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Heiligenhaus
Bis zu 700 neue Flüchtlinge könnten kommen

Heiligenhaus: Bis zu 700 neue Flüchtlinge könnten kommen
FOTO: Blazy, Achim (abz)
Heiligenhaus. Über die Feiertage gab es keine neuen Zuweisungen für die Stadt. Ab Montag dürfte es mit der Ruhe vorbei sein. Von Wolfgang Schneider

Es war eine kurze Atempause, aber dafür eine dringend nötige. Über die Feiertage hatte die Bezirksregierung ein Einsehen mit den arg gebeutelten Mitarbeitern der Stadtverwaltung: Es gab keine neuen Zuweisungen an kommunalen Flüchtlingen. "Dass daraus allerdings ein Trend abzulesen ist für die kommenden Monate, bezweifele ich allerdings ernsthaft. Wir gehen stark davon aus, dass es für uns in einer ähnlichen Taktung weiter geht", gibt sich Bürgermeister Jan Heinisch wenig optimistisch.

Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen

Und seine Berechnungen sorgen in der Tat für Sorgenfalten im Gesicht der Verantwortlichen: "Erfolgen die Zuweisungen in einer ähnlichen Taktung wie im vergangenen Jahr, werden wir 2016 700 neue Flüchtlinge in der Stadt aufnehmen." Ein Teil davon wird in der Oberilp Platz finden, wo sich die Stadt mit einem Eigentümer einig geworden ist. Hierzu gibt es wie vermeldet am kommenden Dienstag, 5. Januar, ab 18 Uhr eine Informationsveranstaltung im evangelischen Gemeindezentrum am Europaplatz. Doch das dürfte im Fall der Fälle ein Tropfen auf dem heißen Stein sein - mehr nicht: "Geht es so weiter, sind diese Kapazitäten spätestens Ende Februar oder Anfang März aufgebraucht", macht Heinisch deutlich. Und so sucht man im Rathaus weiter händeringend nach Alternativen.

Nur ein bisschen Hilfe schafft dabei die Tatsache, dass die Flüchtlinge in der Landesnotunterkunft an der Schulstraße auf das städtische Kontingent angerechnet werden. "Wie für alle anderen Städte auch ist und bleibt die Unterbringung von Flüchtlingen eine gigantische Aufgabe, der wir uns alle in der Stadt stellen müssen", sagt Heinisch. Dass man sich damit nicht bloß Freunde unter den Menschen in der Stadt macht, haben Heinisch und seine Leute mehr als einmal zu spüren bekommen. Jede potenzielle städtische Immobilie hatten sie 2015 unter die Lupe genommen, um sie auf Tauglichkeit für die Unterbringung von Flüchtlingen zu überprüfen. Kaum tauchten die städtischen Mitarbeiter irgendwo auf, war der Aufschrei groß - schon sah man zum Beispiel den Erhalt des Steppkeshaus' oder sogar des Clubs gefährdet. Proteste hatten es zum Beispiel im März in Tüschen gegeben, als klarwurde, dass in den ehemaligen Heilpädagogischen Kindergarten Flüchtlinge einziehen sollten. "In einer Einfamilienhaussiedlung besteht keine Gebietsverträglichkeit für ein Flüchtlingsauffanglager, die täglichen Bedürfnisse der Flüchtlinge lassen sich hier nicht befriedigen. Öffentliche und soziale Einrichtungen sowie Einzelhändler sind nicht fußläufig zu erreichen", hatte Ralf Dohrmann, Sprecher der Interessengemeinschaft Tüschen, sich damals beklagt. Außerdem sei der Zustand des Gebäudes denkbar schlecht, eine menschenwürdige Unterbringung sei alleine wegen des Schimmelbefalls nicht möglich. Ein Problem, das die Stadt zu diesem Zeitpunkt schon behoben hatte. Und so leben mittlerweile rund 20 Heiligenhauser Neubürger in dem Objekt. "Problemlos", wie Heinisch betont. Wie lange diese Objekte noch für die Unterbringung genutzt werden, weiß aber niemand.

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai
Quelle: RP
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