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Ratingen
An der Hochstraße herrscht Händlerfrust

Ratingen: An der Hochstraße herrscht Händlerfrust
Natascha Mützelburg durfte ihr Geschäft Landhaus Moden auf der Hochstraße am verkaufsoffenen Sonntag nicht öffnen. FOTO: A. Blazy
Ratingen. Beim verkaufsoffenen Sonntag während des Bauernmarktes durften erstmals nicht mehr alle Geschäfte in der City öffnen. Den überraschten Kaufleuten an der Hochstraße entging ein besonders umsatzstarker Tag. Von Joachim Preuss

Wie berichtet, gelten seit einer erfolgreichen Klage der Gewerkschaft Verdi gegen die Stadt Velbert neue, strengere Regeln. Offenbar haben die geänderten Vorschriften aber nicht alle betroffenen Geschäftsleute erreicht. Natascha Mützelburg vom "Landhaus" beklagte sich, dass sie erst am Freitag vor der Veranstaltung erfahren habe, dass sie erstmals ihr Geschäft auf der Hochstraße nicht mehr öffnen durfte. Auch einigen Kollegen sei das passiert. Die Hochstraße ist neuerdings ausgenommen.

Zufällig habe sie am Freitag auf Facebook einen entsprechenden Eintrag gefunden. "Das war zu spät, um noch zu reagieren, zum Beispiel mit einer Einstweiligen Verfügung", sagte Mützelburg. Sie habe sich mit ihrem Anwalt beraten: Sie sieht einen klaren "Regelverstoß" darin, dass man nicht von offizieller Seite informiert worden sei.

Ihre Kunden wollte sie via Facebook informieren: "Dank Ver.di und geringem Interesse an den Geschäften an den Randlagen werden wir, die sowieso schon durch unsere Geschäftslage benachteiligt sind, mal wieder vernachlässigt." Mützelburg führt den Modeladen seit zwei Jahren, schon ihre Vorgängerin hatte seit Beginn des Bauernmarktes immer am verkaufsoffenen Sonntag teilgenommen. "Das ist mein umsatzstärkster Tag im ganzen Jahr", so Mützelburg. Für jene, die aus alter Gewohnheit dennoch kamen, wurde per Schild kurzerhand eine private Putzparty ausgerufen: "Ich hoffe, dass mir das als Selbstständiger nicht zum Verhängnis gemacht wird. Es wäre doch sehr traurig, wenn man am Wochenende nicht in seinen eigenen Betrieb gehen und arbeiten darf."

Die neuen Regeln haben auch der Werbegemeinschaft City-Kauf viel Arbeit bereitet. schließlich gilt es nun, den Antrag auf einen verkaufsoffenen Sonntag (VOS) genau zu begründen. In Velbert hatte sich die Gewerkschaft an einem winzigen Kinderfest gestört, das als Anlass für einen VOS genommen worden war. Nun muss im Vorfeld klar sein, dass solche Veranstaltungen entscheidend mehr Besucher in die Stadt locken als an normalen Tagen. Und der Radius um den Veranstaltungsort, innerhalb dessen Läden öffnen dürfen, wurde von den Richtern sehr eingeschränkt: In Ratingen betraf das vor allem die Hochstraße, sie ist nun komplett ausgenommen.

Von der Stadt hieß es gestern, dass der City-Kauf als Veranstalter Ansprechpartner sei. Die Stadt selbst informiere über das Amtsblatt. Und: "Am Sonntag wurde vom Ordnungsamt der untere Teil der Bahnstraße und der Markt kontrolliert." Manuela Kessler, City-Kauf-Vorsitzende, verwies auf unseren damaligen Zeitungsbericht sowie Infos vom Einzelhandelverband. Es sei vor dem Ratsbeschluss genügend Zeit geblieben, um in Aktion zu treten: "Diese Einschränkung der Verkaufsfläche war weder von der Stadt, noch vom Veranstalter so gewollt, aber nach den jüngsten Urteilen die einzige Möglichkeit, eine kurzfristige, komplette Untersagung des VoS für die gesamte Innenstadt zu verhindern." Bei der Antragstellung hätte sie sich mehr Unterstützung seitens der Verwaltung gewünscht. An der entscheidenden Sitzung mit dem Ordnungsamt hätten weder Wirtschaftsförderung noch Stadtmarketing teilgenommen. Kessler sieht aber das Land in der Pflicht: "Die einzige Möglichkeit, es künftig besser zu machen, ist das Kippen der Anlassbindung im Ladenöffnungsgesetz NRW. Genau hier liegt nämlich die Schwachstelle, die ver.di zum Schaden der Innenstädte ausnutzt."

Quelle: RP
 
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