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Ratingen
23 Menschen hinter Kalendertürchen

Ratingen: 23 Menschen hinter Kalendertürchen
Marlis Dadomo (links) und Britta Averdick werden abwechselnd die Türen öffnen. Der Kalender ist zu finden im "Verlautbarungskasten" der Gemeinde St. Peter und Paul am Gebäude Kirchgasse 1. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Was Weihnachten bedeutet - ein Adventskalender an St. Peter und Paul gibt besondere Antworten. Von Gabriele Hannen

Es sind 23 Ratinger - darunter auch Paare - die sich geäußert haben, Menschen im Alter zwischen neun und 85 Jahren, es sind allesamt katholische Christen und ziemlich fair ist ihre Zahl zwischen männlichen und weiblichen Stimmen aufgeteilt. Sie sind die Leute hinter den Türchen eines Adventskalenders. Und der hängt im "Verlautbarungs"-Kasten der Pfarrei St. Peter und Paul am Gebäude Kirchgasse 1 und kündet über das Weihnachtsfest hinaus davon, was Weihnachten für diese Menschen bedeutet.

Britta Averdick und Marlis Dadomo, die eben diesen Aushang bestücken und betreuen, haben sich in den vergangenen Wochen Gedanken darüber gemacht, Gläubige mit ins Verkündigungs-Boot zu holen, die Weihnachtsbotschaft breit zu streuen und dann auch noch in ein aktuelles Gewand, in eine zeitgemäße Sprache zu bringen. Einfach so, dass jemand von heute sagt, wie er jetzt und hier vom Weihnachtsgedanken angerührt wird.

Nur zwei Namens-Joker sind übrig geblieben - da haben sich die Angefragten offenbar nicht großartig geziert. Und was gesagt wird, steht hinter einem Foto auf Doppelkarten, die ab dem 1. Dezember, täglich bis acht Uhr, nach und nach aufgeklappt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Diejenigen, die mitgemacht haben, brauchten sicherlich manchmal mehr als einmaliges Durchatmen, um ihre Meinung zum Weihnachtsfest druckfähig von sich zu geben. Doch alle Beiträge sind - was bei der Auswahl der Befragten kein Wunder ist - politisch völlig korrekt. Hin und wieder holte man sich auch noch prominente Formulierungshilfe aus der literarischen Welt und meldete sich mit einem passenden Gedicht zurück.

Auch Pastor Daniel Schilling hat sich nicht lange bitten lassen und gibt einen unverstellten Blick in seine Kindheit frei: "Wie kein anderes Fest, verbinde ich Weihnachten mit meiner Familie, und wenn ich daran denke, werde ich ganz sentimental. Heute sehe ich es mit den Augen eines Erwachsenen. Mit den Augen eines Glaubenden. Weihnachten ist für mich nicht nur die Geburtsstunde von Jesus Christus, sondern die Geburtsstunde all meiner Hoffnung. Mein Leben hat durch Weihnachten einen Sinn bekommen."

In seiner nächsten hauswirtschaftlichen Nähe wird dann auch mal ein kritischer Ton angeschlagen: "Ich finde ihn schrecklich - diesen immer früher einsetzenden Rummel, diese Glitzerwelt und Geschenkeschlacht. Die Zeit ist aber auch schön und ist eine Zeit der Liebe, Wärme und Geborgenheit, die von der Krippe ausgeht und mich mit großer Dankbarkeit und Freude erfüllt", sagt Andrea Schmidt.

Die Befragten aus Ratingen liegen mit ihrem Ja zum Jesuskind damit weit über den statistischen Durchschnitts-Bürgern. Bundesweit verbinden nur 41 Prozent die Geburt Jesu Christi mit Weihnachten, was noch fünf Prozent weniger ist als mit Schnee, Gemütlichkeit und viel gutem Essen (je 70 Prozent) und geschmückten Geschäften (67 Prozent). Der absolute Repräsentant des Christfestes ist der Tannenbaum mit 78 Prozent auf der Beliebtheitsskala. Ein großer Kreis derer, die sich des Aushängekastens würdig geäußert haben, malt in der Tat ein Bild von edlem Denken und stiller Größe. Das soll nicht grundsätzlich angezweifelt sein. Vielleicht stürzt sich der eine oder die andere dennoch hektisch ins Getümmel und kocht, was Küche und Speisekammer überhaupt nur hergeben. Entscheidend aber ist auch hier der gute Wille.

Die Karte, die am 24. Dezember aufgeklappt werden soll, die ist noch geheim. Sie ist nämlich dem Christkind vorbehalten.

Quelle: RP
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