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Homberg
Als junge Azubis im Seniorenheim

Homberg. Ausbildung zum examinierten Altenpfleger in Haus Wichern in Homberg. Zwei Auszubildende berichten.

Was bewegt junge Leute dazu, den Beruf der Altenpflegerin oder des Altenpflegers zu ergreifen? Lisa Beckmann und Artur Kraus arbeiten im zweiten beziehungsweise dritten Ausbildungsjahr in Haus Wichern in Homberg.

Lisa ist 23 Jahre alt und hat sich nach Freiwilligem Sozialem Jahr, Praktikum und Arbeit im Florence-Nightingale-Krankenhaus in Kaiserswerth für die Altenpflege entschieden. Im Krankenhaus fehlte ihr ein bisschen "die Zeit fürs Menschliche". Artur, 17, schwebte ein Beruf in Richtung Wirtschaft vor. Doch er merkte schnell, dass ihm das zu trocken war und beschloss, "etwas zum Gemeinwohl beizutragen".

Lisa und Artur sind zwei von elf Altenpflege-Azubis im Haus Wichern. Grund- und Behandlungspflege gehören zu ihren Aufgaben: Sie unterstützen die Bewohner beim Aufstehen und ins Bett gehen, beim Waschen, Duschen, Essen. Spritzen setzen, Verbände wechseln, Thrombose-Prophylaxe, auch die Versorgung bei Inkontinenz gehört dazu. Inkontinenz? "Daran gewöhnt man sich", sagt Artur. "Es ist gar nicht so wichtig." Viel wichtiger findet er es, mit den Bewohnern den Alltag zu leben. "Wir wollen ihnen ein Zuhause bieten, auch wenn wir wissen, dass Haus Wichern ihr gewohntes Zuhause nicht ersetzen kann", erzählt Lisa. "Trotzdem versuchen wir, es so schön zu machen, wie es geht."

Dazu müssen die jungen Leute immer aufs Neue einschätzen, wie ein Bewohner sich fühlt. "Ich komme morgens ins Zimmer und merke sofort, wenn jemand besonders desorientiert ist", sagt Artur. Sich einfühlen, die richtigen Worte finden, an passender Stelle auch mal einen flapsigen Spruch einstreuen: Wer das kann, ist in dem Beruf richtig. Was braucht's darüber hinaus? Teamfähigkeit, Hilfsbereitschaft auch den Kollegen gegenüber, zählen die Azubis auf. Belastbar muss man sein, denn der Beruf "geht auf die Knochen". Und vor allem: "Viel Herz haben."

Altenpflege bedeutet, viele Menschen mit ihren Besonderheiten akzeptieren zu lernen. Es beinhaltet auch, ihnen bis zum Tod beizustehen. Lisa hat auf der Krebsstation im Krankenhaus Erfahrung mit dem Sterben gesammelt. Dass sie in solchen Stresssituationen angemessen reagieren kann, gab ihr Selbstvertrauen. "An den Tod gewöhnt man sich nie", sagt sie, "aber man muss ganz schnell lernen, Beruf und Persönliches zu trennen." Die meisten Freunde zeigen großen Respekt für diese Berufswahl.

Für Rolf Axmann, stellvertretender Pflegedienstleiter und zuständig für die Auszubildenden, passt das ins Bild: Das Ansehen des Altenpflegers, meint er, habe sich stark verbessert; nicht zuletzt, weil sie dringend gebraucht werden. Haus Wichern übernimmt fast alle seiner Azubis und bietet ihnen durch die Zugehörigkeit zur Neander Diakonie mit ihren rund 650 Mitarbeitern ein breites Spektrum an Beschäftigungsmöglichkeiten. Trotzdem liebäugeln Lisa und Artur, die beide einen Realschulabschluss mit Qualifikation haben, damit, sich später weiterzubilden. Artur könnte sich ein Fachhochschulstudium im Bereich Altenpflege vorstellen. Lisa denkt in die Richtung "Fachkrankenschwester für Intensiv- und Wachkomamedizin". Ihre derzeitige Vergütung findet sie gut - an die 900 Euro netto im Monat mit Feiertags- und Sonntags-Zuschlägen im 2. Lehrjahr. Ausgelernt verdienen Altenpfleger entsprechend dem Tarifvertrag (BAT-KF) zunächst 2.330 Euro, plus Weihnachtsgeld (80 %) und betrieblicher Zusatzversorgung, später mehr. Doch zunächst einmal müssen Lisa und Artur drei Ausbildungsjahre mit Praxis im Altenheim und Schulunterricht in der Bildungsakademie für Gesundheits- und Sozialberufe in Mettmann erfolgreich absolvieren. Die praktische Prüfung findet in Haus Wichern statt. Die Bewohner fiebern schon jetzt mit "ihren" Azubis mit und sind sicher: "Ihr schafft das!"

Quelle: RP
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