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Radevormwald
Zur Entschleunigung auf den Panoramasteig

Radevormwald: Zur Entschleunigung auf den Panoramasteig
Natur pur: Der Panoramasteig (hier in der Nähe der Großen Dhünntalsperre) beeindruckt durch landschaftlich schöne und gut ausgebaute Wege, die zum Wandern einladen. FOTO: Foto Sven-André Dreyer
Radevormwald. Manchmal liegt das Gute so nah: Um einige Tage zu entspannen, dabei aber trotzdem aktiv zu sein und Neues zu entdecken, bietet sich eine Herbstwanderung an. Eine Tour auf dem Bergischen Panoramasteig. Von Sven-André Dreyer

Sanft bricht das erste Morgenlicht durch die noch taunassen, goldfarbenen Blätter des Laubwaldes an der Großen Dhünntalsperre. Ich schließe meine Augen und lege den Kopf zurück, atme die frische Morgenluft und rieche den Herbst, mild und doch würzig, aromatisch und intensiv. Frühes Licht funkelt auf den Wellen des Wassers, und dann stapfe ich los, setze einen Fuß vor den anderen und suche die Flucht nach vorne. Raus aus der Hektik des Alltags, um für ein paar Tage eintauchen zu können in die Ruhe der Natur. Ich laufe wie durch ein Landschaftsgemälde und werde plötzlich Teil des Hier und Jetzt. Was ich wahrnehme, ist das, was ist. Und ich mittendrin.

Ich bin angekommen, denn genau so habe ich mir die Wanderung vorgestellt, als ich aus dem nahen Rheinland hierher kam, um sechs der insgesamt zwölf Etappen des Bergischen Panoramasteigs zu erkunden, diesem 2013 eröffneten Fernwanderweg im Oberbergischen. Mit sorgsam ausgesuchten Tagesstrecken zwischen 14 und etwa 25 Kilometern Länge führt der Rundwanderweg auf 244 Kilometern durch die Gebiete des Oberberbergischen und des Rheinisch-Bergischen Kreises. Durch Bechen etwa und Dhünn, durch Städte wie Hückeswagen und Radevormwald, Wipperfürth und Waldbröl. Und durch zahlreiche wunderschöne Wälder und Wiesen, vorbei an Weilern, Flüssen, Bächen und beeindruckenden Talsperren.

Als erster Weg in der Region wurde der vom Sauerländischen Gebirgsverein angelegte Panoramasteig vom Deutschen Wanderverband nach 2014 nun bereits zum zweiten Mal mit dem Prädikat "Qualitätsweg Wanderbares Deutschland" zertifiziert und bietet dem Wanderer seither zu jeder Jahreszeit zahlreiche eindrucksvolle Aussichten über die weite Landschaft.

Weil ich alleine unterwegs bin, nehme ich mir bisweilen sogar die Zeit zu schlendern, um so behutsam meine kreisenden Gedanken einzufangen. Zeit nehme ich mir auch für Gespräche am Wegesrand sowie in den Jugendherbergen und kleinen Hotels, in denen ich auf meiner Tour übernachte. So lerne ich bei meiner Wanderung südöstlich von Dabringhausen zum Beispiel Monika und Albert kennen.

Etwas abseits des Weges sucht das Rentnerpaar nach Pilzen, zwei prall gefüllte Körbe beweisen, dass sie bereits erfolgreich waren. An Wochenenden, so erzählt Monika, kämen sie regelmäßig in den Wald, um nach den Schwammerln zu suchen. Mittlerweile, so berichtet sie weiter, kenne sie sich mit Pilzen gut aus, schließlich suche sie schon seit ihrer Kindheit, seit mittlerweile über 50 Jahren, in dieser Gegend nach Steinpilzen, Maronen, Pfifferlingen und allerlei anderer Arten. Rund fünf Stunden verbringe sie dabei jedes mal im Wald. "Und das Putzen der Pilze dauert nochmal so lange", sagt Monika lachend zum Abschied. "Aber mit einem Glas Wein geht auch das."

Die gute Wegmarkierung des Steigs - ein kleines schwarzes Rund auf gelbem Grund - erleichtert dem Wanderer die Wegfindung enorm. Und dennoch: Gute Wanderkarten im Maßstab 1:25.000 und herausgegeben etwa von der Naturarena Bergisches Land sind unerlässlich, um reizvolle Abstecher oder sinnvolle Abkürzungen zu den vorhandenen Wegen und naturnahen Pfaden finden zu können. Auch ein aktueller Wanderführer kann, gut bebildert, weitere Hinweise zu Sehenswürdigkeiten, Einkehrmöglichkeiten und Unterkünften am Steig bereits im Vorfeld einer geplanten Wanderung liefern.

Wer nicht die gesamte Strecke laufen möchte, der kann den Bergischen Panoramasteig durchaus auch in einzelnen Etappen erwandern. Wie es etwa die beiden Familien tun, die ich in der Jugendherberge Radevormwald kennenlerne. Während die eine mit ihren beiden Söhnen in Bremen lebt, kommt die andere aus Mannheim. "Wir treffen uns", so erzählt mir Vater Stefan beim Abendessen, "regelmäßig einmal im Jahr ungefähr in der Mitte." Von einer Jugendherberge aus erkunden sie dann in Tagesetappen die urwüchsigen Täler und schönsten Höhen des Panoramasteigs, um bei klarem Wetter von dort aus bis ins Sauerland, in den Westerwald oder die Eifel blicken zu können.

Und selbst für einen Sonntagsspaziergang bieten sich Einzeletappen an. Mit ihrem Hund verbringe sie häufig freie Tage auf dem Steig, erzählt mir eine Mitarbeiterin in der Jugendherberge Radevormwald nach dem Frühstück am nächsten Morgen. "Ein schöner Weg", sagt sie. Dem stimme ich zu und wandere dann entspannt und völlig entschleunigt weiter.

Quelle: RP
 
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