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Günter Dieck
"Zeckensaison ist bei uns das ganze Jahr"

Radevormwald. Günter Dieck, Leiter des Regionalforstamtes Bergisches Land, gibt Tipps, wie man Zeckenstiche vermeiden kann.

Herr Dieck, wann und wo ist die Gefahr am größten, von Zecken gestochen zu werden?

Dieck Am ehesten lauern Zecken in hohem Gras und kleinen Gebüschen, wie man sie häufig an Wald- und Wegrändern, Bachufern und Waldlichtungen findet. Früher waren vor allem die Monate Mai, Juni und Juli betroffen. Doch inzwischen geht die Zeckensaison bei uns fast ums ganze Jahr.

Woran liegt das?

Dieck Das liegt an den milden Wintern, die uns der Klimawandel beschert hat. Sobald es wärmer als acht Grad Celsius und feucht genug ist, lauern die Zecken auf Wirte.

Dennoch sind Zeckenstiche in den Sommermonaten am häufigsten. Warum?

Dieck Im Sommer passieren zwei Dinge, die schlecht zusammenpassen: Viele Menschen suchen im Wald Erholung und die Zecken vermehren sich rasant. Hinzu kommt, dass die Leute seit den 2000er Jahren noch häufiger in den Wald gehen, bedingt durch Modesportarten wie Mountain-Biking oder Geocaching oder nur zum Brennholzsammeln.

Wie kann man sich vor Zecken schützen?

Dieck Am besten schützen sich Spaziergänger und Wanderer, indem sie auf den Wegen bleiben. Geht es doch mal ins Gelände, trage ich persönlich immer lange Hosen, ziehe die Strümpfe über die Hosenbeine und trage lange Ärmel. So können die Zecken nirgendwo reinkommen. Außerdem ist helle Kleidung besser als dunkle, weil man die dunklen Zecken darauf gut erkennen kann.

Worauf sollte man achten, wenn man von einem Waldspaziergang nach Hause kommt?

Dieck Nach einem Ausflug hilft es, Hosenbeine und Schuhe abzusuchen oder mit einer Kleiderbürste abzubürsten. Außerdem empfiehlt es sich, Kniekehlen, Achselhöhlen, Leistengegend, den Schritt und den Haaransatz nach Zecken abzusuchen. Wird eine gefunden, muss sie entfernt werden.

Pinzette, Zeckenzange oder Zeckenkarte - wie zieht man die Insekten richtig raus?

Dieck Mit Zeckenzange oder Pinzette greift man die Zecke direkt über der Haut und zieht sie langsam mit leichter Drehung heraus. Die Zeckenkarte schiebt man so unter der Zecke durch, dass sie am Ende des Spalts hängen bleibt und zieht sie langsam leicht drehend heraus. Zum Töten hat sich die Methode bewährt, sie in ein gefaltetes Stück Papier zu legen und mit dem Rand eines Trinkglases zu zerquetschen. Die Zecke einfach ins Klo zu werfen, ist nicht sicher, weil sie da wieder rauskommen kann.

Und was tun, wenn der Kopf drinnen bleibt?

Dieck Es bleibt nicht wirklich der Kopf zurück, sondern ein Teil der Mundwerkzeuge. Das ist kein Grund zur Panik, das verschwindet normalerweise nach ein paar Tagen. Man muss nur aufpassen, dass man die Zecke nicht quetscht, da sonst Darm-Borrelien in die Einstichstelle "gepumpt" werden können.

Was kann sonst passieren? Welche Krankheiten übertragen Zecken?

Dieck In NRW sind etwa zehn Prozent der Zecken Überträger von Borrelien. Diese Bakterien lösen Lyme-Borreliose aus. Bei der Infektion können erkältungsähnliche Symptome wie Kopfschmerzen, Fieber, Muskel- und Gliederschmerzen auftreten. Zecken können auch FSME übertragen. Das ist eine Viruserkrankung, die schlimmstenfalls tödlich verlaufen oder schwere Hirnschäden verursachen kann. Diese Viren treten jedoch fast nur in bestimmten Risikogebieten außerhalb NRWs auf.

Sollte man also lieber gar nicht mehr in den Wald gehen?

Dieck Nein, das wäre übertrieben. Es gibt ja viele Möglichkeiten, sich vor Zecken und vor der Infizierung zu schützen. Man sollte nur ein wenig aufpassen.

TIM KRONNER STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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