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Mathias Derlin
Wanderwege locken die Touristen

Mathias Derlin: Wanderwege locken die Touristen
Ziehen seit zehn Jahren an einem Strang (v.l.n.r.): Mathias Derlin, Geschäftsführer der Naturarena, Dr. Erik Werdel, Kreisdirektor des Rheinisch-Bergischen Kreises, und Jochen Hagt, Kreisdirektor des Oberbergischen Kreises, beim Brotbacken im historischen "Bakkes" auf Gut Hungenbach in Kürten. FOTO: Naturarena
Radevormwald. Mathias Derlin, 50, ist seit 2007 Geschäftsführer des Tourismusverbands Naturarena Bergisches Land GmbH, die auch die touristischen Belange von Radevormwald vermarkten soll.

Glückwunsch, die Naturarena besteht in diesem Jahr seit zehn Jahren. Oder müssten wir "Das Bergische" beglückwünschen?

DERLIN Am besten beide. Seit 2012 treten wir gegenüber Kunden nur noch mit der Marke "Das Bergische" auf. Naturarena ist aber unser Firmen- und Geschäftsname geblieben. Wer im Callcenter anruft, wird von den Mitarbeitern mit "Das Bergische" begrüßt.

Was war der Anlass, ein Callcenter einzurichten?

DERLIN Mit unserem Personal können wir die Anfragen nicht mehr abarbeiten. Seit drei Jahren haben wir einen erfahrenen Dienstleister vorgeschaltet, der rund 4000 Anrufe im Jahr entgegen nimmt. Seit Fertigstellung der neuen Wanderwege haben sich die telefonischen Anfragen sprunghaft erhöht. Auch die E-Mails gehen an das Callcenter. Das beauftragte Unternehmen arbeitet seit langem auch mit den Touristikern des Sauerlands zusammen. Das sind Spezialisten, die an 365 Tagen im Jahr von 8 bis 22 Uhr erreichbar sind. Das Verschicken der Broschüren und Prospekte übernimmt die Behinderteneinrichtung Raps in Marienheide für uns.

Ihr jüngstes Projekt ist die Wander-App. Haben Sie dafür schon Zahlen?

DERLIN Im Mai ist die Anwendung für das System android freigeschaltet worden. Es gab bereits 2040 Installationen, ein sehr guter Wert. Die Kundenbewertung mit 4,53 von 5 Sternen ist fantastisch - ein Prozentpunkt über dem, was Wander-Apps sonst haben. Für das System ios, seit Juni auf dem Markt, gab es 339 Downloads.

Wie wichtig sind die Internetseiten?

DERLIN Sehr wichtig. Im vergangenen Jahr hatten wir 400 000 Internet-Besucher, die sich im Schnitt sechs Seiten anschauten. Das ist ein Zuwachs von 37 Prozent. Auf der Seite vom Bergischen Wanderland waren es weitere 220 000. Wie viele Besuche und Kurzurlaube daraus geworden sind, können wir aber leider nicht sagen.

Aktuelle Buchungszahlen liefern immer die Landesstatistiker von IT NRW. Die Bedeutung?

DERLIN Leider eine hohe. Diese Zahlen erfassen aber nur ein Drittel des Geschäftsfelds: diejenigen Gäste, die im Bergischen übernachten. Zweidrittel sind aber Tagestouristen, die nicht übernachten. Und diese tauchen in den Zahlen nicht auf.

Gibt es Unterschiede zwischen den beiden Kreisen Rhein-Berg und Oberberg?

DERLIN Für Rhein-Berg liegt die Zahl der Tagestouristen höher, es dominieren die Geschäftsreisenden. Im Oberbergischen verweilen die Besucher länger. Immerhin haben wir in Oberberg fünf Jugendherbergen und auch Kurkliniken. Reichshof und Nümbrecht sind heilklimatische Kurorte mit langjähriger touristischer Tradition. So etwas fehlt in Rhein-Berg.

Was ist mit der Auslastung der Hotels und Pensionen?

DERLIN Montags bis donnerstags kommen die Geschäftsreisenden, freitags bis sonntags die Wochenend-Wanderer. Beides ergänzt sich.

Für die Außendarstellung des Bergischen gibt es die zertifizierten Fernwanderwege. Ihre Einschätzung?

DERLIN Plötzlich treffen wir auf Touristen, die aus Baden-Württemberg oder Sachsen anreisen. Nur wegen dieser Wanderwege. Das ist ein Leuchtturm-Projekt, absolut bundesligatauglich. Aber wir sind ein Aufsteiger in die erste Liga und müssen hart arbeiten, um unser Niveau zu halten.

Warum ist das schwierig?

derlin Es fehlt uns ein Alleinstellungsmerkmal, das können auch die Talsperren nicht sein. Wir haben kein Hermannsdenkmal, keine Externsteine, keinen markanten Berg, keinen Kölner Dom. Da kommen die Touristen automatisch hin, hier ist das nicht so. Wichtig ist im Bergischen, dass die Gäste mit Qualität überzeugt werden. Bei uns müssen die Wanderwege immer topgeflegt sein, anderswo würde man vielleicht darüber wegsehen. Die Wanderwege locken die Gäste an und strahlen auf Freilichtmuseen oder Freibäder aus. Dann ist schon viel erreicht. Die Gäste sollen sagen: »Wir wussten gar nicht, welche tolle Naturlandschaft und Angebote es hier gibt.«

Wie sieht der Tourismus in zehn Jahren aus?

derlin Als ein Top-Produkt für die zweite Liga tut sich viel bei den Radwegen. Es sind schon viele Bahn-trassen eingerichtet für Radfahrer, einige wenige Lückenschlüsse fehlen noch. Das Radfahren, auch mit E-Bikes, hat viel Potenzial. Nachholbedarf gibt es für die Mountainbiker. Wenige bis gar keine Strecken sind ausgezeichnet, aber die Nachfrage ist vorhanden. Es muss versucht werden, separate Trassen für Mountainbikes zu bekommen, damit es keine Konflikte gibt. Und: Wir müssen den demografischen Wandel mitmachen und uns auf ältere Spaziergänger einstellen. Das heißt: Wir brauchen mehr Wanderhütten und Sitzbänke als bisher.

Was ist mit neuen Projekten?

derlin In Waldbröl wird am 1. September der Baumwipfelpfad Panarbora eröffnet, der längste seiner Art in Deutschland. Ähnliche Attraktionen ziehen 200 000 Besucher pro Jahr an. Noch werben wir für Panarbora. Demnächst wird Panarbora für das Bergische Land werben. Damit haben wir eine große Attraktion mehr und unsere touristische Strahlkraft wird gestärkt.

CLAUS BOELEN-THEILE FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
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