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Ratingen
Antworten finden zur Zukunft des Autos

Ratingen: Antworten finden zur Zukunft des Autos
Der Marktplatz verwandelte sich wieder in eine automobile Schaubühne. FOTO: Blazy Achim
Ratingen. Es gab ein beherrschendes Thema auf der 19. Ratinger Automeile: Was tun, sollten Städte demnächst Dieselfahrzeuge aussperren? Und noch ein Blick nach vorn: In Kürze wird es in Ratingen vier Stromtankstellen geben. Von Dirk Neubauer

Vor dem Portal der Pfarrkirche Peter und Paul bekommt der Diesel sozusagen die letzte Messe gelesen. "Wenn ich mit meinem gerade mal ein Jahr alten Auto bald nicht mehr in die Innenstädte fahren darf, dann kommt er weg, das sage ich Ihnen!", schimpft ein Autobesitzer aus vollem Herzen, während sich der neben ihm stehende Verkäufer in Gedanken wohl an die obersten Erfolgsregeln für den Profit klammert: Den Kunden ausreden lassen! Niemals widersprechen! Stattdessen das Gespräch behutsam auf das neueste Modell lenken: "Haben Sie schon unsere neue E-Klasse gesehen? Den gibt es jetzt erstmals auch als Hybrid-Fahrzeug!" Also mit Elektro- und Verbrenner-Motor. Vor drei Wochen noch war das Auto der Hingucker auf internationalen Messen.

Nun fängt auf dem Ratinger Markt der automobile Alltag für das Fahrzeug an. Und der ist alles andere als ein Benzin-Schlecken. Zehn, fünfzehn Mal pro Minute reißt jemand die Tür auf und lässt sie zurück ins Schloss fallen; je voller der Ton, desto besser die Qualität. Glaubt Mann. Musikalische Menschen könnten aus dem Klack - das Schloss, zapp - der Griff und -wumm, die Tür glatt eine Ouvertüre schreiben. Titel: die 19. Ratinger Automeile.

Elektro-Mobilität ist stark gefragt: Experte Martin Vogel am Stand der Stadtwerke Ratingen hat Antworten. FOTO: A. Blazy

Mit knapp 20 Marken und 177 Fahrzeugen verlegten sich gestern die Autohäuser der Stadt mal eben in die Stadtmitte - zum Sonntagsbummel mit Kaufwunsch-Garantie. Jedenfalls solange, bis der Blick auf die zugehörigen Preisschilder der Karossen fällt: 75.640 Euro sind für den Wagen zu berappen - so wie er da steht. "Aber früher kostete der ... knapp 50.000 D-Mark - und das war schon viel...".

"Die heutigen Fahrzeuge haben jede Menge Elektronik und Assistenzsysteme. Viele Fahrer denken, ihnen könne nichts mehr passieren. Deshalb sind wir mit unserem Überschlags-Simulator hier", erklärt Ulrich Herbertz von der Dekra. Im Kleinwagen festgeschnallt werden Freiwillige durchgeschüttelt wie Würfel im Knobelbecher. Plötzlich spüren Fahrer und Beifahrer das Gewicht der eigenen Körper - spätestens, wenn die Insassen kopfüber in den Gurten hängen. Genau in dieser Position bricht Herbertz die Demonstration ab. Anfangs hatten die Dekra-Mitarbeiter erlaubt, dass die Insassen die Gurte lösen. Da krachten sie dann mit ihrem Kopf gegen den Dachhimmel des Autos und verließen mit einem Brummschädel den Dekra-Stand.

Ein kleines Stück die Turmstraße hinauf hatten die Ratinger Stadtwerke ihr Zelt aufgeschlagen. Dort stand auch ein Modell einer Schnellladesäule für die Autos der kommenden Generation: pure Elektrofahrzeuge. "Wir werden sehr häufig darauf angesprochen. Aber bei den meisten Besuchern schwingt immer noch eine gehörige Portion Skepsis mit", sagte der zusammen mit Waltraud Rapp für E-Mobilität zuständige Martin Vogel. "Bei der Einführung von Erdgas-Antrieben waren es dieselben Fragen: Wie groß ist die Reichweite? Und: Wo bekomme ich Nachschub?" Deshalb ist Vogel sicher, dass Elektrofahrzeuge bald etwas Normales sein werden. Der E-Smart kommt mit einer Akkuladung rund 100 Kilometer weit und muss dann wieder für eine Stunde an die Säule. Stadtwerke-Kundenbetreuerin Anke Kohl freut sich auf die kommende Woche: Dann darf sie den Elektrowagen bewegen - zum allerersten Mal. Ihre letzten Worte gehen allerdings unter im lautstarken Röhren einiger Gas-Stöße in einem Achtzylinder-Supersportwagen. Automeile-Klassik-Kulisse - sozusagen.

Quelle: RP
 
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