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Ratingen
A 44-Lückenschluss soll Jobs sichern

Ratingen. Fünf Bundestagskandidaten diskutierten bei der RP-Wahlbühne mit IHK-Hauptgeschäftsführer Udo Siepmann. Von Joachim Preuss

Um die Wirtschaft Im Nordkreis ging es gestern Abend beim RP-Wahlforum mit örtlichen Bundestagskandidaten im recht gut gefüllten Angersaal der Dumeklemmerhalle. Ungewöhnlich für derartige Wahlveranstaltungen: Die RP hatte als Experten auch Udo Siepmann, IHK-Hauptgeschäftsführer, eingeladen. Er sorgte mehrfach für Versachlichung der manchmal doch heftigen Diskussionen.

Eingeladen waren nur die Kandidaten der bisher im Bundestag vertretenen Parteien: Peter Beyer (CDU), Kerstin Griese (SPD), Mike Remmert (Grüne), Jörg Weisse (FDP) und Serdar A. Boztemur (Die Linke). Moderiert wurde die RP-Veranstaltung von Norbert Kleeberg, Redaktionsleiter in Ratingen, und Corinna Kuhs, Redaktionsleiterin in Mettmann.

Wirtschaft im Nordkreis: Da steht der Lückenschluss der A 44 ganz obenan. Ein RP-Leser hatte wissen wollen, ob dieses teure Bauwerk nicht auf Kosten der Instandhaltung der übrigen Straßen gehe. Obwohl schon seit etwa 30 Jahren geplant wird und ein Ende bereits in Sicht ist, schlagen die Wellen immer noch hoch, zumindest bei den Gegnern, die wie Mike Remmert immer noch Zweifel an der Umweltverträglichkeit haben. Er zweifelt auch an der vielgepriesenen Entlastung für die Innenstädte. Doch für Udo Siepmann ist die A 44 von grundlegender Bedeutung für den Erhalt und die Stärkung der Wirtschaft in Städten wie Heiligenhaus und Velbert.

Es gebe dort eine starke Automobilzulieferindustrie, deren Auftraggeber stark auf "just-in-time"-Lieferungen setzen. Peter Beyer, Kerstin Griese und Jörg Weisse sehen das genauso. "Die Baukosten in Höhe von 220 Millionen Euro sichert der Bund, das Land muss die Gelder abrufen und Aufträge erteilen", so Beyer. Jeder Tag Stillstand koste 20 000 Euro. Trotzdem sei der Umweltschutz ein wichtiger Aspekt, es müsse einen "vernünftigen Ausgleich" geben. Für die Region sei besonders die Anbindung an die Rheinschiene "dringend erforderlich".

Die Menschen in den Innenstädten würden entlastet: "Sie freuen sich auf die A44". Remmert widersprach: Es wohne in Hösel selbst an der B227, es gebe keine Staus. Der Kölner Ring sei vielmehr überlebenswichtig für die Region und die Rheinschiene. Kerstin Griese betonte klar: "Die A44 ist extrem wichtig für die niederbergische Region." Es sei das letzte große Autobahn-Projekt in Deutschland, danach würde Geld nur noch für Reparatur und Instandhaltung von Straßen und Brücken fließen. Wichtig seien aber auch die Stärkung und der Ausbau des ÖPNV im Kreis Mettmann: Man müsse problemlos von einer Stadt in die andere kommen. Was bekanntlich derzeit nicht immer so direkt klappt.

Ein weiteres zentrales Thema war der Regionalplan, der derzeit erarbeitet wird und in dem für die nächsten 15 Jahre Flächen für Wohnraum und Gewerbe festgeschrieben werden. Hinter den Kulissen wird heftig gerungen, weil die Berechnungsrundlagen Städten wie Ratingen keinen großen Spielraum mehr lassen. Siepmann, selbst bei der Planung dabei, hofft auf eine individuelle Lösung, bei der auch bestehende Flächen auf die Verwendbarkeit für Wohnen und Arbeiten geprüft werden. Für die Kommunen sei es wichtig, Arbeitsplätze anzusiedeln, denn mit Arbeitsplätzen kämen auch die Menschen wieder, sagte Siepmann.

Bei der Stärkung der Region dachte Boztemur vor allem an Krankenschwestern, Bäcker und ähnliche Berufe: Sie müssten genügend Geld in der Tasche haben, um es ausgeben zu können. Der von der Linken einst geforderte Mindestlohn sei von der rot-grünen Bundesregierung seinerzeit abgelehnt worden. Für Griese ist die Einführung des flächendeckenden Mindestlohnes auch ein Ansporn an die Unternehmen, "faire Löhne" zu zahlen. Beyer erinnerte daran, dass es in 13 Branchen bereits freiwillige Tarifabschlüsse in Richtung Mindestlohn gebe. Er sei gegen eine staatliche Lohndiktatur. Viel wichtiger sei es, in die Bildung zu investieren.

Und Siepmann gab zu bedenken, dass mit höheren Löhnen nicht auch gleichzeitig die Kaufkraft steige: Sie sei vielmehr das "Ergebnis der Lohnsumme". Und nicht nur er fragte: "Wer soll das eigentlich bezahlen?"

Quelle: RP
 
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