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Ratingen
Bei Wolle Weber ist im März Schluss

Ratingen: Bei Wolle Weber ist im März Schluss
Monika Weber-Sandlöbes gibt das bekannte Fachgeschäft Wolle Weber auf. FOTO: achim blazy
Ratingen. Monika Weber-Sandlöbes führte das Fachgeschäft in fünfter Generation. Nun schließt sie und geht in den Ruhestand. Von Valeska von Dolega

Ein Leben ohne Textilien kennt Monika Weber-Sandlöbes nicht. Denn bereits als kleines Mädchen wuselte die inzwischen fast 65-Jährige um die Beine ihrer Eltern in deren Fachgeschäft. "Wenn es nötig war, habe ich mitgeholfen." Dann durfte sie Krawatten wieder akkurat in Kartons zurücklegen oder zuvor präsentierte Waren an den jeweiligen Platz im Regal zurückräumen. "Das hat mir schon damals viel Spaß gemacht." Der Spaß ist nun vorbei, Anfang März schließt Ratingens ältestes, inhabergeführtes Textilgeschäft. "Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge", bilanziert die Einzelhändlerin.

Denn den Spaß am Umgang mit Wolle, Wäsche und verschiedensten Textilien hat die "überzeugte Ratingerin - "ich bin ein waschechter Dumeklemmer" - im Verlaufe ihres Berufsleben nicht verloren. "Es war vollkommen klar, dass ich irgendwann das Familiengeschäft übernehmen würde." Dafür lernte sie nicht im elterlichen Betrieb, sondern ging nach Düsseldorf. "Mein Vater legte großen Wert darauf, dass ich anderswo Erfahrungen sammele." 1988 übernahm sie dann das Geschäft an der Düsseldorfer Straße, ein Traditionshaus, das sie in 5. Generation führte.

Dessen Erfolgsgeschichte begann 1847. Damals kaufte Johann Bruckmann das Gebäude und eröffnete eine Wirk- und Strumpfweberei. Die Tochter des Firmengründers übernahm dann, von den Urgroßeltern hängt noch immer ein großes Bild in Monika Weber-Sandlöbes Büro. Nach dem Krieg wurde das Wäsche Weber wieder aufgebaut, "meine Eltern erlebten eine Zeit, in der der Handel blühte."

Mailand, Paris oder London waren nicht Anlaufstellen für Messebesuche, um neue Kollektionen zu ordern, sondern die Modetermine in Düsseldorf. "Die Kundschaft hatte ich bei den Bestellungen immer im Hinterkopf", schließlich gab es einen weiten Kreis von immer wieder kaufenden Kunden, die Hemden, Blusen, Röcke und Strümpfe gerne in bester Qualität für sich aussuchten.

Fingerspitzengefühl und einen Blick für das Gegenüber beschreibt die nun Demnächst-Pensionärin neben allem fachlichen Wissen als wichtigste Eigenschaften. Und den Service. Wer früher bei ihr einen Rock aussuchte, bei dem der Saum zu tief saß, den vermass sie mit dem sogenannten Rockabrunder und setzte für die Schneiderin per Kreidepuster die Marke, bis wohin er gekürzt werden sollte. Extra-Bestellungen oder Hosenänderungen waren ebenso selbstverständlich.

"Es war nicht erst seit gestern klar, dass wir schließen würden", resümiert die Mutter von zwei Söhnen. Zwar sind beide in der Textilbranche tätig, aber keiner der gelernten Kaufleute mochte den Betrieb übernehmen. Weiterer Leerstand entlang der Düsseldorfer Straße muss nicht befürchtet werden, es gibt bereits einen Interessenten für das ladenlokal. Sie plaudert lieber von "ihrem" Ratingen, diesem "gemütlichen Städtchen, das so viel Persönlichkeit hat". Zum Einkaufen sei es hier viel angenehmer, vor allem die Atmosphäre rund um den Markt sei schön. Davon will sie sich zukünftig mehr gönnen, denn die Selbstständigkeit bedeutete eben auch, selbst ständig für alles verantwortlich zu sein. Auf Reisen will sie gehen, "da bin ich noch ohne Plan und ohne Ziel wohin" und sich um ihre Familie kümmern. Zweifache Omi ist sie bereits, auf Enkel Nummer drei freut sie sich.

Quelle: RP
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