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Radevormwald
Unbekannter CDU-Kandidat ist Favorit

Radevormwald: Unbekannter CDU-Kandidat ist Favorit
FOTO: Stephan Büllesbach
Radevormwald. Bei der Bundestagswahl am 24. September können die Radevormwalder Wähler aus 23 Parteien und in ihrem Wahlkreis zwischen sieben Direktkandidaten wählen. Mit Jörg Kloppenburg (FDP) versucht auch ein Hückeswagener sein Glück. Von Stephan Büllesbach

Oberberg ist eigentlich ein grüner Landkreis. Vor allem dank der vielen Wiesen und Wälder, auch wenn die Industrie zwischen Radevormwald im Norden und Morsbach im Süden eine große Rolle spielt. Politisch gesehen ist Oberberg jedoch schwarz. Es gibt nur wenige Wahlen seit 1980, die die CDU verloren hat.

Die jüngste Wahl, bei der Oberberg zwischenzeitlich rot wurde, war die für den Landtag 2012. Vor fünf Jahren kam die SPD kreisweit auf 36,6, die CDU nur auf 31,9 Prozent der Stimmen. Ansonsten muss man schon bis in die 90er-Jahre zurückgehen: 1990 und 1995 holten die Sozialdemokraten jeweils beide oberbergische Wahlkreise. In Oberberg-Nord mit Hückeswagen unterlag dabei Peter Biesenbach jeweils seinem SPD-Kontrahenten Hans Kern; seit 2000 hat der Hückeswagener jedoch jedes Mal seinen Wahlbezirk geholt - und seit Juni ist er Justizminister des Landes.

Bei den Bundestagswahlen sind es auch schon 19 Jahre her, dass sich ein SPD-Kandidat durchsetzen konnte: 1998, als Gerhard Schröder Helmut Kohl als Bundeskanzler ablöste, siegte Friedhelm Julius Beucher über Klaus-Peter Flosbach - mit gerade einmal 359 Stimmen Vorsprung. 2002 drehte der CDU-Politiker den Spieß allerdings herum.

So geht in vier Wochen der CDU-Direktkandidat als klarer Favorit ins Rennen - auch wenn ihn im oberbergischen Norden, abseits der CDU, bislang nur wenige tatsächlich kennen. Da Flosbach nach vier Legislaturperioden nicht noch einmal für den Bundestag kandidiert, probiert es nun sein Nachfolger als Kreisvorsitzender: Dr. Carsten Brodesser. Im November nominierte die Kreis-CDU den 49-jährigen Prokuristen und Diplom-Volkswirt aus Lindlar als Kandidat für die Bundestagswahl.

Ob er bei den Erststimmen auf Anhieb auf solche Ergebnisse wie zuletzt sein Vorgänger kommen wird, ist fraglich. Klaus-Peter Flosbach hatte den Wahlkreis 2009 mit 48,4 und 2013 mit 52,2 Prozent der Stimmen direkt geholt. Aber angesichts der Stimmung im Land und dem Verharren der SPD im Umfragetief ist eher nicht davon auszugehen, dass es Michaela Engelmeier dem Genossen Beucher wie 1998 nachmachen und Oberberg direkt gewinnen wird. Auch wenn sie als Bundestagsabgeordnete der Mehrheit der Wähler bekannt sein dürfte - die 56-jährige Engelskirchenerin zog vor vier Jahren über die Landesliste erstmals ins Berliner Parlament ein.

Sollte die SPD-Bundestagsabgeordnete erneut gegen den CDU-Kandidaten verlieren, könnte es für sie wie 2013 zu einer Zitterpartie werden. Damals erfuhr sie erst um 3.10 Uhr in der Nacht nach der Wahl durch einen Anruf von der Landesgeschäftsstelle, dass sie es in den Bundestag geschafft hatte. Michaela Engelmeier steht nun auf Platz 20 der Landesliste. Vor für Jahren zog die Liste zwar bis Platz 25, da kam die SPD in NRW aber auch auf 31,9 Prozent. Schafft sie es, dieses Ergebnis im September annähernd zu erreichen, sollte die Engelskirchenerin erneut über die Liste in den Bundestag kommen. Brodesser dagegen steht auf Platz 37 der CDU-Liste. 2013 zog sie bis Platz 50 bei einem Wahlergebnis in NRW von knapp 40 Prozent.

Weitere Direktbewerber für den Oberbergischen Kreis sind für Bündnis 90/Die Grünen der Reichshofer Landwirt Michael Braun, für die Linken der Gummersbacher Schüler Diyar Agu, für die FDP der Hückeswagener Rechtsanwalt Jörg Kloppenburg und für die AfD der Wiehler Automatisierungstechniker Stefan Zühlke. Sie alle dürften aber keine Chancen auf den direkten Einzug in den Bundestag haben, da sie auf den Listenplätzen ihrer Parteien zu weit hinten stehen.

Eine Ausnahme hätte der Hückeswagener Kloppenburg gebildet. Sein Listenplatz 19 hätte bei einem Wahlergebnis der Liberalen von etwa zwölf Prozent gereicht, um in den Bundestag einzuziehen - bei der Landtagswahl im Mai kam die FDP auf 12,5 Prozent. Doch wegen eines Formfehlers war der 59-Jährige von der Landesliste geflogen: Kloppenburg hatte vergessen, eine Unterlage für die Zulassung zur Landesliste zu unterschreiben.

Quelle: RP
 
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