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Radevormwald
Zarter Cembaloklang umhüllt da Vincis Maschinen

Radevormwald. Cembalistin Seulki Bae brachte Ausstellungsbesuchern in der ehemaligen Tuchfabrik Wülfing die Rennaissance nahe. Von Sigrid Hedderich

Die beiden Instrumente bestechen schon durch ihr Äußeres. Helle Hölzer, wie der bergische Ahorn, sind verarbeitet. Und auch die einer Zypresse sind erkennbar. Dazu die leicht geschwungenen Formen und Klangrosetten aus zarten Ziegenpergamenten im Inneren - sie lassen vermutlich das Herz eines jeden Musikfreundes höher schlagen. Hier muss ein Mensch mit sehr viel Herzblut ans Werk gegangen sein, wird jedem schnell klar, der beide Instrumente in der Ausstellung "Leonardo da Vincis Maschinen" sah. Der Erbauer des Cembalos wie auch des kleinen Spinetts ist nicht der große Altmeister da Vinci, sondern Volker Platte aus Remscheid-Lennep. Mit seiner Lebensgefährtin Eva Thomas rückte er die beiden Kostbarkeiten im großen Ausstellungssaal auf ihre Standplätze, die sie nur für kurze Zeit einnehmen sollten.

Ein Cembalokonzert mit Seulki Bae stand als Begleitveranstaltung zur Ausstellung der Erfindungen von Leonardo da Vinci an. Als Highlight war das Cembalokonzert an dem ungewöhnlichen Ort angekündigt, und Organisatorin Kerstin Rupin-Friedrichs von "Galerie-F GmbH, ExtraMax art exhibitions", hielt ihr Wort. Sie und ihr großes Team ließen für die Besucher nicht nur die Zeit hinsichtlich uralter Technik weit zurückdrehen, sondern passend dazu auch die Musik. Auf dem neapolitanischen Nachbau eines Cembalos sowie auf dem venezianischen Spinett wurden die Musikklänge in die Zeit da Vincis um 1520 gesetzt.

Die Instrumente müssen sich jetzt erst einmal eine Stunde akklimatisieren, dann kann ich sie stimmen", so Volker Platte. Er erklärte währenddessen Museumsbesuchern und Mitgliedern des Ausstellungsteams die komplizierte Technik. So würden die Saiten gezupft, nicht angeschlagen. Er nannte das sehr breite Tastenmaß der Nachbauten im Vergleich mit der heutigen Klaviertastatur als Besonderheit. Doch dies stellte für die Cembalistin Seulki Bae später beim Konzert kein Problem dar.

Der Klavier- und Cembalobaumeister hatte der Künstlerin beide Instrumente über mehrere Tage zur Verfügung gestellt. Am Samstag nahm die Cembalistin abwechselnd an beiden Nachbauten Platz und spielte auf den mit Pergamentornamenten verzierten Tasten. Die Renaissancezeit war den Besuchern zum Greifen nahe. Werke aus dem 15. wie auch aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts hatte sich Seulki Bae ausgesucht. Zart und hell klang die Musik, die für die heutigen Ohren schon als etwas süßlich anzuhören war. Die ehemalige Studentin der Korean National University of Arts und Folkwang Universität in Essen spielte mit einer Hingabe, die bezaubernd war. "Fantasy on the song "On freudt verzer" von Paulus Hofhaymer gehörten zu den ältesten Werken des Abends.

Quelle: RP
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