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Ratingen
Auermühle hat eine Treppe für Fische

Ratingen: Auermühle hat eine Treppe für Fische
Das Fischtreppen-Projekt ist endlich abgeschlossen: Dirk Brüning von der Auermühle mit Anja Hill und Alessandra Rost (links) sowie Hund Indy. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Der lange Streit um Tierschutz, Verordnungen und Vorschriften ist beendet. Das Projekt kostet 100.000 Euro. Von Wolfgang Schneider

Rein theoretisch könnten sie jetzt Treppen steigen - die Fische an der Auermühle. Wenn sie denn Beine hätten. "Die Fischtreppe ist fertig", sagt Dirk Brüning, Pächter des dortigen Restaurants. Und damit endet auch ein fast vier Jahre währender Streit um Tierschutz, Verordnungen und Vorschriften. Aber der Reihe nach.

Als er vor einigen Jahren das traditionelle Mühlrad wieder in Betrieb nehmen wollte, kam die Auflage: Das geht nur, wenn es eine Fischtreppe gibt. Und da fing der Ärger um das Bauwerk an. Eigentlich wollten die Eigentümer der Auermühle, die Brüder Volker, Jörg und Torsten Doppstadt, nur das kaputte, im Jahr 2008 demontierte Wasserrad durch ein neues ersetzen. Eine Mühle ohne Rad sei schließlich keine Mühle, stellte damals Volker Doppstadt klar. Doch da hatte er die Rechnung ohne zahlreiche Verordnungen und Gesetze gemacht. Denn alles, was mit Wasser und Mühlen zu tun hat, ist eine ziemlich komplizierte Sache. Zwar gab es auch noch andere Probleme, der Hauptaspekt lag aber auf der Fischtreppe. Was jahrelang kein Problem war, artete plötzlich zu einem Politikum aus, das die Fraktionen im Rat der Stadt und im Kreistag beschäftigte. Selbst der damalige Bürgermeister Harald Birkenkamp und Landrat Thomas Hendele schalteten sich ein.

Die toll gelegene Auermühle ist ein echter Tourismus-Magnet: Viele Ausflügler machen einen Abstecher ins idyllische Tal. FOTO: Blazy, Achim (abz)

Damit genügend Wasser für das Wasserrad zur Verfügung steht, wurde die Anger an der Mühle mit einem kleinen Wehr gestaut. Eine Fischtreppe sei daher nötig, um es den Fischen zu ermöglichen, trotz des Wehrs flussaufwärts zu gelangen. Dass an der Mühle neben dem Wehr eine Art Umlaufgraben exisitierte, der die geforderte Durchlässigkeit ermögliche - und das trotz eines minimalen Höhenunterschiedes - interessierte nicht. Die Fischtreppe musste her. Besonders ärgerlich: Während die öffentliche Hand für den Bau einer solchen "Treppe" Fördermittel aus EU-Töpfen hätte bekommen können, sollten die Doppstadts die Kosten für die Maßnahme komplett aus eigener Tasche zahlen - obwohl die exakten Besitzverhältnisse damals alles andere als klar waren.

Doch was lange währt, wird bekanntlich gut, der Streit wurde beigelegt. 100.000 Euro hat der Spaß gekostet. "Rund 85 Prozent davon werden gefördert", erzählt Brüning, den Rest haben die Doppstadts aus eigener Tasche gezahlt und die Treppe dann mit allerlei spektakulärem Gerät zusammen mit dem Bergisch-Rheinischen Wasserverband bauen lassen.

Das sorgte übrigens in den gerade zu Ende gegangenen Osterferien für wahre Begeisterung in den sozialen Medien im Internet. So manch erwachsener Mann stand mit staunenden Augen vor den Spezialbaggern, die durch das Wasser der Anger wateten, um die Treppe fertigzustellen. Vor wenigen Tagen wurden die Arbeiten beendet.

Nun haben die Fische endlich ihre Treppe und die Auermühle hat ihr Mühlrad - und das kann jetzt sogar ganz offiziell grünen Strom produzieren.

Quelle: RP
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