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Radevormwald
Vom Rennboot in ruhigere Fahrwasser

Radevormwald. Der ehemalige Motorboot-Weltmeister Rainer Bisterfeld ist nach 33 Jahren in Nürnberg in seine Heimatstadt Rade zurückgekehrt. Sein Herz schlägt nach wie vor für den Rennsport, er möchte in Zukunft aber auch Tiere beobachten. Von Marion Gerdel

Rainer Bisterfeld, der Motorboot-Weltmeister des Jahres 1973, ist nach 33 Jahren in Nürnberg wieder in Radevormwald angekommen. Als 24-Jähriger begann er mit dem Motorboot-Sport. In 18 aktiven Jahren bestritt er 420 Rennen, von denen er die Hälfte gewinnen konnte. Noch heute erinnert er sich gerne an diese Zeiten zurück. "Begonnen hat alles in der Schweiz", erinnert er sich an sein erstes Rennen. "Während eines Urlaubs traf ich auf die Familie Ulrich, die mich für den Motorrennsport begeistert hat. So bin ich in der Schweiz dann gleich mein erstes Rennen gefahren, bei dem ich auch sofort den fünften Platz belegen konnte."

Mit diesem Erfolg hatte Rainer Bisterfeld das Rennfieber gepackt. Er startete in allen Bootsklassen von 350 bis 2000 Kubikzentimeter. Während seiner Rennjahre ist er allein für die Reisen zu den Rennstrecken etwa 80 000 Kilometer gefahren. Sie führten ihn durch ganz Europa und bis nach Südafrika.

Dabei sein ist alles - das war nie seine Devise. "Wenn ich im Boot saß, gab es immer nur ein Ziel: "Den Sieg", betont er. Und dieser Wille zahlte sich aus. Achtmal wurde er Deutscher, dreimal Europa- und zweimal Vizeweltmeister. Sein größter Erfolg war 1973 die Weltmeisterschaft in der 350 ccm Klasse. Für seine Leistungen wurde er von verschiedensten Stellen ausgezeichnet. 1981 erhielt er das Silberne Lorbeerblatt des Bundespräsidenten, 1969 das ADAC-Abzeichen in Gold und 1975 in Brillanten, sowie einen kleinen und großen Ehrenteller der Stadt Radevormwald.

"Es ist schade, dass der Sport bei uns seine Popularität verloren hat", sagt Bisterfeld, "denn der Sport hat mir persönlich viel gegeben." Vor allem Freundschaften, die bis heute halten, allen voran mit seinen beiden Rader Mechanikern Alwin Przetak und Dieter Brunst. Zu denen pflegt er noch engen Kontakt.

Sein Wissen als Werkzeugmacher und Maschinenbauingenieur halfen ihm, seine Boote zu optimieren. Viele Teile entwickelte und baute er selber. Das technische Wissen und die finanziellen Möglichkeiten der eigenen Firma waren der Grundstein. Letztendlich waren es sein sportlicher Ehrgeiz und der Wille, die ihn zum Weltmeister machten. "Wichtig war die Unterstützung meiner Superfrau Eva und meiner Schwester Ellen, die für meine Karriere viel verzichten mussten."

Gefahren hat Bisterfeld verdrängt. Auch die nicht unerheblichen Verletzungen an der Wirbelsäule, Augen und Nieren, Schulterblatt- und Armbrüche hielten ihn nicht ab. Trotz dieser Wagnisse würde er heute gerne noch selber fahren, aber, das Training fehlt. "Wenn man als Fahrer gut sein will, braucht man Gefühl für das Boot, technisches Verständnis, Kondition und Kraft."

Die Verbindung zum Sport hat er heute durch Enkel Nick, der auch Rennbootfahrer ist. Bei dessen Rennen fiebert er am Streckenrand mit. Seine Freizeit möchte er jetzt mit einem deutlich ruhigeren Hobby verbringen. "In meiner Zeit in Nürnberg konnte ich mit Erlaubnis der Waldpächter auf deren Hochsitzen Wild beobachten. Das würde ich hier gerne wieder aufnehmen, ich hoffe, entsprechende Kontakte zu knüpfen." Ganz wichtig ist ihm, dass er seiner Frau, mit der er 23 Jahre verheiratet ist, eine neue Heimat bereiten und er mit seinen drei Kindern und sieben Enkeln häufiger zusammen sein kann.

Quelle: RP
 
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