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Heiligenhaus
Als Plastik noch ein Fremdwort war

Die Leidenschaft für Glas
Die Leidenschaft für Glas FOTO: D. Janicki
Heiligenhaus. Mit Glas- und Glasersatz beschäftigen sich Monika Meyer-Degen und Dr. Horst Degen seit Jahrzehnten. Ab Sonntag ist im Museum ein winziger Ausschnitt der riesigen Sammlung des Ehepaars zu sehen. Von Paul Köhnes

Kann ein Senfglas verblüffen? Noch dazu ein leeres? Problemlos - jedenfalls dann, wenn das Ehepaar Degen ins Erzählen kommt. Die beiden teilen seit Jahrzehnten die Leidenschaft für Glas. Einen kleinen Teil ihrer Sammlung packen sie bis zum Wochenende im Museum Abtsküche aus. "Die beiden machen das hier locker allein, da kann ich gleichzeitig im Keller arbeiten", sagt Kustos Reinhard Schneider mit einem Augenzwinkern - und entschwindet. Dabei könnte mutmaßlich selbst er noch dazu lernen, wenn die Degens berichten. Ein typisches Beispiel für die Ausstellung zeigt das zughörige Plakat, auf dem Senf im Glas, im Tontöpfchen und in der Tube zu sehen ist. Senf "gab es früher in der Apotheke zu kaufen - im dort üblichen Zylinder- oder Fässchen-Gefäß", weiß Degen.

Und auch, wer meint, die Tube sei eine moderne Erfindung, irrt ein wenig: "Um 1830 meldete der Berliner Unternehmer Carl Kühne eine wiederverwendbare Senfverpackung als Gebrauchsmuster an: ein kleines Pressglas mit Henkel. Aus derselben Zeit stammt ebenfalls die Idee, Senf in der Tube zu vermarkten - gut dosierbar, luftabgeschlossen und hygienisch sauber." Begonnen hat die Sammelleidenschaft des Velberter Paars bei Gegenständen von ganz anderem praktischen Alltagsnutzen: "Schnapsgläser haben wir zuerst als Flohmarkt-Souvenirs aus Frankreich mitgebracht", erinnert sich Monika Meyer-Degen. Mit der Zeit habe man sich dann "breiter aufgestellt" mit dem Sammelgebiet. Zwar gehören auch hochvornehme Trinkgläser aus dem 18. Jahrhundert inzwischen dazu - aber um die geht es diesmal nicht.

Stattdessen um Denkwürdigkeiten wie blaugläserne Feuerlöscher aus den USA. "Die standen im 19. Jahrhundert dort vielerorts. Eigentlich sind es Ballons, die zuerst mit einer Chemikalienmischung, später mit Salzwasser gefüllt wurden. Denn die ursprünglich verwendete chemische Mixtur hatte es in sich, löschte zwar Feuer, sorgte aber bei Menschen für Atembeschwerden. Anwendung: Bei Bränden einfach ins Feuer werfen", erläutert Degen. Daneben in der Vitrine liegt ein Beutel - der allermodernste Feuerlöschtechnik enthält. "Pyro-Bubbles", luftgefüllte Glaskügelchen, die Flammen ersticken können. "Der Hersteller hat uns auf Anfrage eine Probe geschickt", sagt Degen. So einfach kann Sammeln sein. Überhaupt haben es die beiden Sammler mit dem Unerwarteten: Fischreusen gibt es aus Glas, Uhrenglocken und -gewichte. Und ganz nebenbei haben die Velberter, die im Schwarzwald eine Ferienwohnung besitzen, sich in der 300-jährigen Geschichte der dortigen Glasmacherei kundig gemacht. Und natürlich dort schon eine Ausstellung zusammengetragen. Gegen all das muten Glasgefäße zum Whiskygenuss geradezu klassisch an. Irgendwie doch ersatzlos, glasklar.

Quelle: RP
 
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