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Heiligenhaus
Ausstellung zeigt Nachkriegsgeschichte

Heiligenhaus. Pfarrer Rainer Eppelmann schickt in Isenbügel die Ausstellung "Der Kalte Krieg" auf eine Reise durch die Stadt und spricht über den Wert von Demokratie. Der DDR-Bürgerrechtler hat auch eine andere Herrschaftsform erlebt. Von Henry Kreilmann

Er prägte den Berliner Appell "Frieden schaffen ohne Waffen" mit, gründete gemeinsam mit anderen die erste oppositionelle Bürgerbewegung und er war in der letzten DDR-Regierung Minister für Abrüstung und Verteidigung, bevor er nach der Wende Mitglied des gesamtdeutschen Bundestages wurde. Kaum einer hat im einst zweigeteilten Deutschland den "Kalten Krieg" so nah erlebt wie Pfarrer Rainer Eppelmann.

Am Donnerstag eröffnete er als Vorsitzender der 'Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur' die Ausstellung "Kalter Krieg - Ursachen, Geschichte, Folgen", in der voll besetzten Dorfkirche Isenbügel. Er habe die Einladung nach Heiligenhaus gerne angenommen, denn die Ausstellung soll hier auch in den Schulen zentral behandelt werden und genau dort müsse sie hin "zu denjenigen, für die das Thema Geschichte ist, weil sie damals noch nicht geboren waren." Für die älteren sei das Thema noch in der Erinnerung, in Schulen oder den Familien werde das Thema aber zu wenig behandelt. Auch ein Grund, warum der ehemalige VHS-Chef Jürgen Schöps sich aktiv für die Ausstellung stark gemacht hat, er sagt: "Wir müssen die Erinnerung lebendig halten." Mit Berliner Zungenschlag erzählt Eppelmann, was ihn antreibt: "In einer Studie unter 16 bis 18-jährigen Gymnasiasten, bei denen die Schüler unter vier Antworten eine richtige auswählten mussten, haben wir herausgefunden, dass 20 Prozent von ihnen dachten, Erich Honecker sei ein Bandleader gewesen. 19 Prozent hielten Willy Brandt und Wolf Biermann für langjährige Generalsekretäre der SED in der DDR." Für Eppelmann, der für seine Überzeugung im Stasi-Knast gesessen hat und mehrfach Mordversuchen entgangen ist, sind die Studienergebnisse ein Grund mehr, auch heute nicht zu schweigen und die Erinnerungen lebendig zu halten. "Wer mit dem Namen Willy Brandt nichts anfangen kann, der weiß gar nichts über den Beginn der zweiten deutschen Demokratie", sagt der Berliner. Eppelmann hat in einer Diktatur gelebt und lebt nun in einer Demokratie. "Der Vergleich zeigt mir, wie kostbar Demokratie wirklich ist. Obwohl sie so selbstverständlich wirkt und alltäglich ist." Er ist sich sicher: "Es gibt bislang kein besseres Modell, als die Demokratie und das auch im Interesse unserer Kinder." Der Mauerbau am 13. August 1961 sei für ihn ein besonders prägendes Ereignis gewesen, "dieses Datum sagt alles aus, was den Kalten Krieg auszeichnet. Wobei 'Kalter Krieg' meine Meinung nach gar nicht das richtige Wort ist. Es waren heiße Kriege an vielen Standorten, mit vielen Toten und einer wahnsinnigen Verschwendung von menschlichem Geist, Ressourcen und Geld." Er erinnert an an die Kuba-Krise: "Da standen wir dem dritten Weltkrieg am nächsten." Umso wichtiger sei es für ihn immernoch: "Man muss miteinander reden, um zu Lösungen zu kommen." Die Geschichte Deutschlands mache ihm Hoffnung, dass es funktionieren kann: "Nach dem zweiten Weltkrieg war 'du Deutscher' eine Beschimpfung, heute gehört Deutschland zu den beliebtesten Ländern. Diesen Wandel haben wir uns verdient", betont er und fragt. "Was wollen wir zukünftig? Diese Frage werden wir uns als Gesellschaft intensiv zu stellen haben."

Im Februar wird Eppelmann 74, sein großes Ziel hat er fest im Blick: "Ich will mindestens 93 Jahre alt werden, dann habe ich ein Jahr länger in der Demokratie gelebt, als in der Diktatur."

Quelle: RP
 
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