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Lintorf
Brücken bauen ohne Werkzeug

Lintorf: Brücken bauen ohne Werkzeug
Ob das hält? Viertklässler der Johann-Peter-Melchior-Grundschule versuchen sich als Brückenbauer. FOTO: Achim Blazy
Lintorf. Zusammen mit Ingenieuren lernen Lintorfer Schüler die hohe Kunst des Brückenbaus im Kleinen. Von Monika von Kürten

Die Turnhalle der Johann-Peter-Melchior-Grundschule verwandelte sich in eine große Baustelle. Denn für die Schüler der beiden vierten Klassen gab es dort einen Unterricht der besonderen Art. Technisches Verständnis, logisches Denken sowie ein wenig Physik und Mathematik waren angesagt: Nach einer theoretischen Einführung durch die Mitarbeiter der Ingenieurkammer-Bau NRW standen die Schüler vor der kniffeligen Aufgabe, aus 21 Holzbalken möglichst schnell ohne Werkzeug, Schrauben, Nägel, Seile oder Kleber eine Brücke nach den Vorgaben des Renaissance-Künstlers und -Ingenieurs Leonardo da Vinci zu bauen und deren Stabilität unter Beweis zu stellen. Einziges Hilfsmittel war ein Konstruktionsplan, den es erst einmal zu lesen und zu verstehen galt, um ihn dann umzusetzen.

Allein durch gezieltes Stecken und ineinander Verschachteln der Balken entstanden die verblüffend einfachen Bauwerke, welche zwar nicht die Ausmaße der seinerzeit von da Vinci geplanten Brücke hatte, aber dennoch etwa 1,50 Meter hoch waren und eine Spannweite von rund vier Metern maßen.

Bereits seit 2009 wird in der Grundschule das Leonardo-Projekt durchgeführt, immer zum Ende des Schuljahres als ein Highlight für die Abschlussklassen. Auch an diesem Vormittag war nicht nur die richtige Technik, sondern auch Teamgeist gefragt. Die Schüler wurden auf fünf Bauplätze, alle benannt nach einer Stadt im Ruhrgebiet, verteilt und ermittelten in vier Runden die schnellsten Baumeister.

Jede Gruppe musste gemeinsam arbeiten, denn ohne Teamwork war es unmöglich, die Brücke zum Stehen zu bringen. Zusammen wurde auch das Einstürzen der ersten Bauversuche betrauert, hitzig diskutiert und motiviert der Wiederaufbau begonnen. Über mehrere Runden wurde das schnellste Team ermittelt. Freiwillige Eltern stoppten die Zeit. Wer die Fachleute der Ingenieurkammer zur Hilfe rief, kassierte "Strafminuten". Von Runde zu Runde wurden die jungen Konstrukteure routinierter und schneller, Misserfolge vermiesten ihnen nicht die Freude am Wettbewerb. "Das hat richtig Spaß gemacht, vor allem das Kämpfen im Team. In der Vorrunde haben wir nur sieben Minuten gebraucht", erzählte Sebastian stolz, der mit seiner Gruppe über drei Runden in "Köln" jeweils die schnellsten Brücken gebaut hatte. Bis ins Halbfinale konnten sie ihr Bauzeit auf gut eineinhalb Minuten verbessern. Auch den Lehrern gefiel das Projekt. "Die Schülern können hier sehr gut die Teamarbeit lernen und lernen, dass sie nicht aufgeben sollen. Außerdem war es sehr interessant zu beobachten, dass einige Teams schon sehr früh zugegeben haben, nicht weiter zu kommen und sich bei den Fachleuten trotzt Strafminuten Hilfe geholt haben. Sie hatten somit am Ende eine bessere Bauzeit erreicht als die Gruppen, die es verbissen erst alleine schaffen wollten", sagte Lehrerin Petra Schürmann. Am Ende mussten sich die Baumeister aus Sebastians Team wegen des unglücklichen Einsturzes ihres Bauwerkes kurz vor Schluss geschlagen geben. Es siegte ein Team der Parallelklasse, das in "Münster" in einer Minute und 52 Sekunden eine stabile Brücke baute.

Quelle: RP
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