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Ratingen
Anne Gansen ist mehr als nur Buchhändlerin

Ratingen. Die Ratingerin übernahm einen Buchladen und heiratete später auch dessen Gründer. Sie hat als "Generaldirektorin" den Durchblick. Von Gabriele Hannen

Annes Buchhandlung an der Grütstraße könnte mit Fug und Recht die "Gansensche" heißen. Es ist ihr Laden und sie steht auch selber Tag für Tag inmitten des Sortiments. Dann ist sie auch noch eine - wie sagt man - eingeborene, eine gebürtige, eine überzeugte Ratingerin. Immerhin eine, die immer hiergeblieben ist. Wenn man mal die Studienzeiten abzieht. Aber auch damals hat sie oft zu Hause gewohnt.

Nun ist die Buchhandlung, und das ohne ihr Zutun, schon 1984 entstanden und hat sozusagen einen Schattennamen bekommen: "Peter und Paula". Damals an nicht weit entfernter Stelle in der Kirchgasse zu Hause, vielleicht ein paar Meter näher an der mächtigen Kirche gelegen und auch damals keineswegs eine kircheneigene Einrichtung.

Bernd Schultz hatte seinerzeit mit einem Kompagnon die Buchhandlung gegründet und auch eine Weile geführt. Und es war keinesfalls die frühe Zeit ihrer Liebe Maienblüte. Die kam später.

Anne Gansen wurde 1961, zu Frühlingsanfang, als die mittlere von drei Schwestern in eine alteingesessene Familie hinein geboren. Ihre Eltern hatten als Selbstständige eine Menge Energie und verkauften auch Energie: unter anderem Kohlen und Heizöl. Damals lernte sie kennen, wie es ist, als Kind von selbstständigen Kaufleuten aufzuwachsen, damals erfuhr sie, dass geregelte Freizeit eher was für andere ist.

Sie besuchte den Suitbertus-Kindergarten, sie ging nach der Grundschule auf die Liebfrauenschule, sie war ein sportliches Kind. Alle drei Gansen-Mädels turnten begeistert. (Was sie bislang nicht drangegeben haben). Anne legte dann das Fachabitur ab - eins, das ihr die Wege zur Gestaltung ebnete. Sie studierte erst mal Grafik-Design und erwarb schließlich die Allgemeine Hochschulreife. Und sie studierte Germanistik und Pädagogik.

Was sie nicht werden wollte, war Lehrerin. Und auch keine Hobby- und Freizeitmalerin - wenngleich sie auch malte. Wie es aber so geht, und das nicht nur in Ratingen- Mitte der 80er Jahre, übernahm sie das Buchcafé Peter und Paula, von dem sich Bernd Schultz gerade trennte. Sie übernahm es einfach mal so, wie sie ohnehin mit dem Leben umzugehen scheint, und etablierte sich damit als Buchhändlern. Später wuchs ihr dann Bernd Schultz als Ehemann zu. Und das ergab dann die Tochter Lotta, die jetzt schon ausgebildete Buchhändlerin ist.

Bei Peter und Paula reicht nicht nur eine Funktion, man muss schon mehr Qualitäten ins Gefecht werfen. So ist Anne auch noch, wie Bernd es gern sagt, "Generaldirektorin". Das heißt, dass sie den Über- und Durchblick hat, den er immer wieder schätzt, auf den er sich verlässt und den er stets wohlwollend benennt. Die von der Familie hochgeschätzte Generaldirektorin hat nun seit 2005 ihr charmantes Buchcafé an der Grütstraße und berät unerschütterlich liebenswürdig ihre Kundschaft. Sie freut sich über jeden guten musikalischen Auftritt der Tragödchen-Künstler, sie liest nach des Tages Müh' und Last: Paul Auster, Delphine de Vigan, Daniel Kehlmann und viele von denen, die gute Literatur machen. Sie hat es nicht so sehr mit Krimis.

Quelle: RP
 
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