| 00.00 Uhr

Susanne Kröber
Alkoholismus wird noch verharmlost

Susanne Kröber: Alkoholismus wird noch verharmlost
Susanne Kröber. FOTO: privat
Ratingen. KREIS METTMANN Susanne Kröber ist die Suchtbeauftragte bei einer Stadtverwaltung im Kreis Mettmann. Die Rheinische Post sprach mit ihr über Suchtprobleme am Arbeitsplatz und unter Kollegen.

Ist Alkohol am Arbeitsplatz immer noch ein Tabuthema?

Kröber Dass würde ich so nicht sagen. Aber das Problem wird oftmals noch verharmlost. Bei unserer Stadtverwaltung gibt es eine Dienstvereinbarung zum Thema Sucht. Darin ist jedoch nicht nur etwas zu Alkoholmissbrauch, sondern auch zu anderen Süchten wie beispielsweise Medikamentenabhängigkeit oder Spielsucht geregelt. Es gibt ein mehrstufiges Verfahren, in dem den Betroffenen diverse Hilfsangebote unterbreitet werden. Gleichzeitig wird die Inanspruchnahme von therapeutischen Maßnahmen gefordert.

Volksdroge Alkohol. Süchtige brauchen dringend Hilfe. FOTO: dpa

Wodurch macht sich regelmäßiger Alkoholgenuss bemerkbar?

Kröber Eine Alkoholfahne ist sicherlich das einfachste und eindeutigste Anzeichen. Wenn jemand auch während der Dienstzeit Alkohol konsumiert, besteht mit hoher Wahrscheinlichkeit schon seit längerem ein Alkoholproblem. Suchtprobleme können sich grundsätzlich durch unterschiedliche Verhaltensweisen bemerkbar machen. Dazu gehören häufige kurzfristige Fehlzeiten, Entzugserscheinungen und Konzentrationsschwächen. Auch das häufige Benutzen von Atemreinigern oder das ständige Lutschen von entsprechenden Bonbons können ein Indiz sein.

Ist der Alkoholgenuss am Arbeitsplatz in Ihrer Stadtverwaltung ein Problem?

Kröber Alkohol ist die Volksdroge Nummer Eins in Deutschland. Etwa 1,3 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig. Bei diesen statistischen Werten wäre es abwegig zu glauben, dass unsere Stadtverwaltung nicht betroffen wäre.

Wo liegen ihrer Ansicht nach die Ursachen für übermäßigen Alkoholgenuss?

Kröber Die Ursachen können sehr vielschichtig und sehr unterschiedlich sein. Zum Teil sind es private Gründe, genauso kann sich aber auch aus beruflichen Schwierigkeiten ein entsprechendes Verhalten ergeben.

Gab es innerhalb der Stadtverwaltung schon Kündigungen wegen Alkoholismus?

Kröber Die Dienstvereinbarung sieht natürlich auch arbeitsrechtliche Konsequenzen von der Abmahnung bis hin zur Kündigung vor. Da Alkoholismus eine anerkannte Krankheit ist, wird allerdings nicht krankheitsbedingt gekündigt, sondern weil die Vereinbarungen des Stufenverfahrens, beispielsweise zur Aufnahme einer Entgiftung oder Therapie, von den Betroffenen nicht eingehalten werden.

Kommen die betroffenen Mitarbeiter auch persönlich mit der Bitte um Hilfe und Unterstützung auf Sie persönlich zu?

Kröber Bei den Betroffenen selbst besteht häufig kein Problembewusstsein, so dass dies so gut wie gar nicht vorkommt. Ein Gespräch ergibt sich oft leider erst, wenn das Verfahren nach der Dienstvereinbarung startet und Kollegen oder Vorgesetzte den Kontakt vermitteln.

Wie können Sie helfen und welche Wege schlagen Sie vor?

Kröber Ich selbst bin natürlich keine Therapeutin, sondern kann nur entsprechende Hilfsangebote vermitteln und Unterstützung bei der Kontaktaufnahme zu Einrichtungen oder Beratungsstellen anbieten. Grundvoraussetzung ist jedoch, dass die Betroffenen selbst Hilfe wollen. Jemanden einfach an die Hand zu nehmen, würde nichts bringen. Gleichwohl weise ich auf die Konsequenzen hin, die bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes reichen können. Das kann in manchen Fällen auch der entscheidende Anstoß für eine Verhaltensänderung sein.

SABINE MAGUIRE FÜHRTE DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Susanne Kröber: Alkoholismus wird noch verharmlost


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.