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Heiligenhaus
37 Wohnungen für 130 Flüchtlinge

Heiligenhaus: 37 Wohnungen für 130 Flüchtlinge
Im Gemeindezentrum an der Rhönstraße reichte der Platz so gerade. Jörg Saborni, Michael Beck und Thomas Langmesser (v. l.) stellten sich den Bürgerfragen. FOTO: A. Blazy
Heiligenhaus. Sorge um Sicherheit und Ideen für neues Miteinander bestimmten einen Bürger-Infoabend in der Oberilp. Von Paul Köhnes

Direkt die erste Frage aus dem Publikum gab eine Hauptrichtung des Abends vor: "Warum gibt es nicht von Beginn an ein Sicherheitskonzept für die Harzstraße 9, wenn hier 130 Flüchtlinge einziehen?"

Im vollen Gemeindezentrum an der Rhönstraße stellten die Stadtvertreter Michael Beck (Beigeordneter), Thomas Langmesser (Jugendamt) und Jörg Saborni Sozialamt) Pläne für die Unterbringung neu ankommender Flüchtlinge in 37 angemieteten Wohnungen vor. Der Plan hatte kurz vor Jahresende bereits erhebliche Wellen geschlagen.

Die Ausgangslage: "Für beide Seiten neu und nicht einfach", das ist die Situation aus Sicht von Michael Beck. Derzeit betreut die Stadt 270 Flüchtlinge, 150 von ihnen in Wohnungen, 120 an anderen städtischen Adressen an der Ludgerusstraße, in Tüschen und an der Friedhofsallee. Für dieses Jahr rechnet man mit einem Zustrom von weiteren 700 Personen.

Daraus ergab sich für den Unterilper Bürgervereinsvorsitzenden Alfred Salmon die Frage. "Warum kommen dann so viele in die Oberilp, obwohl stadtweit auch andere Gebäude leerstehen? Die Leute haben Angst." Jörg Saborni erklärte die Zwänge, denen die Stadt bei der Organisation ausgesetzt ist: sehr kurze Vorlaufzeiten und keine Vorab-Informationen an die Stadt, wer eigentlich ankommen wird. Die Konsequenz: Die Stadt mietet Wohnungen auf Vorrat an und richtet sie komplett ein. So soll das auch an der Harzstraße vonstattengehen. Im Übrigen, so Beck, sie die Oberilp keinesfalls der Stadtteil, den man sich für Flüchtlingsunterbringung ausgeguckt habe: "Wir haben stadtweit weitere 20 Wohnungen auf der Liste, denn die Harzstraße 9 wird angesichts des zu erwartenden Andrangs nicht reichen."

Darüber hinaus setzt die Stadt auf soziale Betreuung von anfang an -nicht aber auf ein festgezurrtes Sicherheitskonzept. Das sorgte für Protest: "Hier müsste zwei- bis dreimal nachts die Polizei durchfahren, oder die Stadtwacht", hieß es. "Sollen wir warten, bis etwas passiert?"

Aber auch gegen solche Befürchtungen wurden Stimmen aus dem Stadtteil laut. Eine Besucherin sagte: "Wer die Leute hier kennt - das gilt bisher schon - macht gute Erfahrungen. Nur, wer sie nicht kennt, hegt Befürchtungen." Thomas Langmesser gab zu bedenken. "Ein Security-Service kann sich nur um das Haus selbst kümmern, das wäre nicht von Nutzen." Ihm seien in Heiligenhaus bisher auch keine Fälle von Übergriffen irgendwelcher Art auf Anwohner bekannt. Langmesser kennt die Oberilp als Sozialarbeiter seit fast 35 Jahren. Applaus erntete er für sein Versprechen: "Ich bürge mit meinem Namen, dass die Oberilp nicht allein gelassen wird. Das war auch noch nie so." Kennenlernen - das war ein weiteres Stichwort des abends. Dazu dienen soll die größte Erdgeschosswohnung an der Harzstraße. Dort wird nach Sabornis Worten ein Treffpunkt eingerichtet. Hier werden Sozialarbeiter "bis in den Abend hinein" zu erreichen sein, ebenso ein Hausmeisterservice.

Unmut kam bei einem weiteren Thema auf. Seit Wochen stapele sich der Sperrmüll vor dem Haus Harzstraße 9 - und der Vermieter lasse sich die Wohnungen auf Steuerzahlers Kosten sanieren. Saborni dazu: "Die Stadt hat die Wohnungen unrenoviert übernommen - und wird sie nach Ablauf des Mietverhältnisses - auch unrenoviert wieder abgeben."

Eine öfter gestellte Frage beantwortete Michael Beck gegen Ende: "Ich kann die Zusage geben, dass in die Harzstraße 9 nicht nur alleinreisende Männer einziehen werden."

Quelle: RP
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