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Radevormwald
Wahlsieger in gebremster Feierlaune

Radevormwald: Wahlsieger in gebremster Feierlaune
Carsten Brodesser trifft heute im Bundestag auf seine neuen Kollegen. Am Sonntagabend kam er mit Teilen seiner Familie ins Kreishaus. FOTO: Wolfgang Scholl
Radevormwald. Die CDU stellt den Wahlsieger in Oberberg. Die Stimmung ist angesichts der Stimmenverluste auf Bundesebene gedämpft. Von Brigitte Neuschäfer und Wolfgang Scholl

Es ist schon das zweite Mal in diesem Jahr, dass die Junge Union sich im Kreishaus spontan zum gemischten Chor formiert: "So sehen Sieger aus ...", stimmt der CDU-Nachwuchs, einheitlich in orangefarbene T-Shirts gekleidet, an. Das klingt nicht unbedingt schön, ist aber jedenfalls laut. Und Carsten Brodesser, dem das Lied gilt, präsentiert sich denn auch als strahlender Sieger. Eher ernst gucken seine Begleiter: Peter Biesenbach, für den die Junge Union das gleiche Lied am Abend der Landtagswahl im Mai gesungen hatte, und Klaus-Peter Flosbach, der als langjähriger Bundestagsabgeordneter den Weg frei gemacht hatte für seinen Nachfolger Brodesser. Die enormen Stimmenverluste der Unionsparteien auf Bundesebene haben die Feierlaune auch innerhalb der oberbergischen CDU getrübt.

"Zum Jubeln ist wirklich kein Anlass", räumt Peter Biesenbach ein. Für die Regierungsbildung gebe es keine Alternative zur Jamaika-Koalition - "eine ungemein schwierige Aufgabe", findet der Landespolitiker und NRW-Justizminister aus Hückeswagen. Dass die Koalition aus CDU, Grünen und FDP für ihn alles andere als seine persönliche Wunschkonstellation ist, ist offensichtlich. Aber Politik ist kein Wunschkonzert: "Wir müssen uns nun eben dieser Aufgabe stellen", sagt Biesenbach pragmatisch.

Klaus-Peter Flosbach (Mitte) tritt ins zweite Glied und gab sich schon am Sonntag sehr zurückhaltend. FOTO: Wolfgang Scholl

Klaus-Peter Flosbach sieht es ebenso. Blickt er an diesem Abend auch mit Wehmut zurück auf seine lange Zeit als Bundestagsabgeordneter? Flosbach verneint das: "Bei mir überwiegt die Freude, dass wir einen fließenden Übergang geschafft haben, Carsten Brodesser und ich sind auf einer Linie." Traurig sei er nicht über seinen Abschied von Berlin, den er ja selbst gewollt habe: "Ich werde im Januar 66 Jahre alt, da wird es Zeit für neue und jüngere Leute. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel, ich habe mich darauf vorbereitet."

Flosbach, der im Bundestag für die Staatsfinanzen an verschiedenen Stellen und mehreren Gremien mitverantwortlich ist, wird wohl in den kommenden Monaten noch häufig in Berlin arbeiten. Zuletzt hieß es, dass er noch bis Januar in einigen Gremien sitzen wird. Entscheidend wird sicherlich sein, wann die neue Bundesregierung gebildet wird. Bis dahin ist sein Rat wohl weiter gefragt.

Brodesser ist der Einzige aus dem CDU-Spitzentrio, der strahlt und einräumt: "Ich kann es noch gar nicht richtig glauben." Dass sein Erststimmen-Ergebnis noch einmal deutlich besser ist als das Wählervotum für die Partei, freut den Politiker (CDU-Kreisvorsitzender) aus Lindlar sichtlich. "Ich bin sehr froh, sehr glücklich - und sehr müde nach diesem langen Wahlkampf." Gestern wollte er deshalb eine Stunde länger schlafen als sonst und heute dann zum ersten Mal als Wahlsieger nach Berlin reisen. Den Sieg, so ist er überzeugt, verdanke er einer "soliden Mannschaftsleistung", denn er habe sehr viel Unterstützung durch die Partei erfahren. Im Bundestag will sich der 49-Jährige "mit aller Kraft für eine Stärkung des ländlichen Raums einsetzen", kündigt er noch am Wahlabend an. Die Digitalisierung müsse vorangetrieben werden, die Kommunen brauchten mehr Unterstützung durch die Bundespolitik.

"Ich kann nicht zaubern", sagt Brodesser, "aber ich kann und will meinen Beitrag dazu leisten, auch die ländlichen Gebiete nach vorne zu bringen".

Quelle: RP
 
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