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Radevormwald
Weniger Wasser aus Dhünn-Talsperre

Radevormwald. Die Dhünn-Talsperre ist nicht mehr gefüllt - der Wupperverband will die Abgabemenge reduzieren. Auch Radevormwald bekommt das Trinkwasser aus der Dhünn-Talsperre. Von Malte Ewert und Sebastian Radermacher

Die Trinkwasserversorgung im Bergischen Land steht vor größeren Umbrüchen. Als eine Folge des Klimawandels gibt es beim Wupperverband den Plan, die Wasserabgabe aus der Großen Dhünn-Talsperre um 20 Prozent zu reduzieren. Dies hätte Auswirkungen auf viele andere Wasserversorger im Umland, denn insgesamt soll die Wassermenge, die bei den Bürgern ankommt, nicht reduziert werden. Doch wer kann nun in die Bresche springen? Und: Wird das Trinkwasser teurer?

Der Wupperverband versorgt mit Wasser aus der Dhünn-Talsperren die Kommunen im Rheinisch-Bergischen Nordkreis, aber auch Odenthal, Radevormwald, Hückeswagen, Remscheid sowie Teile von Solingen. Insgesamt werden pro Jahr 42 Millionen Kubikmeter für etwa eine Million Menschen zur Verfügung gestellt. Die Dhünn-Talsperre fasst 81 Millionen Kubikmeter.

Doch bis zum Anschlag gefüllt war sie schon lange nicht mehr. Es herrscht zwar keine ausgesprochene Trockenheit, aber es fehlen Jahre mit Niederschlag deutlich oberhalb des Mittelwertes, wie eine Analyse des Wupperverbands deutlich macht. Deshalb wird jetzt der Versuch gestartet, die Abgabemenge um 20 Prozent zu reduzieren.

Weniger Wasser unterhalb der Talsperrenmauer in die Dhünn abzulassen, ist problematisch. Schließlich leben dort Fische und andere Tiere. Dieses Begehren wäre auf jeden Fall zustimmungspflichtig - durch die Bezirksregierung in Köln. So wird beim Wupperverband nun darüber nachgedacht, die Neye-Talsperre bei Wipperfürth und die Sengbach-Talsperre in Solingen zu reaktivieren. Das sind Trinkwasser-Reservoirs, die als solche allerdings nicht mehr genutzt werden. Rohrleitungen zur Dhünn-Talsperre wären vorhanden.

Aber das Problem reicht noch weiter: Um die Trinkwasserversorgung grundlegend sicherzustellen, gibt es beim Wupperverband auch Überlegungen, Wasser aus der Wiehl-Talsperre einzukaufen. Die wird vom Aggerverband (Gummersbach) betrieben, der unter anderem große Teile der Stadt Overath mit Trinkwasser versorgt. Auch hier wäre eine Rohrleitung vorhanden, die in der Wasseraufbereitungsanlage Schürholz bei Dabringhausen ankommt. Die Krux ist allerdings, dass das Wiehl-Talsperrenwasser schon Trinkwasserqualität hat, wenn es angeliefert wird, während das Dhünnwasser noch in Schürholz veredelt wird.

Was aber soll eine Aufbereitungsanlage mit schon fertigem Wasser anstellen? Gibt es da technische Probleme? Diese Fragen müssen noch geklärt werden. Der Wupperverband, der im Bergischen Land zwölf Talsperren, elf Klärwerke und eine Vielzahl anderer Anlagen betreibt, bestätigt das Vorhaben. Derzeit laute die Devise, den Wasservorrat in der Großen Dhünn-Talsperre zu schonen, teilte der Verband mit.

Die Hauptsperre mit einem Stauinhalt von 72,8 Millionen Kubikmetern sei aktuell nur zu 38 Prozent gefüllt (27,7 Mio. Kubikmeter). Durch geringere Niederschläge und das Fehlen von großem Winterhochwasser sei weniger Wasser in die Talsperre geflossen, als für die Trinkwasseraufbereitung und die Niedrigwasseraufhöhung der Dhünn entnommen wurde. Der Wupperverband stellt aber klar: In der Dhünn-Talsperre ist gegenwärtig noch ein ausreichender Wasservorrat vorhanden. Dennoch sehen sich Wupperverband und die Wasserversorger gezwungen, "vorsorglich die Abgabe aus der Talsperre zu senken".

Die Trinkwasserversorgung im Wupper-Einzugsgebiet sei gut aufgestellt und verfüge über Reservekapazitäten. Daher könne jederzeit die nicht aus der Dhünn-Talsperre entnommene Menge aus anderen Systemen an die Verbraucher geliefert werden - zum Beispiel aus der Kerspe- , Herbringhauser - oder Sengbach-Talsperre sowie mehrere Wasserwerke.

Zudem könne man auf den Aggerverband zurückgreifen, schreibt der Wupperverband.

Quelle: RP
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