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"Aus Problemen können auch Chancen wachsen"

Ratingen. Einzelhändler Dirk Wittmer und Sebastian Lausch engagieren sich seit vielen Jahren für Ratingen West.

Sie sind seit über 20 Jahren an Ihrem Standort in West. Warum sind Sie so überzeugt von dem Standort?

Dirk Wittmer Dieser Standort ist einfach ideal für uns. Neben der zentralen Lage leben hier so viele Menschen wie in keinem anderen Stadtteil. Das ist sicherlich auch ein ungeheures Kundenpotenzial für uns. Dazu kommt die Lage in unmittelbarer Nähe zur Autobahn und zum Flughafen. Viele Kunden aus Düsseldorf oder den benachbarten Kreisstädten sowie Einpendler oder Geschäftsreisende halten mal eben kurz im Stadtteil an, um etwas zu besorgen und sind dann von den Möglichkeiten hier häufig so begeistert, dass sie wieder kommen.

Woher wissen Sie das so genau?

Wittmer Ich kann natürlich nur für uns sprechen. Wir erfassen aber in regelmäßigen Abständen an den Kassen die Postleitzahlen unserer Kunden und haben so einen sehr guten Überblick darüber woher unsere Kunden kommen. Man mag gar nicht glauben, wie viele Menschen aus Düsseldorf, dem Ruhrgebiet oder aus Velbert nach West kommen um bei uns aber sicherlich auch bei unseren Nachbarn einzukaufen.

Wo Sie gerade Düsseldorf sagen: Ist das nicht so etwas wie das Damoklesschwert, das über dem Ratinger Handel kreist?

Wittmer Ein Damoklesschwert denke ich nicht, vielmehr ein gefühltes Grundrauschen, das nicht einmal spezifisch West betrifft. Immer wieder ist zu hören, das wir Kaufkraft und Kunden nach Düsseldorf oder auch Essen verlieren und deshalb große Namen hier angesiedelt werden müssen, um die Menschen an die Stadt zu binden. Wir müssen uns wie jede anderer Stadt unserer Lage aber damit abfinden, dass es die Menschen immer mal in die Großstadt ziehen wird. Wir sollten jedoch nicht immer über das philosophieren was schlecht ist, sondern über das, was Ratingen und die Stadtteile ausmacht. Denn einen Kundenfluss in andere Städte können wir nicht verhindern, sondern müssen es akzeptieren und deshalb mit anderen Ideen punkten - zum Beispiel mit dem Charme, den die Innenstadt aber auch die Stadtteile an vielen Orten zu bieten haben und Ratingen deutlich von den Nachbarstädten abhebt. Das schätzen auch viele Kunden heute schon, obwohl sie sicherlich auch in der Großstadt einkaufen aber eben dennoch aus der Großstadt wegen diesem Charme und der Übersichtlichkeit zu uns kommen.

Jetzt würde ich West nicht unbedingt als Ausbund an Charme bezeichnen.

Wittmer West muss man nicht immer nur als einen homogenen Standort betrachten. Wir müssen uns nur das Naherholungsgebiet Volkerdey oder auch die Grachtensiedlung ansehen. Ich finde wirklich charmante Orte, die auch jeder Ratinger kennt. Sicherlich gab es und gibt es hier auch Probleme aufgrund der Struktur des Stadtteils, das darf man nicht wegdiskutieren. Aber aus solchen Problemen können auch Chancen wachsen, was man gerade am Beispiel West gut erkennen kann. Hier gibt es so viele Menschen aus ganz verschiedenen Bereichen, die großes Engagement an den Tag legen, die etwas verändern wollen und so etwas dafür tun möchten, um den Stadtteil attraktiver zu machen. Nur ein Beispiel dafür ist ein Mann wie Heiner van Schwamen mit seiner Zelt Zeit und Infra West. Was durch solch ein Projekt und der Förderung des Stadtteils geleistet wird, ist für Ratingen West von immenser Bedeutung. Deshalb sind wir zum Beispiel auch schon seit Jahren als Unterstützer dabei. Es gibt aber auch viele kleinere Projekte hier, die gar nicht so im Licht der Öffentlichkeit stehen, mit denen aber trotzdem sehr viel Gutes getan wird.

Unter anderem gibt es einen regelmäßigen Runden Tisch.

Sebastian Lausch Hier treffen sich sehr regelmäßig verschiedene Vertreter von Gewerbetreibenden, Stadt, Polizei und anderen Institutionen im Stadtteil, um sich auszutauschen, gemeinsame Projekte zu planen oder auch über Probleme und deren Lösung zu sprechen. Das ist ein sehr wichtiges Netzwerk geführt von der IHK, weil wir so in der Lage sind, schnell zu reagieren und uns kurzzuschließen. So etwas ist wohl einzigartig, erst recht in dieser Zusammensetzung.

Dabei könnte Ihnen doch egal sein, was im Stadtteil passiert. Platt gesagt: Hauptsache, der Laden läuft.

Wittmer Das entspricht zum einen definitiv nicht unserer Firmenphilosophie. Und zum anderen gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Image des Stadtteils und der Gewinnung von Neukunden. Wer als Gewerbetreibender etwas für West tut, tut letztlich auch etwas für seinen Betrieb. Man muss sich als Teil dieses Stadtteils betrachten. Wir haben unter den Gewerbetreibenden ein sehr gutes Miteinander, jeder tut für West das, was im Rahmen der Möglichkeiten geht.

Das tun aber offensichtlich nicht so viele Kollegen von Ihnen, die Leerstände am Berliner Platz sind hoch.

Lausch Das stimmt im Moment natürlich, aber es ändert sich auch gerade einiges. Aber hat der Leerstand etwas mit West zu tun?. Es gibt schließlich am Berliner Platz oder auch im Einkaufszentrum Jenaer Staße/Erfurter Straße viele Geschäfte, die seit Jahren sehr gut laufen und über die Grenzen des Stadtteils bekannt sind.

Gibt es ein Erfolgsrezept, um hier bestehen zu können?

Wittmer Das hat nichts mit West zu tun, es ist allgemeingültig. Wer sich heute hinsetzt und darauf wartet, dass die Kunden kommen, der hat schon verloren. Ich muss Aktionen und spezielle Angebote nutzen, um die Menschen in den Laden zu locken. Das kann man doch wunderbar an verkaufsoffenen Sonntagen sehen. Dort, wo es neben dem geöffneten Geschäft noch andere Aktionen gibt, ist was los. Wer aber meint - und das gilt auch für uns -, an einem solchen Tag wirklich Geld zu verdienen, der denkt zu kurzfristig, das ist kaum möglich. Aber ich kann auf mich aufmerksam machen und vor allem potenzielle Neukunden gewinnen.

KARL RITTER STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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