen Weltoffenheit, in einer sehr ursprünglichen Form. Aus der Zeit des Alten Fritz und seines Vaters Friedrich Wilhelm I. sind die preußischen Tugenden verblieben. Ordnung, Pünktlichkeit, Fleiß, Gerechtigkeit - und eben die Toleranz für das Leben der anderen. Donald Trump, der Mann mit den Großeltern aus der Pfalz, ist kein Preuße. Auch nicht im tugendlichen Sinne. Walter vom Stein, der Vorsitzende des Wirtschaftsgremiums Wermelskirchen der IHK Köln und Geschäftsführer des Werkzeugbauers Steintex, fällt vor allem dies als erstes ein, wenn man ihn nach Trump fragt. "Preußisch ist der Mann nicht, demokratisch gewählt ist er", sagt vom Stein.

Und wer hätte das schon gedacht? Dass ausgerechnet Donald Trump 45. Präsident der Vereinigten Staaten werden würde, haben Vorhersagen und sogenannte Experten für nahezu ausgeschlossen gehalten. Nun hat der Unternehmer aber doch die Wahl gewonnen. Und die Welt wird sich dazu verhalten müssen. Der 70-Jährige lehnt etwa das TTIP-Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA ab. Was sagen also die Unternehmer und Verbandsvertreter im Bergischen Land? Fürchten sie negative Auswirkungen?

Eva Babatz leitet die Geschäftsstelle Rhein-Berg der IHK Köln. Sie hofft, dass die extrem markigen Tönen des Wahlkampfs einer sachorientierten Politik weichen. Babatz hat in Trumps Worten eine "restriktive Wirtschaftspolitik im Sinne von Abschottung" erkannt. Nach dem Wahlsieg sei die Verunsicherung nun groß, schließlich sind die USA auch für die regionalen Unternehmen ein wichtiger Handelspartner. Nordrhein-Westfalen ist ein Exportland, die USA nehmen den dritten Rang unter den Außenhandelspartnern im Land ein - nur hinter den Niederlanden und Frankreich.

Die Welthandelsorganisation sowie die Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Vereinigten Staaten seien für die im Bergischen stark international ausgerichteten Unternehmen zentrale Themen, betont Eva Babatz. Betroffen seien alle Industriebranchen, vor allem aber Kfz, Maschinenbau, Chemie und Pharma, die hier bekanntlich zahlreich vertreten sind. "Wir hoffen, dass die neue US-Regierung diese Errungenschaften nicht aufs Spiel setzt. Es wird sich zeigen, welcher Kurs jetzt realpolitisch eingeschlagen wird", sagt Eva Babatz.

Andre Kuhn ist Geschäftsführer der Edelstahlgießerei Klaus Kuhn in Radevormwald. Er sagt: "Der Ausgang der Wahl in den USA ist für uns sehr besorgniserregend." Die protektionistische Tendenz und Unberechenbarkeit eines Donald Trump werde die Unsicherheit in der Weltwirtschaft verstärken und das Investitionsklima verschlechtern, glaubt er. "Wir sehen die Gefahr einer möglichen Abschottung der USA von dem Rest der Welt, was uns in Deutschland und unsere Kunden im Export schwächen wird." Das Ergebnis der US-Wahl sei in einem ohnehin schon unsicheren Geschäftsumfeld mit Sicherheit schlecht für die deutsche Industrie.

Wenn Clinton gewonnen hätte, so glaubt Michael Sallmann, dann hätte die Welt geglaubt zu wissen, wie es weitergeht. Sallmann leitet die Geschäftsstelle der IHK Köln in Oberberg. "Die Wahl Trumps ist für uns alle überraschend. Es ist natürlich extrem schwierig, weil die USA ein wichtiger Handelspartner sind", sagt er. Und: "Die Verunsicherung ist groß, weil nach diesem Wahlkampf niemand einschätzen kann, was das für eine Regierung wird." Unsicherheit sei nie gut, meint Sallmann. Denn in einer solchen Phase würden Unternehmer auf die Pausetaste drücken und Investitionen eventuell verschieben. "Wir werden abwarten müssen, uns dann ein Bild machen und die Lage einschätzen", sagt Michael Sallmann. Auch der oberbergische Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Flosbach (CDU) ist schockiert. Er sagt: "Die weitere Zusammenarbeit erscheint mir zurzeit unberechenbar."

Zurück zu Walter vom Stein. Die ganze Nacht auf Mittwoch hat der Wermelskirchener die Berichterstattung und die Zwischenergebnisse verfolgt. Er hält ein starkes demokratisches Plädoyer. "Ich liebe unsere Republik", sagt vom Stein. "Wir müssen auf sie aufpassen." Er fordert einen engeren Zusammenschluss für Europa, gerne auch mit Amerika, einen einheitlichen Verbund - zum Westen und zum Osten hin offen. "Trump ist eine Warnung an uns", sagt vom Stein. "Wir haben ähnliche Tendenzen bei uns. Die Populisten hier schwimmen auf einer ähnlichen Welle." Es müsse einem aber nicht angst und bange sein, glaubt er. "Gute Produkte werden weiterhin gefragt werden. wir sind stark genug", sagt Walter vom Stein.

Quelle: RP
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