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Kreis Mettmann
Auf dem Folterstuhl Grenzen erfahren

Kreis Mettmann: Auf dem Folterstuhl Grenzen erfahren
Diplom-Sportlehrerin Monika Strugholz testet die Muskulatur von Dirk Neubauer. Eingespannt in einen gepolsterten Folterstuhl wartet er auf die Anweisungen, die da kommen. FOTO: Dietrich Janicki
Kreis Mettmann. Mit Computerhilfe wird der Fitness-Status ermittelt. Der Selbstversuch des Autors ist schweißtreibend. Doch am Ende lobt sogar der Computer den angehenden Hobbysportler. Von Dirk Neubauer

"Die Vermessung der Welt" war 2005 ein Erfolgsroman von Daniel Kehlmann und stand 37 Wochen lang auf Platz eins der Bestsellerliste. "Die Vermessung des Autors" ist demgegenüber nur ein kleiner Schritt und nach 20 Minuten erledigt. Eingespannt in einen orange-rot gepolsterten Folterstuhl harre ich den Anweisungen, die da kommen. Diplom-Sportlehrerin Monika Strugholz bedient die Apparatur. Mit Computerhilfe wird mein Fitness-Status ermittelt.

Ich muss Muskeln anspannen und entspannen und noch mal doller anspannen und entspannen. Und schließlich alles geben - aaannnnnnspannnnen und loslassen. Ich ignoriere das leichte Ziehen in der rechten Rippenregion und den roten Kopf. Schließlich ist eine Leistungsdiagnostik der erste Schritt zur Überwindung des inneren Schweinehunds. Da muss bei Medi-Sport jeder Neuling durch.

"Wir unterscheiden uns von anderen Anbietern im Fitnessmarkt dadurch, dass wir ein Training möglichst genau auf eine Person abstimmen", hatte Geschäftsführerin Sigrun Blauth erklärt. Schließlich geht es nicht darum, aus mir Couch-Kartoffel in Rekordzeit einen Vorzeigeathleten zu machen. Pumpen, Eisenbiegen und den Bizeps aufblasen kann schließlich jeder.

"Wir wollen an die tiefsitzende Muskulatur heran. Die, die zum Beispiel für die Haltung der Wirbelsäule verantwortlich ist." Ihre Missachtung kostet auf die Dauer Lebensqualität. Tschüss, ihr Rückenschmerzen! Hallo, neue Beweglichkeit. Von Kopf bis Fuß schmerzfrei leben - so wird es auf der Webseite versprochen. Ergänzt um Alter, Geschlecht, Gewicht wird ein Datenblatt daraus. Insgeheim hatte ich mit Entsetzensrufen gerechnet. Doch im Rahmen der Erstvermessung haben sich alle Trainer vorbildlich im Griff und zeigen nichts als professionelles Interesse. Und auch einige Fitnesskunden auf dem Weg zu ihren nächsten Übungen muntern auf: "Hallo, gut, dass Du anfängst. Wenn Du Fragen hast, melde Dich!" Derweil ist das Datenmaterial ausgewertet; Monika Strugholz zieht mit zwei spitzen Fingern eine weiße Chipkarte aus dem Rechner: "So, darauf sind nun alle Angaben für den ersten Zirkel gespeichert." Bei den ersten Malen wird Monika neben den Trainingsgeräten stehen, bei der Einstellung der Sitzposition helfen und Fehler freundlich, aber bestimmt korrigieren.

Los geht es mit den Beinen. Ich soll die Unterschenkel heben und senken. Dabei drücke ich gegen einen gepolsterten Bügel, der meine Bewegung in pure Elektrizität verwandelt. Auf dem Bildschirm vor mir zuckt ein roter Punkt. "Diesen Punkt bitte immer möglichst mittig in der Spur halten", sagt Monika Strugholz. "Und los geht's." Trainiert werden hier Kraft und Koordination. Nach einigen Versuchen klappt das ganz gut. Ich lobe mich. Und noch wichtiger: Der Computer lobt mich auch - und bescheinigt, dass ich die Übung zu 94 Prozent richtig gemacht habe. Alles im grünen Bereich.

Als ich antippe, dass mir diese Übung leicht gefallen ist, sagt die Trainerin: "Nächstes Mal werden sich die Gewichte auf den Beinen um ein Kilo erhöhen."

Quelle: RP
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