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Radevormwald
Ziele setzen - im Spiel und für die Schule

Radevormwald: Ziele setzen - im Spiel und für die Schule
Lisa Marie Weis (13) aus Aachen und Nick Schubert (14) aus Bergisch Gladbach nutzen die Lernferien beim Bogenschießen. FOTO: moll
Radevormwald. Eine Woche verbringen 18 Jugendliche aus ganz NRW Lernferien in der Radevormwalder Jugendherberge. Unter der Leitung des Pädagogen Jan Rosser und seiner Kollegen geht es vor allem um Lernorganisation und Lernmethodiken. Von Marion Gerdel

Selbstvertrauen aufbauen, Motivation steigern und Lernmethoden vermitteln - das sind die Ziele des Projektes "Lernen lernen". Unter der Leitung des Pädagogen Jan Rosser und seiner Kollegen verbringen 18 Schüler eine Woche in der Radevormwalder Jugendherberge.

"Solche Projekte sind immens wichtig, weil immer mehr Schüler große Probleme in der Schule haben, die sie alleine nicht lösen können", sagt Rosser. Lehrer aller Schulformen haben die Möglichkeit, Schüler, für die sie Förderungsbedarf sehen, bei dem kostenfreien Projekt vorzuschlagen. Eine Möglichkeit, die die Eltern der Jungen und Mädchen gerne ergreifen.

"Die Hälfte der Jugendlichen sind aber völlig freiwillig gekommen", sagt Rosser. "Ihnen sind ihre schulischen Probleme durchaus bewusst und sie wollen daran arbeiten." Schule bestimme heute einen Großteil der Zeit von Kindern und Jugendlichen. Und in diesem Bereich wollten sie nicht negativ auffallen. Als "dumm" dazustehen, sei das Schlimmste, was ihnen passieren kann, ist sich der Pädagoge sicher. "Sie wären lieber dick und hässlich als dumm. Da reichen auch keine guten Leistungen im Sportverein, um schlechte Noten in der Schule zu kompensieren."

Viele geraten irgendwann in eine Abwärtsspirale. Mit der ersten schlechten Zensur wackelt das Selbstvertrauen. Sie verlieren dann schnell die Motivation, in der Schule generell etwas Sinnhaftes zu erkennen, machen keine Hausaufgaben mehr und lernen nicht für die nächsten Prüfungen. Als Resultat erhalten sie die nächste schlechte Beurteilung.

Diesen Teufelskreis wollen die Pädagogen bei "Lernen lernen" durchbrechen. "Wir helfen einerseits mit konkreten Unterstützungen zur Lernorganisation. Dabei geben wir den Schülern Handwerkszeug wie Wochenpläne oder typabhängige Lernmethodiken mit. Noch wichtiger ist es aber, ihnen klar zu machen, dass sie gar nicht so schlecht sind, wie sie selber von sich denken", sagt Rosser.

Bewusst wird im Lerncamp keine übliche Nachhilfe angeboten. Stattdessen hat Erlebnispädagogik einen hohen Stellenwert. Hier können die Teilnehmer gemeinsam mit Intensivpädagoge Michael Kasterke Teamgeist und Sozialkompetenz erlernen. "Wichtig ist dabei, dass sie wieder Respekt vor sich selbst lernen."

Dabei haben Metaphern einen hohen Stellenwert, denn einen festen Standpunkt braucht man nicht nur beim Bogenschießen, sondern auch, wenn man seine Meinung vertreten und sein Ziel erreichen will.

Lisa Marie Weis (13) und Nick Schubert (14) sind überzeugt, dass sie ihr Ziel erreicht haben. "Ich hatte zwar keine Probleme in der Schule", sagt die Aachenerin, "aber trotzdem bin ich sicher, dass ich jetzt mit noch mehr Motivation wieder zurückgehe." Auch Nick glaubt fest daran, dass er nach den Ferien nicht mehr in seinen alten Fehler verfallen wird, anstehende Aufgaben vor sich herzuschieben, bis es für deren Erledigung zu spät ist. "Ich werde bestimmt mit den Wochenplänen und den anderen Methoden, die wir gelernt haben, arbeiten", sagt er.

Der neue Mut, mit dem die Schüler wieder Fuß fassen wollen, ist ein schöner Erfolg für das Team um Rosser. Er weiß aber auch, dass der bleibende Erfolg des Camps viel von den Eltern abhängt. Sie müssen sich mit den Unterlagen, die ihre Kinder aus Radevormwald mitbringen, vertraut machen und gemeinsam mit ihnen die erarbeiteten Lernhilfen immer wieder anwenden.

Quelle: RP
 
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