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Radevormwald
Verdacht auf Gülle-Verstoß sofort melden

Radevormwald: Verdacht auf Gülle-Verstoß sofort melden
Tankwagen mit Gülle zum Beispiel aus den Niederlanden sind auch schon in Radevormwald gesichtet worden. In beiden Ländern muss der Transfer gemeldet werden. FOTO: Dackweiler (Archiv)
Radevormwald. Ursula Jandel, Dienststellenleiterin der Landwirtschaftskammer Lindlar, berichtete im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt über den Gülle-Austrag der Landwirte. Mehrere kleine Austräge ersetzen eine große Feld-Düngung. Von Wolfgang Scholl

Wer einen Verstoß gegen gesetzliche Regelungen beim Austrag von Gülle vermutet, der sollte sich möglichst schnell mit der Dienststelle der Landwirtschaftskammer in Lindlar in Verbindung setzen. Das empfahl am Mittwoch Ursula Jandel, die den Kommunalpolitikern über den Gülleauftrag auf Radevormwalder Feldern berichtete. Ingrid Bartholomäus (CDU) hatte dieses Thema in der letzten Ratssitzung angesprochen.

"Ich kann den Bürgern nur raten, sich unmittelbar an unsere Dienststelle zu wenden", sagte Jandel, "jede glaubhaft vorgetragene Anzeige wird verfolgt." Wichtig sei es, dass die Fakten gerichtsfest festgestellt werden. Dazu müssten zeitnah (möglichst binnen Stunden oder während eines Eintrags ins Feld) Informationen weitergegeben werden. So müsse die Fläche genau bezeichnet werden, ebenso, ob Grün- oder Ackerland betroffen ist. Auch müsse sich der Anzeigende offenbaren, damit er in einem späteren Verfahren als Zeuge aussagen könne.

Zur auch in Rade eingesetzten niederländischen Gülle sagte die Vertreterin der Landwirtschaftsklammer, dass dies angemeldet werden muss. Das könnten auch Schweinegülle oder andere Klärreste sein. "Alles riecht unterschiedlich und zum Teil ungewohnt", sagte Jandel. Aufgebracht werden könnten auch Biogasgärreste. Für das Bergische Land erklärte Jandel, dass dieses in der Stickstoffbilanz als unterversorgt gilt und als Ergänzung entweder Kunstdünger oder Gülle aus anderen Höfen aufgebracht werde.

Es gebe umfangreiche Melde- und auch Anmeldepflichten. Bei Hinweisen werden diese kontrolliert. Etwa jeder dritte Landwirt müsse damit rechnen, alle vier bis fünf Jahre geprüft zu werden. Dabei gebe es Zufalls- und Risikobetriebsprüfungen. Wer auffalle und ein Ordnungswidrigkeitsverfahren bekomme, der laufe Gefahr, seine öffentliche Förderung durch die Europäische Union zu verlieren. Bei der Bilanz, die die Landwirte für ihren Hof erstellen müssen, darf der Gesamtstickstoffgehalt pro Hektar und Jahr 170 Kilogramm nicht überschreiten. Da heute im Grünlandbereich bis zu vier Mal geerntet wird, könne es auch vier bis fünf kleinere, aber effizientere Austräge auf einzelnen Flächen geben.

"Ich muss aber auch sagen, dass Geruchsbelästigung kein Verstoß ist", sagte Jandel und berichtete, dass es bei Grünlandbewirtschaftung vom 15. November bis 31. Januar eine Sperrfrist gibt. Gülle als eine von mehreren Arten von Wirtschaftsdüngern entstehe als Kot und Urin bei Tierhaltung ohne Strohanteil. Sie sei ein wichtiger Pflanzennährstoff, der der nachhaltigen Bodenfruchtbarkeit diene. Jandel: "Bei den modernen Verfahren wird Gülle direkt in den Boden zur Wurzel der Pflanze gebracht. Je besser dies gelingt, desto geringer ist die Geruchsbelästigung und desto gewässerschonender ist das Verfahren."

Die Referentin ergänzte, dass der Fall an der Neye-Talsperre, bei dem 2015 Gülle in großen Mengen in die Talsperre floss, nichts mit Landwirtschaft zu tun habe, sondern das Ergebnis einer kriminellen Aktion gewesen sei. "Die Landwirtschaft distanziert sich eindeutig davon", sagte Jandel. Die Gerichte seien jetzt in diesem Fall aus Halver am Zug. Ursula Jandel und Bernd Bornewasser (Grüne) berichteten auch, dass das bergische Trinkwasser aus der Agger- und der Großen Dhünn-Talsperre hervorragende Qualität besäßen und der Nitratwert unter zehn liege. "Das ist ein absolut natürlicher Wert", sagte Bornewasser. "Die Nitratbelastung ist in den vergangenen 30 Jahren kontinuierlich gesunken", ergänzte Jandel.

Bornewasser appellierte angesichts dessen, dass man vor Ort wenig tun könne, an die Vertreter der Parteien, die Abgeordneten in Berlin hätten, auf diese einzuwirken, dass diese Problematiken des Umwelt- und Bevölkerungsschutzes bei der Erneuerung der Gesetze Berücksichtigung finden würden.

Quelle: RP
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