| 19.19 Uhr

Radevormwald
Zehn Gebote in der Bibel stellen Rechtsordnung dar

Radevormwald. Die Bibel gibt Impulse für fast jeden Lebensbereich. Dieser Tatsache hat die reformierte Kirchengemeinde ihr Glaubensforum gewidmet. Dies drehte sich um die Themen "Verdirbt Geld den Charakter?" und "Das geht mir unter die Haut". Den Abschluss der Gesprächsrunde bildete das Gespräch mit dem Rader Rechtsanwalt Burkhard Wigge. Er ging der These "Wir sind Weltmeister: Im Klagen" nach. Von Marion Gerdel

Mit dem Wissen, dass in kaum einem anderen Land so viele Klagen vor Gericht gebracht werden wie in Deutschland, stellte Pastor Dr. Dieter Jeschke die Frage, wie dies mit einem bibeltreuen Leben vereinbar ist. Immer wieder kam die Gesprächsrunde dabei auf das Matthäus-Evangelium und seine Aussage "Wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die linke hin" zurück. Wie ist so eine Vorgabe mit der Klagewut der Deutschen vereinbar, wollte Jeschke von Wigge wissen.

Der Rechtsanwalt betonte, dass die Rechtsprechung in Deutschland auf Deeskalation ausgerichtet ist. "Dies ist nicht zuletzt auch eine Folge unserer christlichen Erziehung seit Jahrhunderten", sagte er. "Es soll eben nicht mehr Auge um Auge gerichtet werden." Aber gerade die deutsche Bevölkerung sei es auch gewohnt, sich Ziele zu setzen und diese unbedingt erreichen zu wollen; notfalls auch mit Hilfe eines Rechtsanwaltes. "Nur muss sich jeder Klagewillige darüber klar sein, dass er einen beschwerlichen und anstrengenden Weg beschreiten wird. Jeder Streit beginnt mit Enttäuschungen und Verletzungen, die man im Rahmen eines Rechtsstreites nur sehr schwer verarbeiten kann", sagte er.

Nicht zuletzt deshalb habe der Gesetzgeber versucht, durch Mediatoren oder Schiedsmänner die Klagewelle einzudämmen. Aber diese Lösungsansätze helfen nach Ansicht von Wigge nur wenig. "Auch wir Rechtsanwälte versuchen, soweit wie möglich, außergerichtliche Vergleiche zu finden", sagte er. "Aber die meisten Mandanten wollen das gar nicht. Dann wird uns schnell vorgeworfen, zu lasch zu sein." Und der Anwalt gibt seinen Mandanten auch häufig Recht. Er ist überzeugt davon, dass Mediation zwar eine schöne Idee ist, jeder aber für sich selber überlegen muss, ob er damit leben kann, Abstriche von seiner Forderung zu machen. "Wer glaubt, sich irgendwann über einen Vergleich zu ärgern, sollte ein Verfahren besser durchziehen", sagte er.

Jeschke brachte die Diskussion auf die Glaubensfragen beim Thema Rechtsstreit und verwies auf das Alte Testament. Hier wird in einigen Rachepsalmen Gott aufgefordert, sich einzusetzen und für Rache zu sorgen. "Darf ich Gott bitten, einen meiner Gegner zu schädigen?", fragte er. Die 14 Gäste waren sich einig, dass man das nicht darf. Aber sie schlussfolgerten auch, dass jeder, der eine Bitte um Rache seinem Gott entgegenschreie, selbst darauf verzichtet, zur Waffe zu greifen. "Meine Mandanten werfen diese Bitte um Rache nicht vor ihren Gott, sondern vor ihren Richter, und mit der Entscheidung dieser höheren Gewalt sind sie dann auch meist zufrieden", sagte Wigge.

Als Quintessenz nahmen die Teilnehmer mit nach Hause, dass die Bibel durch die zehn Gebote eine Art Rechtsordnung darstellt. Die darin enthaltenen Moralvorstellungen sind in die bestehende Gesetzgebung eingeflossen, auch wenn diese hin und wieder dem aktuellen Zeitgeist angepasst werden muss.

Quelle: RP
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