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Radevormwald
Zeitreise in den Krieg im alten Bunker

Radevormwald: Zeitreise in den Krieg im alten Bunker
So richteten sich die Menschen in den 40er- und 50er Jahren ein. Das Team des Vereins "Kinobunker" hat Erinnerungsstücke zusammengetragen und stellt sie aus FOTO: Jürgen Moll
Radevormwald. In Remscheid-Honsberg hat ein Verein ein Museum eingerichtet, das europaweit seinesgleichen sucht. Von Hagen Thiele

Die Bunkeranlage an der Humboldtstraße auf dem Remscheider Honsberg ist einzigartig in Europa, vielleicht sogar weltweit. Ende der 1930er-Jahre plante sie ein Architekt, der nicht nur einen Schutzraum, sondern zugleich auch einen Veranstaltungsort oder gar eine Stadthalle des Quartiers im Sinn hatte. Davon zeugt der große Saal im Zentrum der Anlage mit seiner Empore. Vor allem bot der Bunker mit seinen 7,75 Meter dicken Außenwänden Hunderten Honsbergern während des Zweiten Weltkriegs Schutz. Danach wurde er als Kino und Boxhalle genutzt. Von 1985 bis 2008 fristete er als Möbellager ein Schattendasein. Seit knapp sieben Jahren arbeiten die 15 Mitglieder des Vereins "Kinobunker" daran, das denkmalgeschützte Gebäude zu erhalten und zum Museum auszubauen.

"Die Führungen dauern zwar nur zwei Stunden, aber ich könnte sechs erzählen", sagt der Vorsitzende des Vereins, Markus Bertram. Der Hobbyhistoriker nimmt bei Führungen bis zu 20 Personen mit auf eine Zeitreise mit den wichtigen zeitgeschichtlichen Stationen des Bunkers. "Ausgangspunkt ist der Erste Weltkrieg", erklärt Bertram. Damals habe man erkannt, dass Luftschutzmaßnahmen für die Bevölkerung nötig sind. Zahlreiche Ausstellungsstücke vermitteln einen Eindruck aus dieser Zeit. Unter anderem zeigt der Verein die Uniform eines Piloten sowie den mit Einschlusslöchern versehenen Holzpropeller seiner Maschine. "Unsere Exponate haben wir teilweise aus anderen Bunkern, Wohnungsauflösungen oder als Leihgaben erhalten", sagt Bertram.

Nur wenige Meter weiter stehen einige Flugabwehrkanonen in der Sammlung zum Zweiten Weltkrieg. Drei solcher Geschütze mit Zwei-Zentimeter-Kalibern haben auf dem Dach gestanden, um Tiefflieger der Alliierten abzufangen. Für die Wiederherstellung des Wachraums, in dem sich die Soldaten aufgehalten haben, brauchten vier Vereinsmitglieder insgesamt etwa 70 Stunden. "Im Keller haben wir bereits 1500 Liter Farbe an die Wände gebracht. Man kann sich vorstellen, wie viel Arbeit das war", meint Bertram. Dort, unter der Erde, werden die Räume schmaler und das Gefühl eines klassischen Bunkers, diese bedrückende Enge, befällt die Besucher. Schaurige Erinnerung: Im Kohlenkeller haben während des Zweiten Weltkriegs Honsberger Kinder Schulunterricht erhalten.

"Für uns ist das heute alles bedrückend, für die Menschen damals war der Bunker aber etwas Positives", erklärt der Vorsitzende. Viele solcher Details haben die Mitglieder aus Gesprächen mit Zeitzeugen oder deren Nachkommen in Erfahrung gebracht. Nach der Enge im Keller wirkt die letzte Station im Inneren des großen Saals befreiend. Dort war der Kinosaal mit 540 Plätzen untergebracht, der aber auch zwischenzeitlich als Boxkampfarena genutzt wurde. Heute zeigt der Verein dort Stücke aus der Nachkriegszeit wie etwa Bilder von Trümmerfrauen. Davon, dass es der jungen Republik mit Einsetzen des Wirtschaftswunders wieder besser ging, zeugen alte Fernseher und Postkarten aus Urlaubsländern.

Quelle: RP
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